Anspielbericht zu Anima: Gate of Memories

Von Andreas Held am 07. Juni 2016

Der Name "Anima" dürfte den meisten Spielern gänzlich unbekannt sein, doch komplett neu ist die Serie nicht: Das vor zehn Jahren gegründete Indie-Studio "Anima Project" veröffentlichte die Buchreihe "Anima: Beyond Fantasy" und versuchte sich anschließend an einer Videospiel-Adaption seines Universums, die nun unter dem Namen "Gate of Memories" erscheint. Während das Vereinte Königreich sogar eine schicke Limited Edition des Spiels bekam, erscheint Anima im Rest der Welt nur als ein Download für PC, PS4 und XB1, der je nach Plattform und Angebotspreis etwa 20€ kostet. Die ursprünglich geplante Wii U-Version wurde offenbar gecancelt. Da uns freundlicherweise ein Review-Code zu dem Action-RPG zur Verfügung gestellt wurde, haben wir uns einmal angesehen, ob es sich bei Anima: Gate of Memories um einen Geheimtipp handeln könnte.

Low-Budget-Imitat von God of War und Co.
Vielleicht liegt es daran, dass wir die zugrundeliegende Buchreihe nicht kennen, doch die Story von Anima: Gate of Memories wirkt ungemein Konfus. Die Protagonisten erwähnen ständig Orte und Figuren, die zuvor nicht eingeführt wurden, sodass man ohne Vorwissen über das Franchise keine Möglichkeit hat, die Handlung zu verstehen. Die provisorisch wirkenden Cutscenes, in denen die Story mit untertitelten Ingame-Standbildern und geradezu fürchterlicher Sprachausgabe erzählt wird, machen dabei keinerlei Lust auf mehr.

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Auf der offiziellen Homepage wird das Kampfsystem als eines der stärksten Features von Anima beworben. In der Praxis präsentierte sich dieses ziemlich schwach auf der Brust: Zwar habt ihr einige Angriffsmanöver zur Verfügung, bei denen es sich jedoch insgesamt nur um einige abgewandelte Nahkampf- und Projektilattacken handelt. Viele Gegner sind sehr langsam und können selbst nur aus der Nähe angreifen - diese Feinde könnt ihr mit Fernkampfwaffen komplett aushebeln. Steht ihr einem Monster gegenüber, das gegen solche Magieangriffe immun ist oder selbst Projektile verschießen kann, wird es etwas brenzliger - in diesen Situationen fällt schnell die sehr steife Steuerung ins Gewicht. Denn wenn ihr einen Angriff ausführt, reagiert euer Charakter grundsätzlich nicht auf Controller-Eingaben, bis die entsprechende Animation beendet ist. Derartige Systeme kennen wir aus Monster Hunter oder Dark Souls, doch während ihr in diesen Spielen eure Feinde beobachten und Zeitfenster für Gegenangriffe finden könnt, sind die Angriffsmuster in Anima völlig undurchdacht und beliebig, was ein taktisches Vorgehen unmöglich macht. In der Folge werdet ihr also ständig getroffen, erhaltet im Ausgleich aber von jedem besiegten Feind und von vielen Objekten innerhalb der Spielwelt zahlreiche Health-Pickups. Und wenn diese nicht mehr ausreichen, könnt ihr jederzeit auf Knopfdruck ein Heilungs-Item benutzen.

Gate of Memories verfügt darüber hinaus über ein paar RPG-Elemente. Mit gesammelten Skillpunkten könnt ihr zwei verschiedene Charaktere aufleveln, zwischen denen ihr im Kampf jederzeit wechseln könnt. Beide Figuren verfügen jedoch effektiv über die exakt gleichen Aktionen und Fertigkeitsbäume, was dieses Feature ziemlich sinnlos aussehen lässt. Die Spielwelt von Anima ist offen gestaltet, kommt dabei jedoch ohne Level-Scaling aus, sodass sich insgesamt ein klarer roter Faden durch das Spiel zieht. Auch die geräumigen Areale sind leider keine wirkliche Bereicherung für das Spiel. Denn während ihr in Zelda vorsichtig mit Hinweisen gefüttert werdet, wo die Reise weitergehen könnte, irrt ihr in Anima meist völlig ziellos durch die Gegend, bis ihr irgendwann auf den nächsten Schalter oder das nächste Item stoßt, mit dem es (hoffentlich) irgendwo weitergeht. Der um mindestens eine Konsolengeneration hinterherhinkenden Grafik-Engine gelingt es derweil nicht, die zu großen Teilen sehr lieblos gestaltete Spielwelt ansprechend zu präsentieren.

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FAZIT:
Zeit-Redakteur Dirk Gieselmann berichtete in seinem genialen Erlebnisbericht zu einem Lifestyle-Restaurant in Berlin-Mitte von seiner Angst, dass ihn jemand aus dem Stadtteil werfen könnte, weil er "auf uninteressante Weise nicht gut aussieht". Derselben Logik folgend haben wir Anima: Gate of Memories nach einigen Spielstunden aus unserem Testlabor verbannt, weil es auf uninteressante Weise ein schlechtes Spiel ist. Während die meisten Indie-Projekte ein innovatives Konzept im kleinen Stil umsetzen und auf diese Weise gegen deutlich teurere Konkurrenten punkten können, orientiert sich Anima in seinem Spieldesign eng an den aktuellen Marktführern. Da ein kleines, unbekanntes Studio aber natürlich keine Chance hat, einem von Platinum Games entwickelten Kampfsystem oder einer von Naughty Dog gestalteten Spielwelt das Wasser zu reichen, entblößt sich das Endprodukt als billiges Low-Budget-Imitat seiner Vollpreis-Vorbilder. Gäbe es in Deutschland eine Retail-Fassung, müsste diese konsequenterweise nicht bei Media Markt, sondern bei ALDI in den Regalen liegen. Wer bei seiner Kaufentscheidung auch andere Faktoren als nur den Preis eines Videospiels berücksichtigt, sollte um Anima: Gate of Memories einen großen Bogen machen.

Einschätzung: Mangelhaft

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2 Kommentare:


mowowo
vor 5 Jahren | 0
ich sehe keinen Grund Aldi zu beleidigen #aldigate #künstlichempört

Schniko
vor 5 Jahren | 0
;-)