Test: Stick it to the Man

Von Nico Zurheide am 26. November 2017

Handgezeichnete Papieroptik, charmantes Rätselraten und jazzige Hintergrundmusik. Das schwedische Spielestudio Zoink! wurde längere Zeit nur mit dubiosen Auftragsarbeiten betraut, zeigte dann aber im Jahr 2013, dass es auch größere Eigenproduktionen auf die Beine stellen kann. Mit Stick it to the Man etablierte man einen eigenen Grafikstil, der in späteren Titeln wie Zombie Vikings oder Flipping Death (bisher nur für Nintendo Switch angekündigt) weiter verfeinert werden sollte. Nebenbei kommt Anfang 2018 mit dem wundervoll aussehenden Fe der erste 3D-Titel des Studios für PC und Konsolen. Aber zurück zu dem Spiel, das Zoink! erst bekannt machte:

Ein rosa Tentakelarm zum Selbermachen

Ein spaghettiartiger Grabscharm, der einem direkt aus dem Gehirn wächst - wer möchte das nicht? Und das geht auch noch so einfach! Man nehme: Ein Flugzeug, um auf eine ausreichend große Höhe zu gelangen, einen ahnungslosen Durchschnittstypen und eine Dose, die einen oktopusartigen Alien beinhaltet. Nun einfach die Dose aus dem fliegenden Flugzeug auf den Kopf der Testperson werfen, schon wächst ein formschöner Tentakel aus dessen Gehirn. Wie praktisch! Aber das ist nichts für euch? Ray, der Protagonist des Spiels, scheint immerhin einigermaßen gut mit seiner neuen Gliedmaße zurechtzukommen. Und das ist auch dringend nötig.

Dem Normalo Ray wird nämlich von den namensgebenden "Männern" ein Verbrechen angehängt, welches er gar nicht begangen hat. Klar, dass wir uns sofort daran machen, diese Ungerechtigkeit aufzuklären. Und dann wäre da ja noch die Sache mit dem Arm auf unserem Kopf, den nur wir sehen können. Mit diesen Voraussetzungen startet Stick it to the Man, wo wir uns fortan mit nur wenigen eingestreuten Hinweisen durch zehn verschiedene Kapitel schlagen müssen. Dabei hilft uns die neue Hand natürlich gewaltig: Mit ihr können wir die Umwelt verändern, Sticker verkleben und sogar die Gedanken anderer Personen lesen.

Oh, ein Sticker! Oh ein Sticker! Oh, ein Sticker! Oh, ein Sticker!

Die zahlreichen Sticker sind das, was uns in der Papierwelt des Titels voranbringt. Sticker bekommen wir entweder direkt aus der Umwelt oder indem wir die Gedanken von Personen lesen und diese dann mit unserer Tentakelhand aufsammeln. Ähnlich wie in einem klassischen Point-&-Click-Adventure sammeln wir Sticker, lösen mit ihnen Aktionen aus, knacken Rätsel, bekommen daraufhin weitere Sticker und arbeiten uns so durch die in sich geschlossenen Level. Es gibt in jedem Kapitel genau einen richtigen Lösungsweg, und wer die zumeist recht simplen Rätsel mal nicht von selbst lösen kann, kommt auch eigentlich immer durch das gute alte Ausprobieren voran.

Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich also zu jeder Zeit im unteren Bereich, auch wenn die späteren Kapitel an Komplexität zunehmen. An einigen Stellen trifft man zudem feindliche Agenten und es muss taktisch und vorsichtig vorgegangen werden, um den virtuellen Tod zu vermeiden. Blöd: Diese Passagen lassen sich immer nach dem gleichen Prinzip bewältigen. Man liest die Gedanken eines schläfrigen Agenten und kann dann mit dem daraus resultierenden Schlafsticker einen Gegner einschläfern. Auch ein Ableben hat keine negativen Folgen, man wird einfach an den letzten Speicherpunkt zurückgesetzt und dieser ist jeweils nicht sehr weit entfernt. Man behält auch alle gesammelten Sticker, sodass man sich für die Agenten im Prinzip einen unendlichen Vorrat an Schlafstickern zulegen könnte.

Stick it to the Man ist dabei ansich in 2D gehalten, an vielen Stellen besitzt der Titel allerdings auch eine kleine dreidimensionale Tiefe, welche aber für das Spielgeschehen unwichtig ist. Die Optik gefällt und wirkt mit ihren Papiergrafiken erfrischend andersartig. Zusammen mit dem leichten Rauschfilter, der jazzigen Hintergrundmusik und der hohen Detaildichte ergibt sich ein insgesamt stimmiges Bild. Dieses zieht sich auch bis ins Hauptmenü hinein, wo „Just Dropped In“ von Kenny Rogers aus den Lautsprechern schallt. In dem Menü kann man übrigens aus mehreren verschiedenen Sprachen für die Untertitel wählen. Die Sprachausgabe ist zwar nur auf Englisch verfügbar, dafür präsentiert sie sich für einen derartigen Indietitel erstaunlich vielseitig und qualitativ hochwertig.

Wo die Wii-U-Version des Spiels noch eigene Features besaß - zum Beispiel das Gedankenlesen mittels Bewegungssteuerung - handelt es sich bei der Version für Nintendo Switch um einen simplen Port des Originals. Gerade auf dem kleinen Bildschirm sieht der Knobler dafür knackig scharf aus und generell läuft das Spiel ohne Probleme. Einzig die mangelnde Unterstützung des Pro-Controllers stört.

Fazit:

Schon in der Eröffnungssequenz von Stick it to the Man muss man einige Male unwillkürlich schmunzeln. Humor wird in diesem Adventure groß geschrieben und zieht sich konsequent gut umgesetzt durch das gesamte Spiel. Die Optik, die Musik, Rays Bewegungen, die Charaktere: Alles passt zusammen und ergibt ein herrliches Gesamtbild, das man so noch nicht oft gesehen hat. Die Stickerrätsel machen zwar Spaß, sind aber größtenteils einfach zu lösen und wirken verbesserungswürdig. Auch die Spielzeit liegt mit etwa fünf Stunden nicht gerade im höheren Bereich. Aus diesen Gründen - und weil mir Stick it to the Man insgesamt gut gefallen hat - spreche ich zum Schluss noch einen Wunsch aus: Bitte einen zweiten Teil mit komplexeren Rätseln und etwas mehr Inhalt!

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.5

Nico Zurheide meint:

"Die Stickeraction lohnt sich."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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2 Kommentare:


mowowo
vor 3 Wochen | 0
Umfang grausig gering! Deshalb mein Rat: Besser Finger weg!

Jerry
vor 3 Wochen | 0
Etwa 4 bis 5 Stunden Spielzeit. Für 12€ ist das vielleicht nicht überragend, aber doch vollkommen in Ordnung.