Test: Cat Quest

Von Deniz Üresin am 29. November 2017

Felingard wird von Drachen heimgesucht! Nur ihr als legendäres Drachenblut könnt den schuppigen Monstern Einhalt gebieten. Willkommen in der offenen Spielwelt von Skyrim, äh Cat Quest!

Erst wird eure Schwester entführt, dann gesellt sich ein liebenswerter, aber nerviger Geist zu euch und dann erfahrt ihr auch noch, dass Drachen in euer Land eingefallen sind und ihr die einzige Katze seid, die sich ihnen entgegenstellen kann. Immerhin könnt ihr euch dafür in einem niedlichen Open-World-Action-RPG austoben, nach Herzenslust looten und leveln und vor allem an jeder Ecke katztastischen Wortspielen lauschen!

Skyrim im Katzengewand?

Die Story in Cat Quest ist Nebensache – genau wie im großen Vorbild von Bethesda. In der Welt von Felingard leben die Katzen in Frieden, die letzten Drachen wurden in einem großen Krieg von den legendären Drachenblütern bezwungen. Drakoth, ein Nachfahre dieses Kriegergeschlechts, hat allerdings sinistre Pläne und bringt einige der feuerspeienden Echsen mit dunkler Magie wieder zurück. Als wäre das noch nicht genug, entführt er auch noch eure Schwester! Recht früh stellt sich heraus, dass ihr eine tragende Rolle in Drakoths Plan spielt, denn auch ihr seid ein Drachenblut. Mit Spirry, dem Katzengeist und Navi-Abklatsch an eurer Seite, versucht ihr fortan, Drakoths Pläne zu durchkreuzen und eure Schwester zu retten – zumindest irgendwann. Schließlich gilt es ja noch haufenweise Dungeons zu erkunden und Sidequests zu absolvieren!

Die offene Spielwelt kann mit einigen Städten und Dungeons aufwarten, allerdings sei an dieser Stelle gleich gesagt: Ihr dürft kein zweites Skyrim in Sachen Größe und Umfang erwarten! Das Indiegame, das auch auf Smartphones erhältlich ist, hatte natürlich nicht das gleiche Budget wie die Triple-A-Titel, denen es nacheifert, die es mit lustigen Seitenhieben aber auch auf die Schippe nimmt.  

„Städte“ bestehen in Cat Quest lediglich aus einem Hotel, in dem man kostenlos per Catnap seine Energie auffüllen kann, einem Questbrett und dem einen oder anderen NPC. Der bunte Comiclook ist simpel aber süß und passt durchaus in das lustige Spiel mit all seinen knuffigen Charakteren. Der Humor ist allerdings recht einseitig: Fast jeder gesagte Satz im Spiel und fast alle Ortsnamen sind Wortspiele, die etwas mit Katzen zu tun haben oder Referenzen zu bekannten Spielen und Serien sind. Cat Quest ist übrigens komplett auf Deutsch spielbar, aber ein Großteil der Wortspiele geht mit der Übersetzung flöten, sodass ihr, sofern rudimentäre Englischkenntnisse vorhanden sind, auf jeden Fall auf Englisch spielen solltet.

But… is it good?

Da Cat Quest auch auf dem Smartphone ohne Knöpfe funktionieren muss, ist das Aktionsrepertoire eures felinen Kriegers logischerweise nicht gigantisch. Ihr könnt eure Gegner per Schwertangriff traktieren, ihren Attacken mit einer Rolle ausweichen und habt alle vier Schultertasten zur Belegung eurer Zaubersprüche zur Verfügung. Magie ist in Cat Quest komplett optional, allerdings sind einige Sprüche wie der Heilzauber und der Feuerangriff durchaus nützlich. Das Spiel ist zu keinem Zeitpunkt besonders schwer und wer alle Sidequests macht, wird relativ schnell in Erfahrungspunkten schwimmen, aber mit Feuer oder Blitzen schießen zu können ist eine gelungene Abwechslung zum monotonen Schwertgebrauch. Da die Reichweite gegnerischer Angriffe kurz vorher angezeigt wird, besteht das Kampfsystem also aus dem rechtzeitigen Herausrollen aus der Gefahrenzone, dem Draufhauen mit Schwertangriffen und dem gelegentlichen Zauberspruch.

Cat Quest verfügt wie bereits erwähnt über eine offene Spielwelt, viele Sidequests und haufenweise Loot. Doch leider hat es auch vieles nicht: So gibt es keine Items in dem Spiel abseits von Rüstungsgegenständen. In den Läden kann man lediglich eine Box kaufen, in der eine zufällig gewählte Rüstung oder Waffe steckt, die sich hochlevelt, wenn man sie mehrfach besitzt. Zaubersprüche können gegen Geld auch in ihrer Wirkung verstärkt werden und das ist tatsächlich der einzig sinnvolle Grund in dem Spiel, Geld auszugeben, da die Erkundung der Dungeons deutlich besseres Equipment liefert als die „Loot Boxen“ im Laden. Leider sind die Dungeons nicht besonders spannend designt. Sie sind allesamt ziemlich kurz und ähneln sich stark – Rätsel oder aufwändig gestaltete Katakomben sucht ihr hier vergebens.

Ein Quest Log, in dem ihr nachschauen könnt, welche Quests ihr bereits erledigt habt, fehlt ebenfalls. Die Questbretter in den Städten sind zudem Stadtspezifisch: Das Brett in der Hauptstadt (dem „Catpital“) zeigt euch nur Quests an, die ihr auch dort bzw. in der Umgebung absolvieren könnt. Wer also alle Aufgaben in dem Spiel erledigen will, muss ständig alle Städte nach möglichen neuen Quests abklappern. Eine Schnellreisefunktion gibt es übrigens auch nicht, allerdings ist die Welt auch nicht so groß, dass diese zwingend nötig gewesen wäre.  

FAZIT:

Cat Quest ist ein süßes kleines Action-RPG, das für ein paar wenige Stunden bei Laune halten kann, dem es aber deutlich an Umfang und Funktionen fehlt, um wirklich bei den Großen mitspielen zu können. Die Wortspiele und Anspielungen sind witzig, wenn auch repetitiv. Das Kampfsystem ist simpel, aber spaßig und die vielen verschiedenen Ausrüstungsgegenstände und Zaubersprüche laden zumindest kurzfristig zum Experimentieren ein. In seinen besten Momenten kommt es einem wie eine moderne Hommage an Skyrim oder Secret of Mana vor, doch die meiste Zeit des sehr kurzen Abenteuers über merkt ihr leider, dass ihr gerade eigentlich ein Handyspiel spielt.

Wertung:

6.0

Deniz Üresin meint:

"Wer Katzen mag und einen kleinen Action-RPG-Happen für zwischendurch sucht, ist hier goldrichtig. Alle anderen warten lieber auf Xenoblade Chronicles 2."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Matthew1990
vor 2 Wochen | 1
Ist wohl nicht alles Gold was glänzt, auch wenn Katzengold danach aussehen mag. *ba dam ts*