Hawaii und Belgien gehen gegen Loot-Boxen vor

Von Andreas Held am 22. November 2017

Loot-Boxen tauchten 2017 in fast jedem High-Budget-Videospiel auf. Nun meldet sich zum ersten Mal die Politik zu Wort.

Ein Regierungssprecher des US-Bundestaats Hawaii ließ in einer Erklärung verlauten, dass Publisher, die Loot-Boxen in ihre Spiele einbauen, dieselben Taktiken einsetzten wie klassische Spielcasinos, um potentielle Spielsüchtige in die Abhängigkeit zu treiben. Gleichzeitig landeten ihre Spiele immer wieder in den Händen von Minderjährigen und Kindern, die sich durch diese Praktiken noch leichter manipulieren ließen. Hier tue sich also eine potentiell sehr gefährliche Schuldenfalle für Familien auf. Auch die belgische Regierung plant laut eigenen Angaben, die Gesetzeslage im Hinblick auf Loot-Boxen in Videospielen zu prüfen und diesen Punkt auch in der EU zu diskutieren.

Spielcasinos und sonstige Glücksspiel-Einrichtungen haben längst Zugriff auf Studien, die Erläutern, wie sich potentielle Spielsüchtige besser manipulieren lassen. Zu diesen Methoden zählen unter anderem aufwändige Licht- und Soundeffekte, die mit großen Gewinnen einhergehen, oder die Geheimhaltung der tatsächlichen Gewinnchancen. Die meisten Videospiele, die ihren Kunden Loot-Boxen anbieten, machen ebenfalls von diesen Taktiken Gebrauch.

Noch ist unklar, wie stark die Gesetzgeber wirklich eingreifen werden. Publisher könnten unter anderem damit argumentieren, dass Booster-Packungen für Kartenspiele wie Magic the Gathering ebenfalls legal an Minderjährige verkauft werden dürfen. Diese Artikel fallen nicht unter das Glücksspielgesetz, weil sie Käufern einen garantierten Gegenwert bieten - was bei digitalen Loot-Boxen jedoch ebenso der Fall ist. Doch allein die Tatsache, dass einige Regierungsvertreter auf das Thema aufmerksam werden, dürfte den meisten Publishern ein Dorn im Auge sein.

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4 Kommentare:


Matthew1990
vor 2 Jahren | 1
"...dass Booster-Packungen für Kartenspiele wie Magic the Gathering ebenfalls legal an Minderjährige verkauft werden dürfen."
Als ich davon wind bekam, musste ich auch daran denken, aber ich finde, der entscheidende Unterschied ist da die Software/Hardware. Kaufe ich eine Booster-Packung, habe ich feste Karten. Das Booster war festgelegt und lässt sich über die Produktionskette zurück verfolgen und bestimmen. Bei Programmen ist so ein Zufallsprinzip immer schwer, da man da es nicht zurück verfolgen kann, wann die Loot-Box womit gefüllt wurde.
Darüber hinaus kann man die Karten auch jederzeit wieder verkaufen. Wie es mit dem Inhalt der Lootboxen aussieht... das weiß ich nicht, aber bisher kenne ich nur den Auktionsmarkt in Diablo 3.

JeWe
vor 2 Jahren | 1
Sind zwar nette Ideen, aber daran, dass beides glücksbasiert ist, was man für sein Geld erhält, ändert sich nicht.
Für mich liegt der größte Unterschied zwischen Sammelkarten und Lootboxen wohl darin, dass bei Letzterem der Suchtfaktor größer sein sollte und auch Kinder leichter mit der Kreditkarte der Eltern fröhlich einkaufen können. Bei den Sammelkarten geht vermutlich höchstens das Geld (kurzfristig) verloren, das die Kinder/Eltern an Bargeld greifbar haben.
Ich finde es jedenfalls eine einleuchtende Schlussfolgerung, Lootboxen wie Glücksspiele zu handhaben. Und von mir aus auch Sammelkarten, diese dann aber evtl. in abgeschwächter Version.
Ribesal
vor 2 Jahren | 0
Mal abgesehen davon, dass das Echtgeldauktionshaus in Diablo 3 schon lange wieder entfernt wurde gab es da aber auch garkeine kaufbaren Lootboxen.
Soweit ich aber weiß können die Skins in CS:GO irgendwie gehandelt werden.
Ich finde diese Lootboxen total bekloppt und die sollte nauch irgendwie verschwinden.
Nur damit sie mehr oder weniger als illegal zu erklären ist es nicht getan. Wenn ich mich recht entsinne gabs in China (oder Japan? jedenfalls die Ecke da) vor einem Jahr oder so bereits was ähnliches. Da wurden die Lootboxen verboten und als Folge wurden dann irgendwelche popeligen Items im Shop angeboten (zu eigentlich überhöten Preisen versteht sich) und dann gabs die Lootboxen "gratis" dazu.


Pogopuschel
vor 2 Jahren | 0
Sehr schwieriges Thema. Ich finde es gut, dass sich die Politik mit dem Thema Loot-Boxen auseinandersetzt und denke auch, dass man das muss. Ich weiß zwar häufig nicht so recht warum, aber viele lassen sich zu leicht durch solche Dinge ausbeuten, eben auch gerade Kinder....

Allerdings hoffe ich trotzdem, dass jetzt nicht andere darunter leiden müssen. Es sollte z.B. nicht gleich zur Folge haben, dass gewöhnliche Sammelkarten zukünftig nur noch ab 18 Jahren verkauft werden dürfen o.Ä. ...
...wobei man über das Thema Sammelkarten sicher auch diskutieren kann ^^ und ich hab sowas auch fast noch nie in meinem Leben unterstützt. Trotzdem schätze ich Loot-Boxen als "potentiell gefährlicher" ein.