Test: Worms W.M.D

Von Stefan Finke am 15. Dezember 2017

Die Würmer sind nun auch auf der Switch los! Und es macht mächtig WUMMS!

„Hallelujah!“ singt der Chor im Moment wo eure gut platzierte Heilige Granate den Wurm von euren besten Freund kilometerweit über das Spielfeld schleudert. Keine Frage, die Freundschaft ist an dieser Stelle schon fürchterlich erschüttert, geht dann aber auch ihrem sicheren Ende zu, wenn der Freund euren explosiven Gruß mit einer Bananenbombe beantwortet. Die Würmer sind tot und die Nerven liegen blank. Spieler 3, der sich bisher dezent zurückgehalten hat um persönlichen Fehden aus den Weg zu gehen, versuchte einige Tricks mit dem Ninjaseil um seinen Wurm in eine vorteilhaftere Position zu bringen. Leider verhakte der sich komisch und versenkte seinen eigenen Wurm in die nächstgelegenen Wassergrube. 

Kommt das jemanden bekannt vor? Wer sich schon zur Jahrtausendwende in Worms Armageddon oder in Worms World Party mit Frohlocken gezofft hat, der wird dieses Szenario sicherlich kennen. Und der neuste Titel der Worms-Serie, Worms W.M.D., findet nun auch seinen Weg auf die Switch und möchte dabei komplett „Back-to-the-Roots“ sein. Wie viele andere Franchises auch hatte Worms sich bei der Erkundung von 3D-Gameplay ein wenig verbrannt. Die Serie behielt durchgehend seinen fetzigen Charme mit krummen Witzen, dämlichen Ausdrücken und einem britischen Akzent der so deutlich auf die Klischee-Pauke haut, dass man nur noch herzhaft darüber lachen kann. Jedoch lebt Worms insbesonders von seiner Simplizität, die es jedem erlaubt das Spiel schnell zu verstehen und zu lernen. Mittlerweile hat sich Team17 wieder auf sein sensationelles 2D-Gameplay besinnt, geht aber mit Worms W.M.D. noch weitere Schritte, um an die alten Tage von Worms Armageddon zu erinnern.

That’s gonna be wacky, mate!

Worms W.M.D. präsentiert sich erstmals wieder in einer reinen 2D-Optik und das Gameplay verbleibt gänzlich unverändert. Ihr steuert rundenbasierend eine Gruppe von Würmer(mit starken Akzent) im Versuch, die gegnerische Gruppe von Würmer(mit einem noch stärkeren Akzent) in die Luft zu jagen und als Letzter auf den generierten Schlachtfeld zu stehen. Dazu steht euch ein Arsenal an Waffen zu Verfügung, dessen Nutzung erst mal ein wenig erprobt werden muss. Dazu stehen etliche Tutorialmissionen zur Verfügung um sich mit den Waffen vertraut zu machen. Nichtsdestotrotz bleibt das Dilemma bestehen, dass ihr oft erst im Kampf ein Gefühl für eure Tools und Waffen entwickelt, was dann mal gerne in ein unfreiwilliges Abschießen oder Ertränken eurer eigenen Würmer bedeuten kann. Sobald die Waffe abgefeuert ist oder wenn ihr Schaden nimmt, wird eure Runde automatisch beendet. Das Spielprinzip ist zwar simpel, aber es dauert ein wenig bis man anfängt seine Waffen effektiv zu nutzen. Im Multiplayer jedoch ist dieses Verfahren irre komisch, schließlich dürft ihr euren Gegner ebenfalls zusehen, wie er die eine oder andere Granate verhaut. 

Der Humor im Spiel ist einer der stärksten Träger, welche fast jede Situation in einen spaßigen Moment verwandelt. Das liegt insbesonders an der Gestaltung eurer eigenen Würmer. Ihr könnt diese, wie schon in bisherigen Spielen der Serie zuvor, einkleiden und thematisch verzieren. Grabstein, Hut und Siegespose verleihen euren pinken Soldaten einen ganz individuellen Charme. Vor allem die Benennung kann sehr viel Spaß machen, wer möchte schon mal nicht seine Freunde, Familenangehörigen, Lehrer und Arbeitgeber, Präsidenten und anderes Gesocks auf dem Schlachtfeld zusammenschmeißen und herausfinden, wer am Ende mächtiger ist? Aber in einer Angelegenheit punktet Worms wie sonst kein Spiel es tut. Die Sprachdatenbanken sind extrem komisch, vom Antarktiserkunder, einem verwöhnten Citygirl bishin zu eurer alten Oma und schlechten Rapper, die Sprachausgabe eurer Würmer ist irrsinning komisch und das bloße Zuhören macht immens Laune. Wer sich also auf den Humor einlassen kann findet hier ein großartiges Potenzial mit Freunden an der Heimkonsole einfach mal herzhaft zu lachen und Spaß zu haben.

Ain’t a long shot if yer askin‘ me!

Wie schon erwähnt, Worms W.M.D will sich auf seine alten guten Tage von Worms Armageddon besinnen. Dazu haben sie einige Features von neueren Iterationen wie die Wurmklassen kompromisslos gestrichen. Jedoch fügt Worms W.M.D wiederum seine ganz eigenen Mechaniken dazu, sodass es eher fraglich ist ob Worms W.M.D. sich wirklich ernsthaft mit den Features von den älteren Worms zufrieden gibt. In diesem Spiel gibt es diesmal stationäre Kanonen wie das Snipergewehr oder den Granatwerfer. Zusätzlich können auch Vehikel auf dem Schlachtfeld erscheinen, darunter Panzer, Mechsuits und Helikopter. Team17 verstand sich jedoch darauf, diese Erneuerung sinnvoll zu balancieren. Zwar sind diese stationären Waffen und Vehikel sehr mächtig, jedoch können diese auch explodieren wenn sie stark beschädigt werden. Sollte sich ein Wurm auch nur in der Nähe oder gar in der Kontraption befinden, dann könnte eine Explosion solcher zu einem schnellen schmerzhaften Tod führen. Außerdem, sollte ein Vehikel bereits besetzt sein, kann jeder andere Wurm das Gerät nichtsdestotrotz ohne Mühe übernehmen und den anderen Wurm per Hinterntritt aussetzen. Damit ist gesorgt, dass Vehikel für alle Spieler frei zugänglich sind und für jeden Spieler Gutes als auch Schlechtes bedeuten kann. Eine balancierte Nutzung dieser Waffen fügt eine strategische Tiefe hinzu, die das Spiel am Ende an Spielspaß bereichert. 

Eine weitere Erneuerung ist das Crafting-System, was bei bloßer Nennung bei einigen Spieler schon die Alarmglocken blechern lässt. Ihr könnt nun Baumaterialien auf dem Schlachtfeld finden oder euer bestehendes Arsenal auseinandernehmen, um an Rohstoffe zu kommen. Einmal zusammengetragen könnt ihr euch jede beliebige Waffe bauen, wenn ihr die entsprechenden Materialkosten tragen könnt. Der elegante Trick bei der ganzen Sache: Ausrüstung könnt ihr auch während des gegnerischen Zuges zusammenbauen. Eines der Probleme die bei rundenbasierten Multiplayer-Titel auftaucht ist dass man die Hälfte der Zeit eigentlich nur zuschaut, da jeder Spieler nacheinander ihren Zug spielen. Team17 möchte hier nun mit dem Craftingsystem diesen „Pausen” ein wenig mehr Nutzen zuschreiben und die Wartezeit ein wenig versüßen. Auch erlaubt das Crafting-System dass man sich seinen eigenen Spielstil ein wenig besser zurechtlegen kann. Wer gerne mit Dynamit arbeitet, wird sicherlich 1-2 mehr Stangen über den Verlauf des Kampfes erstellen können. Das Craftingsystem ist eine nette Ergänzung, die jedoch eher der Simplizität von Worms gegenübersteht, die das Spiel in erster Linie doch eigentlich so spaßig macht. Auf dieses System könnte eigentlich verzichtet werden und Worms W.M.D. würde nicht wirklich was dabei verlieren.

If it fits, I sits all right!

Worms W.M.D. ist nicht gerade brandneu, tatsächlich ist das Spiel bereits ein Jahr alt, da es auf anderen Plattformen bereits in 2016 erschienen ist. Aber glücklicherweise hat das Spiel nun seinen Weg auf die Nintendo Switch gefunden. Warum glücklicherweise? Das liegt wohl daran dass ein missions- und rundenbasiertes Spiel sich perfekt eignet, um unterwegs gezockt zu werden und gleichermaßen auch daheim am großen Bildschirm durch seinen wütenden Multiplayer entzücken kann. Da das Spiel rundenbasiert ist, kann man quasi im Hotseat-Mode spielen, wo ein einziger Controller herumgereicht wird. Damit sind Multiplayerpartien, egal ob unterwegs oder daheim, mit sechs Spielern mit nur einem Controller möglich. Die Solokampagne umfasst genügend Missionen die herausfordernd sind und euch tüfteln lassen, mit welcher Strategie ihr den gegnerischen Würmchen den Garaus macht. Zusätzliche Puzzle- und Challenge-Missionen fordern dann auch noch die Intensivspieler heraus. Nichtsdestotrotz ist klar, dass es sich bei Worms in erster Linie um einen Multiplayertitel handelt. Wer ein paar lustige Abende mit Freunde verbringen möchte, der kriegt wohl am ehesten das Meiste für seinen Groschen.

 

Technisch ist das Spiel sehr gut aufgestellt. Die Umgebungen, in welcher die Würmer ihren brutalen Krieg austragen, sahen noch nie schöner aus. Viele verliebte und lustige Details finden sich für den aufmerksamen Beobachter. Problematisch ist jedoch dass bei der HD-Auflösung alles etwas klein ist. Man kann zwar variabel rein oder rauszoomen, aber eigentlich möchte man damit während des Kampfes nicht beschäftigt sein. Die Menüs sind damit auch etwas klein geraten und man schon blinzeln um wirklich Alles erkennen zu können. Die Musik wiederum nimmt einen Schritt zurück und klimpert eher passiv vor sich her. Anstatt einer aufregenden Maintheme gibt es nur eine unmotivierte Geräuschkulisse für das Hauptmenü und in den Partien selbst ist die Musik eher zweitrangig. Dafür ist das Sounddesign sehr befriedigend und es fetzt schön wenn die Waffen auf Wurm und Stein knallen. Die Steuerung ist intuitiv und braucht nicht viel Mühe um erlernt zu sein. Auch Onlinemultiplayer ist in Worms W.M.D. möglich. Entweder duelliert ihr euch in einem Ranked-Match gegen einen gleichstarken Spieler und klettert im Rank hoch oder ihr begibt euch in eines der offenen Spiele, die ihr in der Onlinelobby findet oder erstellt. Die Internetverbindung ist ordentlich, selbst bei sechs Mitspielern. Es kommt zu keinen Rucklern wenn ihr euren Zug macht. Beim Zugwechsel ruckelt es ein wenig, aber das ist genau der Zeitpunkt wo es nicht darauf ankommt. Es lässt sich also gut und vernünftig online zocken.

Fazit:

Worms W.M.D. kostet satte 30 Euro und steht derzeit nur als Downloadtitel zur Verfügung. Aber das Spiel ist sehr gelungen und bietet den Spaß, den man sich von einem Worms wünschen würde. Insbesonders die gute Synergie mit dem System und der Möglichkeit, mit nur einem Controller mit bis zu sechs Spielern zu spielen, ist großartig. Auch für unterwegs eignet sich das Spiel und bedient somit alle Anwendungsfälle, in welche die Switch als Konsole brilliert. Der Humor ist großartig und die Dynamik zwischen zwei verbitterten Mitspielern erinnert an blutige Mario Kart-Abende. Selbst Solospieler kommen auf ihre Kosten, so brauchen die Missionen doch etliche Stunden und herausfordernde Challengemissionen sorgen dafür, dass jeder sich an Worms auch in Einsamkeit satt spielen kann. Aber der Titel ist wirklich genau dann zu empfehlen, wenn ihr ein paar Freunde ins Wohnzimmer holt oder… ihr bringt die Switch zu euren Freunden. Ein spaßiger Titel der in jeder Videospielbibliothek nicht verkehrt am Platz wäre.

Wertung:

8.0

Stefan Finke meint:

"Würmer auf der Switch, da geht es erst so richtig los! Sehr schön!"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


GF0P
vor 7 Monaten | 0
Herrlich! Worms 1 auf PC und Teil 2 auf dem SNES war damals der Knaller (wortwörtlich) mit den Kumpels! Was haben wir gelacht, was haben wir gestritten! Alles nach Worms 2 war irgendwie mies! W.M.D. hatte ich schon auf der Xbox im Auge, aber nur als Download reichlich teuer! Auf Switch passt das Gameplay aber wie Arrrr auf Eimer! Ich hoffe auf eine Retail!