Test: Nine Parchments

Von Michael Prammer am 12. Dezember 2017

Mit der Trine-Serie hat Frozenbyte bereits gute Erfahrungen auf einer Nintendo-Konsole gemacht. Mit Nine Parchments möchten die Entwickler nun nachlegen.

Nine Parchments kann seine Wurzeln kaum verkennen und sieht bereits auf den ersten Blick aus wie ein Spiel im Trine-Universum, lediglich hinsichtlich Spieldesign und der Kamera gibt es kleinere Änderungen. Waren die Trine-Abenteuer dynamische 2D-Sidescroller, bekommt ihr es bei Nine Parchments mit einem Top-Down-Action-Rollenspiel zu tun, welches mit der Diablo-Serie verglichen werden kann. Trine-Kenner sollten sich aber alleine schon aufgrund des Settings sofort heimisch fühlen. Einziger Unterschied: Ihr bekommt es nur noch mit Magiern zu tun. Andere Klassen spielen keine Rolle.

Diablo trifft Harry Potter

Die Geschichte von Nine Parchments handelt von einer eine Zauberakademie, die unglücklicherweise einem mysteriösen Angriff zum Opfer wurde. Dabei wurde ein wichtiges Zauberbuch in Mitleidenschaft gezogen, bei dem nun neun Pergamente mit mächtigen Zaubersprüchen in alle Himmelsrichtungen verstreut wurden. Aus dieser Hintergrundgeschichte heraus erklärt sich auch der Name des Titels; Nine Parchments. Ziel des Spielers ist es nun, die fehlenden Schriftstücke zu finden, das Zauberbuch zu vervollständigen und somit den Frieden zurück in die Zauberschule zu bringen.

Im Mittelpunkt des Gameplays steht die Zauberei - mit Hilfe von mächtigen Zaubersprüchen und unterschiedlichen Zauberstäben müsst ihr euch den zahlreichen Feinden entgegenstellen, die euch den Weg zu den Pergamenten erschweren. Andere Waffenarten werdet ihr im Spiel hingegen nicht finden. Zwar bleibt dem Spieler prinzipiell noch der Faustkampf, jedoch dient dieser eher zum Öffnen von Kisten als zum Beseitigen von Gegnern. Wer den Gegnern größeren Schaden zufügen möchte, greift zu einem der vielen Zaubersprüche, die den fünf Elementen Feuer, Elektrizität, Eis, Tod und Leben entstammen.

Da auch die Gegner stets den unterschiedlichen Elementen zugeordnet werden können, müssen je nach Gegner auch unterschiedliche Zauber eingesetzt werden. Ein Eismonster wird beispielsweise effektiv mit Feuer bekämpft, anderserseits wird ein Feuer-Widersacher am besten mit einem Eiszauber aus dem Weg geräumt wird. Mit dem Elektro-Zauber können Feinde hingegen auch kurzzeitig paralysiert werden, während ihr euch mit der Lebensmagie selbst heilen könnt. Via Ringmenü wird der jeweilige Zauberspruch je nach Situation passend ausgewählt und dann im Ideallfall sinnvoll angewendet. Und das kann sich während eines großen Gegneraufkommens häufig schonmal ändern, da oftmals verschiedene Elementartypen gleichzeitig auf den Spieler zukommen.

Unterschiedliche Zauber für unterschiedliche Gegner

Einen Haken hat die ganze Sache mit der Magie aber; sie verbraucht Mana, die ihr nicht unbegrenzt zur Verfügung habt. Ist die Mana-Leiste eines bestimmten Zaubers leer, steht ihr unter Umständen schonmal auf verlorenem Posten. Dann hilft nur noch ein Zauberwechsel und die Hoffnung, dass euer Gegner nicht gerade immun gegen euren verwendeten Zauber ist. Dieses ständige Rotieren eures Zaubers ist also zwingend notwendig und bringt eine gewisse Komplexität und Taktik in das Gameplay. Denn wer mit seinem Zauber nicht gut haushalten kann und die Zaubersprüche effizient variert, wird schnell zu Boden gehen. Auch an dieser Stelle gibt es aber eine Besonderheit: Wer einmal stirbt, bekommt sofort an selber Stelle eine zweite Chance. Wer jedoch ein zweites Mal das Zeitliche segnet, muss am letzten Checkpoint starten. Diese sind allerdings relativ fair verteilt und Frust kommt trotz der vielen Bildschirmtode nur selten auf. Hilfreich sind auch die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade, die für jeden Spieler das bevorzugte Spielniveau liefern.

Für zusätzliche Motivation sorgen die fünf Federn in jedem Level, die es zu sammeln gilt. Mit diesen werden Hüte, die lediglich als optische Aufwertungen fungieren, und vor allem neue Zauberstäbe freigeschaltet. Letztere machen euren Zauber stärker. Ebenfalls gewinnt euer Magier durch Erfahrungspunkte an Stärke, die er für das Besiegen von Gegnern und das Öffnen von Truhen erhält. Dadurch schaltet ihr wiederum weitere Zaubersprüche frei, verkürzt die Aufladezeiten der Zauber oder erhöht eure Lebenspunkte. Bei Level 40 befindet sich euer Charakter auf dem Maximum, lediglich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad dürft ihr bis 60 leveln. Dafür hält dieser Schwierigkeitsgrad eine ganz besondere Herausforderung für euch parat: Wer hier stirbt, muss das komplette Spiel von vorne beginnen.

Nine Parchments ist bereits alleine sehr unterhaltsam und motiviert für eine lange Zeit. Doch noch mehr Laune macht das Spiel mit mehreren Leuten. Dies kann entweder an einer Konsole mit bis zu drei Freunden bewältigt werden oder im Onlinemodus. Es ist in Nine Parchments nämlich möglich, das komplette Abenteuer kooperativ durchspielen. Das Problem am Onlinemodus auf der Switch: Ihr trefft mit einem Zauber immer – egal ob Freund oder Feind. An einer Konsole lässt sich das mittels Absprache noch wunderbar koordinieren, jedoch ist das online mangels direkter Kommunikationsmöglichkeiten aktuell nicht möglich und so sind unfreiwillige Bildschirmtode unausweichlich. Darüber hinaus wird das gesamte Abenteuer im Koop deutlich einfacher. Segnet ein Magier-Kollege das Zeitliche, bleibt er an Ort und Stelle liegen. Ein anderer Magier kann ihn dann einfach wiederbeleben und das Spektakel geht weiter.

Auch technisch gesehen ist Nine Parchments richtig gut gelungen. Die Effekte der Zaubersprüche, die Hintergründe der Landschaften und vor allem die Beleuchtungen sehen richtig gut aus. Auch die Steuerung geht gut von der Hand, auch wenn die Kamera leider einige Probleme bereitet. Das liegt vor allem daran, dass man sie nicht manuell bewegen kann. Die Draufsicht bleibt stets statisch und je nach Spielsituation bleiben einige Bereiche dadurch verdeckt. So wird man unter Umständen bei großem Gegneraufkommen schonmal in eine Ecke getrieben, verliert den Überblick und stirbt. 

Nett, aber in der Praxis eher unübersichtlich: Ihr dürft auf der Switch auch mit zwei Joy-Cons zusammen auf einem Bildschirm spielen und könnt das Magier-Abenteuer überall und jederzeit auch mit einem Kumpel spielen. Sehr ärgerlichzudem: Es ist aktuell lediglich möglich einen einzelnen Spielstand anzulegen. Startet ihr ein Multiplayerspiel ist der Einzelspielermodus-Speicherstand also dahin und umgekehrt. Hier wünschen wir uns schnellstens einen Patch.

Fazit:

Nine Parchments bietet ein schönes Action-Fantasy-Erlebnis, wie es Fans der Trine-Spiele erwarten durften. Der Wechsel von 2D auf eine „Diablo-ähnliche“-Ansicht schadet dem Abenteuer nicht und macht trotz kleinerer Kamera-Probleme sehr viel Spaß. Für genügend Motivation sorgt das gute Magiesystem, bei dem ihr taktisch mit euren Zaubern haushalten müsst. Dazu sieht das Rollenspiel rund um die Magier-Akademier richtig gut aus und kann mit tollen Effekten aufwarten. Im Mehrspielermodus legt Nine Parchments sogar noch eine Schippe drauf und unterstützt Nintendo Switch, wo es nur kann. Lediglich die fehlende Kommunikationsmöglichkeit beim Online-Spiel stört in der Version für Nintendo Switch. Ärgerlich ist zudem auch, dass ihr im Moment nur einen Spielstand anlegen könnt. Nichtsdestotrotz ist Nine Parchments ein tolles Action-RPG, das sich Fans von Trine und Co. unbedingt ansehen sollten.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Schönes Action-Fantasy-RPG mit taktischer Note im Setting des Trine-Universums."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


2null3
vor 10 Monaten | 0
Vielen Dank dafür. Ich hatte das Spiel als Coop Titel gar nicht auf dem Radar, werde es mir aber bei Gelegenheit zulegen.

nibez
vor 10 Monaten | 2
Klingt alles sehr nach Magicka, nur dass man da noch wild die Zauber durcheinandermixen konnte. Aber der Titel ist auf meiner Wunschliste.