Test: Star Wars Battlefront 2

Von Lars Peterke am 27. November 2017

Kaum ein Spiel hat die Medien zuletzt so beherrscht wie Star Wars Battlefront 2. Inzwischen fürchtet Disney sogar um eine Schädigung der Marke. Aber was für ein Debakel ist das Spiel nun wirklich? In unserem Test klären wir euch auf.

An der Front in einer Galaxie weit, weit entfernt.

Wer die Lautstärke beim Spielen aufdreht, bei dem wird die Bude ganz schön wackeln. Von überall her macht es pew, pew pew. Die nähere Umgebung brummt gewaltig bei der Explosion des Thermaldetonators, den einer der feindlichen Sturmtruppler gerade aus der Deckung geworfen hat. Über den Köpfen vernimmt man das markante Jaulen eines TIE-Fighters, der im riskanten Tiefflug über die Köpfe der Truppen hinwegsaust. Dann ein lauter Knall, gefolgt von einer effektvollen Explosion. Der Protonentorpedo des X-Wings hat sein Ziel gefunden.

In Star Wars Battlefront 2 gibt es solche Momente fast im Sekundentakt. EA, Dice und Criterion haben keine Kosten und Mühen gescheut um den Titel filmreif zu inszenieren. Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Noch mehr als sein Vorgänger ist Battlefront 2 ungemein authentisch und geht stilistisch sehr liebevoll mit der Vorlage um. Die Spielareale sehen fantastisch aus und wirken manchmal wie aus den Filmen geschnitten. Die musikalische Untermalung verdient dabei ein besonderes Lob. Auch jeder Soundeffekt sitzt perfekt.

Bei dieser Steilvorlage wäre es pure Verschwendung nicht auch eine interessante Geschichte zu erzählen. Und genau das tut Star Wars Battlefront 2 glücklicherweise. Eine der Neuerungen ist die im Gegensatz zum Vorgänger nun vorhandene Singleplayer-Kampagne. Sie setzt parallel zu den Ereignissen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ein und schlägt eine Brücke zu „Das Erwachen der Macht“. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Iden Versio, Kommandantin des imperialen Inferno-Trupps. Als auch diese Spezialeinheit nicht das Scheitern der Pläne des nun toten Imperators verhindern kann, wird Iden im Anschluss in dessen letzten geheimen Masterplan eingeweiht. Operation Asche soll ein für alle Mal die Säuberung der Galaxis sicherstellen.

Nun ist die Kampagne spielerisch natürlich keine Edel-Praline wie es beispielsweise ein Uncharted ist. Das Gamedesgn ist schließlich für Multiplayer-Erlebnisse ausgelegt. Im Solomodus gegen die CPU fühlt sich das Gameplay mitunter etwas altbacken an, auch wenn die tolle Spielbarkeit gut einlenkt. Doch wenn man sich mit Iden durch die engen Gänge eines Kreuzers der Rebellion ballert, fühlt sich das spielerisch eher wie ein Ausflug in die alten Shooter-Tage à la Timesplitters 2 aus dem Jahre 2002 als nach einer adrenalinhaltigen Achterbahnfahrt an.

Viel wichtiger ist aber: EA bietet mit seiner Erzählung trotz erwartbarer Plot-Twists Star Wars in Reinkultur. Das Flair stimmt und die Handlung wird durch optisch toll inszenierte Zwischensequenzen gekonnt erzählt. Spätestens die Pillio-Mission zeigt dabei, dass man wirklich umsichtig mit der Vorlage umgegangen ist. Hier schlüpft man kurz in die Rolle von Luke Skywalker. Das bringt dann nicht nur eine nette spielerische Anspielung an Jedi Knight mit sich, sondern zeugt auch von der qualitativen Portraitierung der einzelnen Figuren. Auch an der Länge der Kampagne mit ihren 14 Missionen gibt es nichts zu beanstanden.

Weltraumschlachten ohne viel Varianz

Neben der Solo-Kampagne sind auch Weltraumschlachten neu hinzugekommen. Dabei handelt es sich um spezielle Missionen, die sich eben ausschließlich im Weltraum abspielen. Die Spieler starten hier als herkömmliches Raumschiff und können durch Abschüsse oder die Beihilfe an Missionszielen Punkte sammeln, mit denen sie dann später mit einem schwereren Schiff wieder in die Schlacht einsteigen können.

Leider gibt es bei all diesen Missionen nicht sehr viel Varianz. Ihr beschützt oder zerstört Kreuzer oder Raumstationen, im Grunde war es das auch schon. Flugmissionen über den Planeten gibt es nicht. Demzufolge ist es auch nie erforderlich, schwierige Manöver zu fliegen. Im Singleplayer-Modus erfüllen diese Missionen ihren Zweck. Sie sorgen für Abwechslung zum Run and Gun der anderen Level und sind gut in die Story eingebettet. Im Multiplayer ist jedoch schnell die Luft raus, zumal dieser Modus nur mit bis zu 20 Leuten gespielt werden kann und dabei zur Verwirrung aller auch mal CPU-Raumschiffe in den Schlachten mitkämpfen.

Keine Langzeitmotivation im Multiplayer

Abseits der Weltraumschlachten bietet der Multiplayer noch den klassischen Teamkampf sowie den Modus „Helden gegen Schurken“, bei dem alle Spielteilnehmer direkt in die Rolle der großen Star Wars Helden schlüpfen dürfen. Zu guter Letzt gibt es noch den Angriff, der aber nur eine geschrumpfte Variante des eigentlichen Herzstückes des Spiels ist: der galaktische Angriff, bei dem 40 Spieler auf großen Karten versuchen, die Missionsziele für ihr Team zu erfüllen.

Die meiste Zeit wird man in diesem Modus verbringen. Er ist am spaßigsten und bietet die größte Fülle an Maps. Überhaupt ist das Map-Repertoire In Battlefront 2 wesentlich umfassender als sein Vorgänger. Die Maps wählt man allerdings nicht selbst aus sondern nimmt, was die Rotation eures Spielservers hergibt. Handelt es sich um eine ausgeglichene Karte, wird einfach eine Runde gespielt. Bei Karten wie der Verteidigung von Hoth, in der ein Team in der Offensive und eines in der Defensive spielt, gibt es eine Rückrunde mit Seitentausch.

Leider kann Star Wars Battlefront 2 trotz genügend Spielspaß nicht für genug Langzeitmotivation sorgen. Daran ist hauptsächlich das komplett unausgereifte Fortschritts-System schuld. Es zielt zu stark auf die Einbindung von zufallsbasierten Belohnungen und unfair monetarisierten Zusatzinhalten ab.

Nach jedem Match erhaltet ihr Credits, die später in Lootboxen investiert werden können. Diese enthalten je nach gekaufter Ausführung sogenannte Sternenkarten mit je einer Spezialfähigkeit für die einzelnen Spielerklassen, Raumschiffe und Helden. Schnellere Heilung, stärkere Thermaldetonatoren oder Tarnung auf den gegnerischen Scannern sind nur einige der unzähligen Statusveränderungen, die sich so ausrüsten lassen.

Fehlt eine ganz bestimmte Karte, kann diese auch manuell hergestellt werden. Dafür werden jedoch Bauteile benötigt, die man ebenfalls über Lootboxen oder das Erlangen von Achievements bekommt. Achievements gibt es für jeden Spielmodus und jede Charakterklasse, für die sie oft bessere Waffen freischalten. Nach jedem Duell werden offene Achievements angezeigt; so kann man sich beim Folgematch etwa auf Abschüsse mit einer bestimmten Waffe konzentrieren, um weitere Erfolge zu erreichen.

Dummerweise geht Star Wars Battlefront 2 spielerisch kaum in die Tiefe. Das Gameplay ist in den großen Schlachten oft zu seicht. Das führt allerdings dazu, dass man mit spielerischen Fähigkeiten nur bedingt weit kommt. Am Ende gewinnt oft der Spieler, der die besseren Sternenkarten ausgerüstet hat.

Das Meta-Game findet also nicht im Spiel, sondern auf dem Kaufbildschirm der Lootboxen statt. Allein das ist Grund genug für harsche Kritik. Darüber hinaus wird der Spielfortschritt zu sehr von den per Zufall verteilten Lootbox-Inhalten bestimmt. So müssen manche Helden erst freigeschaltet werden, indem man irgendwann mit etwas Glück die entsprechende Sternenkarte in einer Lootbox erhält. Diese Karten lassen sich auch nicht direkt mit Bauteilen freischalten. Manche Inhalte sind fest hinter den zufälligen Lootbox-Inhalten weggesperrt. Das hindert das System aber nicht daran Sternenkarten für noch nicht freigeschaltete Helden oder selten gespielte Spielerklassen zu verteilen. So erhält man viel zu oft nutzloses Zeug und nur selten wirklich nützliche Sternenkarten. Und günstig sind die Lootboxen auch nicht gerade. Zwischen 10 und 20 Matches muss man spielen, bevor man genug Credtis für eine neue Truppen-Lootbox gesammelt hat.

Daher entspräche der Kauf von Lootboxen gegen Echtgeld dem Szenario “Pay to Win”, weshalb diese Mechanik aufgrund massiver Beschwerden (wir berichteten ausführlich hier darüber) vorerst abgeschaltet wurde. Darüber hinaus gibt es kein stringentes Konzept für den Wert der freischaltbaren Inhalte. Viele Kosten wirken beliebig und das Konstrukt an Ingame-Währungen und Fortschritts-Systemen ist zu wirr. Die Konsequenz: nach wenigen Tagen verliert man die Lust, da man nicht das Gefühl bekommt, sein Spielerprofil auf faire und nachvollziehbare Art und Weise aufzuleveln. Dadurch untergräbt Star Wars Battlefront 2 fast alle seine durchaus positiven Bemühungen in Grafik, Sound, Inszenierung und Spielbarkeit.

Fazit:

Es hätte so gut werden können. Eine inszenatorisch sehr gelungene Kampagne, mehr Inhalte und eine erhabene Präsentation hätten Battlefront 2 eigentlich zu einem Pflichtkauf für Fans machen müssen. Leider sorgt das verkrüppelte Fortschritts-System aber für null Langzeitmotivation im Multiplayer. Das Konzept um Lootboxen, Sternenkarten, drei Ingame-Währungen verwehrt sich jeder Logik. So verliert man viel zu schnell die Lust an dem Titel, der hinter seiner grafischen Glanzfassade zudem nicht genug Spieltiefe bietet. Hat man alle Modi und Maps einige Male gespielt, ist die Luft raus. Für einen Titel dieser Klasse  ungenügend.

Wertung:

6.5

Lars Peterke meint:

"Inszenatorisch beeindruckender und spielerisch gelungener Titel ohne Langzeitmotivation und ausreichender Spieltiefe im Multiplayer."
Spielerlebnis: Mangelhaft
Umfang: Sehr gut
Technik: Herausragend

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7 Kommentare:


Hakuo
vor 2 Wochen | 0
Bin auch immer wieder schockiert und enttäuscht, wenn ich von BF2 lese...
Bin echt begeistert von Grafik und Atmosphäre, aber das fortschrittssystem in seiner jetzigen Art ist ein absolutes no-go.
Mmn muss sich es hier was gänzlich neues einfallen lassen, mit kleinen Änderungen ist es nicht getan.
Sollen sie es doch wie bei battlefield 4 machen, da gab es auch lootboxen zukaufen, aber an hat sie Auch beim normalen stufenanstieg bekommen. Wertvollere mit besserem Inhalt eben erst auf höherem Level, aber man wusste worauf man hinarbeitete und hatte immerhin nen sichtbaren Fortschritt in Form seines levels

Samus_Aran
vor 2 Wochen | 0
Bei BF2 kriegt man eine Daily Login Lootbox, aber da sind fast ausschließlich Bauteile und Credits drin, nichts von Wert. Was sie auf jeden Fall machen müssten:

- Keine Upgrade-Starcards für nicht freigeschaltete Inhalte in Lootboxen ausschütten
- Preis der Truppen-Lootbox um 1.500 Credits reduzieren.
- Starcards mit kosmetischen Inhalten in einen separaten Lootbox-Typ ausgliedern, nur diesen monetarisieren.
- Starcard-Slots nicht von der Besitzmenge an Starcards abhängig machen. Direkt alle Slots freischalten.

Langzeitmotivation könnte man über Weekend-Events hinkriegen wie bei Splatoon. Dort wählt man permanent Rebellion oder Imperium und spielt ein ganzes Wochenende 2-3 Szenarien. Das bessere Team kriegt ein paar Exemplare der Premium-Währung um sich eine Kosmetik-Lootbox zu kaufen und jeder Spieler kriegt einen Credit-Bohnung je nachdem wie hoch er an dem Wochenende levelt.

Tobsen
vor 2 Wochen | 0
Anfangs war doch Skepsis zu spüren, als bekannt wurde, dass Disney Star Wars kaufte. Die Skepsis war glücklicherweise unbegründet: Hauptteil und Spin Off unter Disneys Regie wurde sowohl komerzielle und filmische Erfolge. Fans waren nach 1-3 nun endlich wieder happy, Disney happy, alle happy. Und dann kommt EA und knallt so einen Haufen (spielerische) Gülle aufs Parkett. Exzellente Technik hin oder her: EA hat eben nicht nur sich, sondern auch die Marke Star Wars beschädigt - ich glaube kaum, dass Disney nach SWBF1 und 2 einen weiteren Freischuss durchwinkt. Ich könnte mir vorstellen, dass es das bis auf echt längere Zeit erstmal mit SW-Games von EA gewesen ist.

Hakuo
vor 2 Wochen | 1
Bin ja mal gespannt wie sich das Verhältnis zwischen EA und Disney hiernach entwickeln wird.
Vielleicht kommen wir ja endlich mal wieder in den Genuss eines Star Wars Spiels das nicht von EA ist :)
Ein neues Rougue Squadron wäre doch was feines. Oder wer weiß, vielleicht ruft disney ja doch nochmal die Pläne vom Visceral game wieder auf :)
So schadenfroh es klingt, ich gönne EA den Misserfolg und hoffe dass disney denen gehörig auf die Finger klopft...
In den letzten Jahren war bei EA einfach ein fürchterlicher Trend zu erkennen
Asinned
vor 2 Wochen | 0
Stimmt die hohe Qualität, die Disney den Videospielen seiner Marken abverlangt wurde hier nicht erreicht... oh wait. . .


derchris86
vor 2 Wochen | 0
Was soll eigentlich der Nintendoschwammerl unterm Artikel. Ich dacht schon ich hätt was verpasst, als Star Wars-Fan und nur Nintendobesitzer. So ein Rogue Sqadron für Switch wäre schon der Wahnsinn. Wenigstens die alten als virtual console. Träum...

Samus_Aran
vor 2 Wochen | 0
Ich weiß ja nicht wie der Lizenzdeal zwischen Disney und EA aussieht. Entweder haben die sich auf eine Jahreszahl oder Spielezahl geeinigt. Künftig täte Disney wohl gut daran die Rechte pro Spiel zu vergeben und sich die Konzepte zunächst pitchen zu lassen