Test: Uurnog Uurnlimited

Von Nico Zurheide am 02. Dezember 2017

Hier kommt ein uurngewöhnliches Spiel von Nifflas, den Entwicklern von Knytt Underground und Affordable Space Adventures.

Metroidvania erlebten in 2017 einen Aufschwung, allein Metroid: Samus Returns und Hollow Knight zählten zu den besten Genre-Vertretern der letzten Jahre und durch Dead Cells wird der altbewährte Spielaufbau gekonnt mit dem Rogue-like-Genre verbunden. Das kleine Studio Nifflas Games profilierte sich auf Nintendos Wii U mit innovativen Spielkonzepten und natürlich bildet auch Uurnog da keine Ausnahme. Unterstützt durch Humble Bundle konnte Lead-Entwickler Nicklas Nygren einen 2D-Platformer verwirklichen, der das gewohnte Konzept des Metroidvania etwas auf den Kopf stellt.

Dein Freund, der Speicherraum

In Uurnog findet ihr euch nach einem kurzen Tutorial-Level in einem Raum mit zahlreichen Türen wieder, von denen die meisten allerdings noch verschlossen sind. Dies ist der zentrale Speicherraum des Spiels, nur hier kann der Fortschritt des jeweiligen Durchlaufs gesichert werden. Das Ziel des Platformers wird hier auf einer großen Anzeige dargestellt: Der Spieler soll verschiedene Objekte aus dem Spiel in den Speicherraum bringen, um so das Spiel abzuschließen. Dazu gehören einige Blöcke und freundlich gesinnte Tiere, aber auch feindliche Aliens. Nun, nicht wirklich feindlich. Denn die Welt des Spiels existiert einfach vor sich hin und kümmert sich eigentlich nicht weiter um die Spielfigur. Auch die Aliens laufen nur ihre Bahnen ab und schießen ab und zu mit ihrer Laserwaffe. Man muss sich in Uurnog also nicht in schwierigen Jump'n'Run-Passagen oder gegen starke Gegner beweisen - das einzige Spielziel ist, alle geforderten Objekte in den Speicherraum zu entführen.

So startet ihr direkt in das A-Level, in dem auch zahlreiche Shops beheimatet sind, in welchen ihr viele der geforderten Gegenstände direkt kaufen könntet. Für Käufe gilt es allerdings Rubine zu investieren, doch diese sind in der Spielwelt eher rar gesät. Dazu kommt, dass bei einem Ableben des Protagonisten bis auf den Speicherraum die gesamte Welt zurückgesetzt wird, auch die bis dahin gesammelten Rubine. Der zentrale Knotenpunkt spielt also eine tragende Rolle, indem man hier immer wieder wichtige Items ablegt, um sie bei Bedarf später zu verwenden. Das wird auch dadurch nötig, dass der Charakter bereits nach zwei Treffern (ob von Bomben, Geschossen oder Stacheln spielt keine Rolle) das Zeitliche segnet. Ein Level-Up-System gibt es nicht. Uurnog konzentriert sich voll und ganz auf die kreative Sammelmechanik.

Groß gewobenes Rätselnetz

Die Herangehensweise ist nach dem Betreten des ersten Levels jedem Spieler selbst überlassen. Der Spieler kann entweder auf die Suche nach Rubinen gehen, um einige Objekte direkt zu kaufen, oder dem Sammeln von Schlüsseln für weitere Welten höchste Priorität einräumen. Einige dieser Schlüssel erhaltet ihr durch das Lösen von in sich geschlossenen Rätseln, für andere Belohnungen muss aber auch schonmal über mehrere Ecken gedacht werden. Die erste Kategorie erfordert meist nur etwas Nachdenken und beinhaltet kurze Geschicklichkeitspassagen, für die zweite Kategorie ist der Gebrauch des Speicherraums hingegen zwingend erforderlich. Auch ganz klassische Notizen können an dieser Stelle helfen; so solltet ihr euch beispielsweise die Position der blauen Vögel aufschreiben, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Vor allem Bomben, Behälterblöcke und Vögel zum Erreichen höherer Plattformen sollten außerdem im zentralen Knotenpunkt gelagert werden - ohne diese Items ist ein Abschließen des Spiels nur schwer möglich. Außer Laufen und Springen kann der Protagonist nämlich keine Aktion ohne Hilfsmittel ausführen, wobei jeder Block im Spiel eine andere Fähigkeit besitzt.

Bei der Sammelorgie trifft eure Spielfigur immer wieder auf NPCs, die dem Helden zwar nichts Böses wollen, durch ihre vordefinierte Einstellung auf „neutral chaotisch“ und den Gebrauch von Items das Spielgeschehen aber dennoch beeinflussen können. So andersartig wie das Gameplay gestaltet sich auch die musikalische Untermalung des Metroidvania. In Uurnog kommt ein Prototyp zum Einsatz, der algorithmisch das aktuelle Spielgeschehen adaptiert und dann passend darauf reagiert. Diese Technik will Nifflas in zukünftigen Titeln noch weiter ausbauen. Die Grafik kann das Niveau der anderen Spielelemente nicht wirklich halten, trotz einiger netter Effekte und liebevoller Sprite-Grafiken ist der Look minimalistisch und eher zweckmäßig gewählt. Außerdem wird ein Koop-Modus angeboten, in dem ein zweiter Spieler einen Hund mit besonderen Fähigkeiten spielt. Dieser Modus macht das Spiel zwar etwas leichter, bereichert das Gameplay aber ansonsten eher wenig.

Fazit:

Die erfrischend neue Herangehensweise an das Metroidvania-Genre gelingt Nifflas Games vor allem durch ungewöhnliche Spielmechaniken. Blöcke und Lebewesen der Spielwelt in einen zentralen Knotenpunkt entführen, um das Spiel abzuschließen und die kreative Speichermechanik machen Uurnog Uurnlimited zu einem gelungenen Experiment. Wo andere Entwickler an dieser Stelle bereits einen kreativen Schlussstrich gezogen hätten, geht Nifflas noch einen Schritt weiter und implementiert eine neuartige Spielmusik, die adaptiv auf das Spielgeschehen reagiert. Das Spiel eignet sich für Speedruns genauso wie für ein entspanntes Durchspielen und lässt gerade beim ersten Durchlauf einen kindlichen Entdeckungsdrang aufkommen. Wer nach dem ersten Abschluss noch einmal auf Itemsuche geht, den erwarten außerdem noch nette Überraschungen.

Wertung:

8.0

Nico Zurheide meint:

"Ein gelungenes Beispiel der Anwendung eines neuartigen Spielkonzepts auf ein altbekanntes Genre."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Jerry
vor 2 Wochen | 0
Ich finde das Spiel sieht viel schlechter aus, als es offenbar ist :-/