#Schmerzhaft: Die Entwicklung der Xbox

Von Niko Schopinski am 21. November 2017

Was ist bloß aus der Xbox-Marke geworden? Noch vor ein paar Jahren nannte mich der gute Ramy (für Level-Ab-Insider: „Die Person“) immer „Xbox-Schniko“, weil ich während der Gamecube-Ära meinem bisherigen Herzensunternehmen Nintendo den Rücken zugekehrt und mir die neue Konsole von Microsoft zugelegt hatte. Und dieser Marke bin ich auch lange treu geblieben. Aber jetzt ist erst einmal Schluss damit. Microsoft hat mich als langjährigen Kunden verloren. Aber warum eigentlich?

Erst Liebe, dann Kinect

Vor allem die Xbox 360 habe ich fast schon geliebt. Trotz zweimaligem Red Ring of Death und meiner Abneigung gegen die Halo-Spiele fühlte ich mich die ersten Jahre stets heimisch: Gears of War 2 fand ich einfach nur episch, Kameo: Elements of Power und auch Fable 2 gefielen mir richtig gut. Und die ganzen Forza-Titel und nicht zuletzt Project Gotham Racing bedienten mein Rennspielerherz perfekt. Dazu gab es natürlich die bekannten Drittherstellertitel, die ich mit dem einzig wahren Controller spielen konnte – Sonys DualShock 3 war für mich ein einziger Krampf.

Mit der Einführung von Kinect fing aber der Abstieg an. Anstatt den vorhandenen Markenpool behutsam zu pflegen und sinnvoll zu erweitern, wurden Hampel-Spielchen wie Kinect Adventures, Kinect Sports, Kinect Star Wars und Kinect Joy Ride veröffentlicht. Außerdem führte Microsoft das verkachelte neue Dashboard im Metro-Design ein, das mir so gar nicht mehr schmeckte. Die Konzeption und auch die Präsentation der folgenden Konsole Xbox One setzte der damalige Marken-Chef Don Mattrick dann auch noch völlig in den Sand.

Serien-Killer

Auch wenn Phil Spencer in der Folge noch einiges retten konnte, so sind für meinen Geschmack die einst noch verlockenden Spieleserien über die Jahre aber völlig den Bach runtergegangen. Dabei wäre so viel Potenzial vorhanden: Warum etwa gibt es kein neues Banjo-Kazooie? Wieso nichts mit Conker? Und wie wäre es mit einem Funracer mit den Rare-Charakteren? Ich hätte auch Lust auf eine zünftige Prügelei mit den Battletoads; und natürlich auf ein neues Kameo. Stellt euch mal vor, wie ein modernes Perfect Dark aussehen könnte. Oder eine Neuauflage von Rallisport Challenge…

Und anstatt passend zum Release des neuen Konsolenmonsters ordentlich Gas zu geben, geriet für mich das Jahr 2017 zum Xbox-Desaster. Während Nintendo mit dem neuen Zelda und Mario Odyssey begeistern konnte und Sony im kommenden Jahr mit zahlreichen Leckerbissen lockt, sehe ich bei Microsoft keinerlei Titel mehr, die eine Xbox für mich unverzichtbar machen: Scalebound wurde vor Release gegrillt, Fable ist wohl auch tot und Crackdown 3 sieht bisher wahnsinnig unbeeindruckend aus. Auch Sea of Thieves scheint für mich eher der Kategorie „nice to have“ anzugehören - falls es denn irgendwann mal erscheint.

Abschied nehmen

Der initiale Auslöser für meine Trennung von der Xbox war aber ironischerweise die Serie, die mich all die Jahre zuverlässig begleitet hatte. Leider wird die Forza-Reihe jedes Jahr nur noch weiter ausgequetscht und mit eher spärlichen Fortschritten auf den Markt geworfen. Und so war es für mich auch gar nicht mehr so verwunderlich, dass ich Forza Horizon 3 schon vom Release an extrem selten gespielt hatte. Dabei ist es für sich betrachtet eigentlich ein wirklich gutes Spiel.

Dennoch haben die (natürlich sehr subjektiven) Kritikpunkte dieses Spiels, wie die immer gleichen Checkpointrennen, die penetranten Einblendungen von Punkteketten und vor allem die völlig übertriebene Featuritis - die das ganze Spiel unnötig unübersichtlich macht - meine Meinung über das Software-Angebot auf der Xbox bestärkt. Diese letzten Spieleindrücke bestätigten mir die anhaltende Entwicklung, dass mir das Lineup von Microsoft zu wenig Spannung und Vielfalt, dafür aber zu viel Seelenlosigkeit, Berechnung und auch Ballast bietet. Mutige Projekte mit Ecken und Kanten wie zuletzt Cuphead sind gegenüber den ausgelutschten Dauerläufern leider deutlich in der Minderzahl. Von Neuauflagen fast vergessener Marken mit reichlich Potenzial ganz zu schweigen. Da hilft mir auch die neue Powerkonsole nicht weiter. Ich kaufe mir doch keinen Ferrari, wenn ich damit nur über einen matschigen Acker pflügen kann.

Aber es muss ja kein Abschied für immer sein. Aufgrund der schönen Zeit, die ich mit der Xbox 360 zweifelsfrei hatte, lasse ich in meinem Herzen ein kleines Plätzchen reserviert. Ein ganz kleines - denn für ein Comeback müsste wirklich einiges passieren!

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4 Kommentare:


Tobsen
vor 1 Jahr | 0
Mit gefällt bei der Xbox One der immense Fokus auf Action-Spiele der der 1st-Party-Studios nicht gepaart mit der Tatsache, dass nur ein Bruchteil der JRPGs, die auf PS4 verfügbar sind, auch auf X1 erscheinen. Da war ja selbst die Situation während der 360-Ära rosiger. So stellt sich die Konsole für mich als prototypische 'Dude'-Konsole dar: für Zocker mit umgedrehter Base-Cap, Monster-Drink in der einen Hand und in der anderen Mac'n'cheese in der anderen

Vader
vor 1 Jahr | 0
Es fehlen auch einfach die exklusiven spiele. Als Pc nutzerin ist meine x one leider nicht von hohem nutzen. Man hat sie halt weil die kollegen keinen Pc haben^^
Aber, ich muss sagen, für leute die keinen Pc möchten, ist die Xbox X genau das richtige.
Jetzt müsste es nur noch crossplay mit allen games geben plus eine Gog und Steam App XD

Tobsen
vor 1 Jahr | 0
Naja, ich möchte keinen PC und für mich ist die Xbox X die Konsole, die ich mit deutlichem Abstand am wenigsten gern hätte; und daher auch nicht habe.
Wario
vor 1 Jahr | 1
Wahh.. Die Pömpelschleifchenherzchenfee lebt noch.. :P