Test: LEGO Marvel Super Heroes 2

Von Jeremiah David am 25. November 2017

Das Marvel-Universum kehrt zum Plastik-Look zurück.

Wroooom... Star-Lords LEGO-Plastikfigur zischt in seinem Raumschiff durch einen farbenfrohen Sternennebel. Die Kamera zoomt ins Cockpit hinein und zeigt dem Spieler neben Peter Qill, a.k.a. „Star-Lord“, auch noch den Waschbären Rocket, das Baumwesen Groot, den Krieger Drax und die Amazone Gamora. Im Hintergrund läuft währenddessen der Originalsoundtrack von Guardians of the Galaxy und sorgt so für gute Stimmung. Nur einen kurzen Dialog später darf sich der Spieler zum ersten Mal frei bewegen, sich ein wenig im Raumschiff umsehen, Gegenstände zerdeppern und Schalter betätigen. Abermals nur kurze Zeit später befindet sich die gesamte Guardians-Crew auf einem Planeten und geht dort mit schlagfertigen Argumenten gegen rothaarige Clowns, Roboter und andere ebenso skurrile wie bösartige LEGO-Figuren vor. Gleich von Beginn an ist klar: Das Spiel legt ein scharfes Tempo vor.

LEGO Marvel Super Heroes 2 vergeudet wenig Zeit mit langatmigen Dialogen und die Handlung ist in ihren Grundzügen dementsprechend schnell beschrieben: Oberbösewicht Kang der Eroberer (im Spiel auch liebevoll als „Super-Schurken-Krapfen“ bezeichnet) will die Weltherrschaft an sich reißen. Um dieses Ziel zu erreichen, manipuliert Kang die Zeit und wirbelt verschiedene LEGO-Universen wild durcheinander. In der Stadt Chronopolis, die als eine Art Oberwelt fungiert, können wir durch schwarze Löcher reisen, um gegen Ritter, Cowboys, Roboter, Piraten und Unmengen anderer LEGO-Geschöpfe zu kämpfen. Wie im ersten Teil, steuern wir dabei in kleineren Teams nicht nur die Guardians of the Galaxy, sondern auch viele weitere Marvel-Charaktere.

Bauklötzchen-Helden so weit das Auge reicht

In LEGO Marvel Super Heroes 2 finden wir wirklich jeden Helden, der im Comic- und Filmeuniversum von Marvel Rang und Namen hat. Neben alten Bekannten wie den bereits erwähnten Guardians of the Galaxy, Spiderman, Thor, Iron Man, Captain America oder Doctor Strange haben es auch eher unbekannte bis völlig vergessene Charaktere ins Spiel geschafft: Nur echte Hardcore-Fans dürften Helden beziehungsweise Antihelden wie Captain Corbett, White Tiger, Klaw, Shocker, The Presence oder Black Knight kennen. Ganze 200 Marvel-Charaktere wurden von den Entwicklern in Plastikfiguren verwandelt und zum Teil auch noch mit verschiedenen Kostümen versehen – fast 50 mehr als noch im ersten LEGO Marvel Super Heroes. Meist sind drei bis fünf Charaktere in einem Team und mit den unteren Schultertasten des Controllers können wir jederzeit fröhlich zwischen den Plastikprotagonisten hin und her wechseln. 

Das Gameplay ist aus diversen anderen LEGO-Videospielen längst bekannt und bietet grundsolide, kurzweilige, aber auch etwas angestaubte Unterhaltung: Wir prügeln und ballern uns durch bunte Level, die optisch, bedingt durch Kangs Taten, kaum unterschiedlicher sein könnten und uns so eine Art Best-of sämtlicher Lego-Welten eröffnen, dabei allerdings natürlich stets dem üblichen LEGO-Prinzip folgen. Gegenstände und Widersacher wollen in ihre Einzelteile zerlegt, Sammelobjekte gefunden und kleinere Rätsel gelöst werden. Letztere erfordern wenig Hirnschmalz, können aber dennoch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn jeder einzelne Charakter im Spiel verfügt über eigene Fähigkeiten, die häufig der Schlüssel zum Erfolg sind. So kann Spider-Man an einem Ort beispielsweise mit seinen Spinnenfäden eine Verbindung zwischen zwei Brückenteilen spannen, während Thor anderswo in der Lage ist, Turbinen elektrisch aufzuladen, um so ein Tor zu öffnen. In der Theorie klingt diese Vielfalt super, in der Praxis bedeutet sie allerdings leider, dass wir an auffällig markierten Punkten häufig einfach nur die unterschiedlichen Fähigkeiten unserer Teammitglieder durchprobieren, bis wir die richtige gefunden haben und sich uns nach einer kontextgebundenen Animation der weitere Weg öffnet. Lobenswert ist dafür die große Anzahl an interessanten Bosskämpfen und die Möglichkeit hin und wieder auch Autos oder Flugzeuge steuern zu dürfen.

Analog zum Gameplay weichen auch die Witze und Slapstick-Einlagen nicht weit vom Bekannten ab, der sorgenfreie LEGO-Humor ist aber doch für den einen oder anderen Lacher gut, wenn auch zum Teil nur deshalb, weil manche Schenkelklopfer so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Kostprobe gefällig? – „Schicke Uniform, Jungs! Sehr uniform, würde ich sagen!“

Viele lustige Szenen ergeben sich zudem durch die Animationen der Charaktere. Weniger gelungen ist die deutsche Synchronisation, die je nach Charakter zwischen völlig in Ordnung, absolut überdreht und gänzlich unpassend schwankt. Baby-Groot klingt beispielsweise einfach wie ein fünfjähriges Mädchen, deren Stimme etwas verzerrt wurde. Die Englische Sprachausgabe ist nicht überragend, aber immerhin ein klein wenig besser. Das Fehlen der Originalsynchronsprecher ist unabhängig von der gewählten Sprache zu auffallend.

Game Over? – Gibt’s nicht!

Die Optik ist wie in anderen LEGO-Spielen ein eigentümlicher, aber zugegebenermaßen charmanter Mix aus semi-realistischen Umgebungen und den bekannten, glänzenden Kunststoffklötzchen der LEGO-Welt. Wirklich beeindruckend ist nichts davon, aber die unterschiedlichen Kulissen sind mehr als nur zweckmäßig und für ein Lizenzspiel durchaus ansehnlich. Marvel Super Heroes 2 läuft darüber hinaus auf der PS4 erfreulicherweise stets flüssig und kommt mit geringen Ladezeiten aus, in größeren Gebieten gibt es jedoch deutlich zu spät ladende Objekte, die besonders dann ins Auge stechen, wenn wir mit einem schnellen Fahrzeug unterwegs sind. Probleme ergeben sich gelegentlich auch durch die Kamera, die nur eingeschränkt bewegbar ist. Aufgrund der zweifelsohne jungen Zielgruppe bietet das Spiel außerdem nur einen niedrigen Schwierigkeitsgrad, der geübtere Spiele vor keine nennenswerten Hindernisse stellen sollte. Ein „Game Over“ gibt es gar nie.

LEGO Marvel Super Heroes 2 bietet mindestens zwölf Stunden solide Unterhaltung für jüngere Spieler und/oder LEGO-Fans, die alleine oder im lokalen Multiplayer zocken können. Die Spielzeit kann mit Side-Quests und Sammelaufgaben noch um einige Stunden gestreckt werden. Es ist mitnichten ein schlechtes Spiel, aber die Entwickler von Traveller’s Tales bewegen sich zu selten aus ihrer Komfortzone. Wer bereits andere LEGO-Videospiele gespielt hat, der findet hier wenig Neues. Das Vorhandene wird vielen, aber sicher nicht allen Spielern genügen.

Fazit:

Eigentlich macht LEGO Marvel Heroes 2 wenig verkehrt. Es ist ein humorvolles, gut spielbares Action-Adventure für jüngere Zeitgenossen. Leider macht der Titel aber auch wenig, um sich nennenswert von ähnlichen Spielen oder gar dem Vorgänger abzusetzen. Das Gameplay der LEGO-Spiele hat über die Jahre hinweg schlicht Staub angesetzt. Hoffentlich wagen sich die Jungs und Mädels von Traveller’s Tales mit ihrem nächsten Projekt an ein paar frischere Gameplaymechaniken.

Wertung:

7.5

Jeremiah David meint:

"Unterhaltsame LEGO-Action ohne nennenswerte Neuerungen"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Wochen | 2
Ich hab keine Verkaufszahlen auf dem Tapet, aber gefühlt sind Lego-Games doch allmählich durch, oder? Also sie bleiben im besten Fall 100%ig auswechselbar oder im ungünstigen Fall schleichen sich Flaws ein. Vor ein paar Jahren - genauer: zum LCU-Release - dachte ich, dass Tt games und Warner evtl gemerkt hätten, dass mit Lego im Rücken auch echt coole Spiele gemacht werden können, aber das war wohl leider echt nur die Ausnahme, an die nie wieder angeknüpft wurde. Mittlerweile sind Tt vollends in der Schablonenhaftigkeit verfilzt; schade.

mowowo
vor 3 Wochen | 0
hätte es nicht besser sagen gekonnt! hoffe da kommt iwann nochmal was besseres wenn sie schon den Franchise weiter machen....