Test: Sonic Forces

Von Michael Prammer am 28. November 2017

Sonic will nach dem gelungenen Mania-2D-Ableger auch dreidimensional wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Ob das mit Forces gelingt, verrät unser Test.

Sonic ist nicht alleine...

Dr. Eggman erobert die Welt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Unterstützung erhält er dabei von Phantomkristallen und einem neuen Schurken: Infinite. In einer opulent inszenierten Eingangsschlacht schaffen es die beiden Bösewichte Sonic zu besiegen. Doch keine Angst, Sonic wird „nur“ entführt und so ist es dieses Mal nicht der blaue Igel selbst, der Held des Abenteuers wird. Das Team Sonic, mit allerhand bekannten Gesichtern, bekommt die Unterstützung eines Neulings. Und diesen erstellt der Spieler selbst.

In einem kleinen Editor werden Tierart, wie Wolf, Igel, Vogel oder Hund zunächst festgelegt. Jedes Tier hat andere Fähigkeiten und so verfügt der Vogel beispielsweise über einen praktischen Doppelsprung, während der Hase nach einem Treffer länger unbesiegbar bleibt. Nun folgen weitere kleinere Personalisierungen, wie Siegerposen, Stimme und Farbkombinationen. Im Spiel lassen sich mit Abschluss der einzelnen Level noch allerhand Gegenstände freischalten, mit denen man seinen Charakter aufpeppen kann. Dazu zählen Handschuhe, Kopfbedeckungen, Stiefel und Gürtel. Wichtiger als die für das Aussehen freischaltbaren Extras sind die Waffen oder Wispons genannt. Diese stellen nicht nur die Art und Weise der Gegnerbeseitigung sicher, sondern auch die Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung.

Der Würfelwispon erschafft zum Beispiel zusätzliche Plattformen, um neue Wege zu erkunden, während der Feuerwispon nicht nur als Flammenwerfer dient, sondern auch als Jetpack herhält und Höhenunterschiede überwinden lässt. Ein Bohrerwispon wiederum schafft neue Wege durch Wände, während ein Sogwispon eine Teleporterfunktion inne hat. Dazu kommen Zusatzfunktionen der Waffen, wie Temposchübe oder Schilde. Hin und wieder ist man auch mit Sonic selbst unterwegs, welcher allerdings keine Waffen einsetze kann. Dieser ist auf seine Spezialfähigkeit des Turbosprints angewiesen, wie man es aus früheren Ablegern kennt.

...das hat auch seine Schattenseiten

Hierbei ergibt sich ein Problem. Dadurch, dass man immer wieder mal zwischen seinem Held und Sonic wechselt, kommt man gelegentlich mit den Fähigkeiten durcheinander. Hat man sich an eine Figur und dessen speziellen Bewegungsabläufe gewöhnt, braucht es doch eine kurze Anlaufzeit, bis die andere Figur wieder verinnerlicht ist. Das stört doch teilweise den Spielfluss. Dazu wirkt das gesamte Spiel zwar rasend schnell, wird jedoch oftmals unschön und unnötig ausgebremst. Man kann das mit einer Fahrt in einem Ferrari vergleichen, der auf einer geraden Straße ohne Geschwindigkeitsbegrenzung alle 500 Meter an einer roten Ampel anhalten muss

Denn wenn man erst einmal Fahrt aufgenommen hat und seine Figur mit ordentlich Tempo unterwegs ist, dann kommt oftmals ein merkwürdig platzierter Gegner, der dem Geschwindigkeitsrausch ein jähes Ende setzt. Auch das Leveldesign ist nicht immer clever und so sorgen einige Patzer, wie unglücklich platzierte Erhöhungen oder Stangen dafür, dass der schnelle Igel gerne mal gegen die Wand rennt. Dabei hat man sich gerade in Sachen Abwechslung einiges einfallen lassen. So wechseln sich 2D- und 3D- Passagen innerhalb der Level ab und werden mittels fulminanter Kamerafahrten schön auf den Bildschirm gebracht. Dazu kommen Loopings und Grindpassagen auf Stangen, wie es Sonic-Fans in früheren Spielen lieben gelernt haben. Das Ganze wurde in sehr abwechslungsreichen Welten angesiedelt, denen es an Ideenreichtum kaum mangelt.

Leider ist das Abenteuer um Sonics Rettungsaktion viel zu schnell vorbei. Nach spätestens sechs Stunden sieht man den Abspann. Es gibt zwar noch einiges zu entdecken, Medaillen zu sammeln und „S-Ränge“ in allen Level einzuheimsen, länger als 10 Stunden wird man mit dem Spiel trotzdem kaum verbringen können. Dazu sollte man sich auf einen relativ einfachen Schwierigkeitsgrad einstellen. Obwohl man immer wieder an Hindernissen hängen bleibt oder abstürzt und deshalb immer wieder an den großzügig verteilten Rücksetzpunkten beginnen muss, stellt Sonic Forces kaum ein ernsthaftes Problem für geübte Spieler dar – selbst im angeblich „schweren Modus“.

Technisch gibt es auf der von uns getesteten PS4-Fassung nur wenig zu meckern. Das Spiel läuft rasant, schnell und optisch sauber über den Bildschirm. Sonic Forces bringt es auf flotte 60 Bilder pro Sekunde und 1080p-Auflösung. Gelegentlich gibt es jedoch leider technische Probleme gerade bei den Videos. Diese sind allerdings sehr gut vertont. Die Synchronsprecher haben einen tollen Job gemacht. Die Steuerung klappt relativ gut, abseits der Designprobleme im Spiel und der ständigen Umgewöhnung zwischen den Charakteren. 

Fazit:

Sonic Forces ist teilweise leider zu schnell für sich selbst. Das liegt vor allem am Spieldesign und den teils unglücklich platzierten Gegnern. Der Wechsel zwischen Sonic und dem selbst erstellten Charakter trägt auch nicht immer zum optimalen Spielfluss bei und so verkauft sich das Spiel etwas unter Wert. Denn eigentlich sieht das neue Sonic-Abenteuer nicht nur gut aus, sondern bietet auch jede Menge Abwechslung. Aber der blaue Igel hängt seine roten Sprintstiefel viel zu schnell wieder an den Nagel und liefert mit der Spieldauer wohl den größten Kritikpunkt. Sonic-Fans werden wohl ihre Freude mit dem Spiel haben, sollten aber lieber erstmal Sonic Mania spielen, ehe sie sich an dieses 3D-Abenteuer wagen.

Von uns getestet: PS4-Version

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Rasant, schön, aber mit Schnitzern im Spieldesign. Und viel zu kurz."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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3 Kommentare:


prog4m3r
vor 2 Wochen | 0
Okay, michi gibt i.d.R. 0,5 bis 1,5 Punkte mehr als ich, Sonic Forces ist also ziemlicher Rotz :D

Farbi11
vor 2 Wochen | 0
Ich bin bei Leibe kein Fan von Sonic, das Spielprinzip funktioniert einfach nicht. Aber die Idee mit einem eigenen Charakter gefällt mir durch aus.

TraxDave
vor 2 Wochen | 0
Für mich ist ed nach wie vor ein Fixkauf.
Das einzige was ich mir doch noch überlegen muss ist für welche Plattform. Letztendlich tendiere ich trotzdem nach wie vor zur Switch (dessen Wertung dann wahrscheinlich auf 5 absinkt? ^^).

Aber: Wertungen für Sonic-Spiele hatten für mich nie etwas zu sagen. Man muss bei Sonic einfach nur kurz warten und kann sich sogar 60€-Titel für 30€ und drunter holen und wird nie enttäuscht, wenn man weiß, was Sonic ausmacht. Gut, mit Ausnahme von Sonic the Hedgehog 2006 (das Schlimmste) und Sonic Boom (das Zweitschlimmste).

Forces ist ein vorsichtiger Versuch eines Generations 2, da Sonic schon lange nicht mehr wie gewünscht funktioniert, traute sich halt keiner wahnsinnig viel Ressourcen und Budget einzusetzen.