Test: DOOM für Nintendo Switch

Von Lars Peterke am 14. November 2017

Unsere gewagte Behauptung: DOOM ist vermutlich der wichtigste Switch-Titel des Jahres. Um das zu verstehen, lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Zuletzt blieb die Shooter-Franchise aus dem Hause id Software Nintendo-Systemen immer fern. Aber wenn es doch einmal zu einem Stelldichein kam, dann immer mit begleitenden "Ooohs" und "Aaahs". Egal ob SNES, GBA oder N64: Alle Ports wurden ihrerzeit als besondere technische Errungenschaft gefeiert. Warum diese Lobhudelei nun auch auf DOOM für die Nintendo Switch zutrifft, obwohl die Umsetzung ironischerweise keinesfalls ein lupenreiner Port geworden ist, klärt unser Test. 

Rip and Tear

Man spielt einen Mann, der schießt. Was für meinen Kollegen Andreas bei seinem Test zu The Mummy: Demastered vor einigen Tagen noch Anlass für eine Wertung nahe des Totalausfalls war, ist bei DOOM als Glücksfall einzustufen. Nachdem die Reihe mit DOOM 3 zuletzt eine Mischung aus Horror und Survival bot und der vierte Teil vor seinem Entwicklungsstopp höchstens für die Programmierer selbst die Hölle war, besonn sich die Reihe auf ihre Wurzeln: auf einen Mann, der läuft und schießt. 

Herausgekommen ist ein klassischer Reboot, sodass der neue Titel aus dem Jahr 2016 schlicht und ergreifend auf den Namen DOOM hört. Auch die Handlung ist nicht neu: Gierige Forscher der UAC haben es in ihrer Schickimicki-Raumstation auf dem Mars zu weit getrieben und dabei mal eben das Tor zur Hölle geöffnet. Demzufolge schwirren zahllose Dämonen durch die Anlage und warten nur darauf, vom namenlosen Protagonisten des Spiels auf brutalste Art und Weise zerrissen, zerfetzt und zerfleischt zu werden. 

Die teils groteske Gewaltdarstellung ist dabei nur eines von diversen Stilmitteln um zu demonstrieren, dass DOOM sich nur selten ernst nimmt. Bereits nach 49 Sekunden erhält der Spieler seine erste Waffe. Kontaktversuche der Antagonisten via Computer-Terminals werden vom Protagonisten auf lächerliche Weise ignoriert und dennoch nimmt sich das Spiel gerade Zeit genug, um absurde Display-Anzeigen wie “Dämonen-Invasion im Gange” einzufangen. Nach drei weiteren Spielminuten erhaltet ihr eure erste Schrotflinte, die mit dem Schlussakkord der wummernden Intro-Musik durchgeladen wird. Feuer frei. 

Ein grandioser Shooter auf allen Ebenen

Nun wird der Spieler von Industrial-Tracks mit beinharten Meshugga-Riffs von Komponist Mick Gordon durch die Level der Solo-Kampagne gepeitscht. Die Level werden im Spielverlauf immer unübersichtlicher und erfordern für ein Voranschreiten das Sammeln von Key-Cards oder die Aktivierung von Terminals. 

Als zentrales Gameplay-Element kommen die sogenannten Glory-Kills zum Einsatz. Mit diesen brutalen Melee-Angriffen kann der Spieler Dämonen den Rest geben und erhält dafür als netten Bonus auch noch Munition oder Lebensenergie. Da die Glory-Kills, wenn überhaupt, aber nur aus nächster Nähe ausführbar sind, muss der Spieler gezwungenermaßen immer in Bewegung bleiben. Ein Fakt den das Spiel fördert, da die flinken Gegner schon recht früh mit Projektilen um sich schmeißen und für ihr Ableben immer mehr Taktik oder Waffengewalt einfordern. 

Dass diese Ballerorgie dabei einen Heidenspaß macht, hat Gründe. Zunächst profitiert das Spiel von einer großartigen Art Direction. Gegner, Effekte sowie alle Spielareale sehen fantastisch aus. Der preisgekrönte Soundtrack sorgt für die Kirsche auf der Sahne und die Spielbarkeit ist auf den Punkt gelungen. Dafür sorgt das variationsreiche Waffenarsenal, welches durch ein Upgrade-System auch etwas Tiefe bietet. An bestimmten Stellen lassen sich Sekundärfunktionen für einzelne Waffen freischalten und aufmerksame Spieler werden abseits der Wege auch mit Rüstungs-Upgrades belohnt. Kurzum: Es gibt verdammt viele Gründe, wieso DOOM einer der besten Shooter der letzten Jahre geworden ist und vollkommen zu Recht den einen oder anderen Award eingesackt hat. 

Ballerspaß für unterwegs

Ab sofort gibt es diesen grandiosen Shooter auch für die Nintendo Switch. Eigentlich müsste dies ein Grund zur Freude sein, doch Nintendo-Fans sind seit der Wii-Ära skeptisch. Dafür waren die Hersteller in der Vergangenheit zu sehr daran interessiert, ihre Marken mit möglichst wenig Aufwand auf Nintendos Systemen zu platzieren. Ob ihre Titel dabei mit den Versionen für andere Systeme mithalten konnten war hingegen zweitrangig und besonders EA war ein Meister darin, den Kunden die Katze im Sack zu verkaufen. Im Falle von DOOM handelt es sich zudem nicht bloß um irgendeine olle Kamelle aus der Schublade, sondern um einen grafisch anspruchsvollen Next-Gen-Titel für PS4 und Xbox One aus dem letzten Jahr. 

Wie zur Hölle (haha!) soll das also funktionieren? Kann das klappen? Ja, kann es! Das Lob für diese Leistung gebührt dem Studio Panic Button, die bereits langjährige Erfahrung mit Ports großer Marken haben, darunter Rocket League, Disney Infinity und Injustice. Dank ihrer Bemühungen ist mit Ausnahme des SnapMap-Leveleditors das komplette Spiel inklusive des Multiplayer-Modus und dessen DLC für die Switch portiert worden. Inhaltlich steht der Titel den anderen Versionen damit also fast in nichts nach. 

Dennoch können die Entwickler nicht zaubern. Damit DOOM auf der Switch flüssig läuft, sind das angestrebte Ziel nur 30 Frames pro Sekunde. Und selbst diese Zahl kann bei extrem hoher Gegneranzahl nicht immer erreicht werden. Ferner nutzt DOOM wie viele andere Spiele eine adaptive Auflösung. Während ein Splatoon 2 hier gelegentlich von 1080p auf 900p herunterschaltet, läuft DOOM die meiste Zeit nur bei circa 600p. Allerdings: Spielt man DOOM unterwegs, fällt das alles auf Grund des kleinen Displays kaum auf. Damit ist der Titel wohl der beeindruckendste Handheld-Shooter aller Zeiten. Auf dem großen TV kommen diese Aspekte hingegen deutlicher zur Geltung und die komprimierten Texturen und Blur-Effekte bescheinigen dem Port eine Qualität, die klar unter den anderen Versionen liegt. 

Das alles ist aber Meckern auf höherem Niveau, denn der Spielspaß wird dadurch nur marginal beeinträchtigt. Etwas kritischer sieht die Sache da beim Multiplayer aus. Das schnelle Gameplay hätte durchaus eine höhere Framerate vertragen können. Und apropos kritisch: So sieht vermutlich auch der Systemspeicher der Switch aus, denn aufgrund von Platzproblemen befindet sich der Multiplayer-Modus nicht auf dem Modul, sondern muss erst noch heruntergeladen werden. Dummerweise (und dies mag mitunter auch den Restriktionen des Systems geschuldet sein) wird dieser Inhalt über die Update-Funktion verteilt. Selbst wenn Panic Button das Spiel also noch weiter optimiert, kommt man wohl nur in den Genuss des Updates, wenn man vorher auch den großen Multiplayer-Patch geladen hat. Immerhin liegt dieser Modus dann aber auch in der Version 6.66 vor, ist damit baugleich mit den anderen Konsolen und dem PC und enthält alle DLC-Pakete und Anpassungen. 

Fazit

DOOM ist ein großartiger, erwachsener Shooter und macht dank des gelungenen Ports von Panic Button auch unterwegs eine verdammt gute Figur. Allein das ist eine wahrliche Meisterleistung. Im TV-Modus am heimischen Fernseher lässt sich allerdings nicht verleugnen, dass der Titel die Switch an seine Leistungsgrenzen bringt. Diese Abstriche sind zwar zu verschmerzen, können den Spaß im ansonsten gelungenen Multiplayer-Modus aber etwas trüben. Darüber hinaus werden Switch-Besitzer in vollem Umfang zur Kasse gebeten, während der Titel auf den Konkurrenzsystem für einen Bruchteil des Preises erhältlich ist. Wer darüber hinwegsehen kann, sollte aber unbedingt zugreifen. Denn jetzt gibt es einen der besten Shooter der letzten Jahre auch für unterwegs.

Wertung:

8.5

Lars Peterke meint:

"DOOM ist trotz kleinerer Einbußen auch auf der Switch ein mehr als erhabener Shooter."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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4 Kommentare:


Matthew1990
vor 3 Tagen | 0
"hingegen deutlicher zur Geltung und die komprimierten Texturen und Blur-Effekte bescheinigen dem Port eine Qualität, die klar unter den anderen Versionen liegt."
- Ich glaube, da ist ein Tippfehler drin: *Blut-Effekte
Ansonsten schön geschriebener Test. Zum Großteil hat es genau meine Meinung getroffen.

Dr_Lobster
vor 3 Tagen | 1
Oder es ist tatsächlich die Bewegungsunschärfe gemeint. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das unter anderem ein Trick um grafische Defizite zu kaschieren und auch ein Gefühl der Geschwindigkeit zu erzeugen.
Samus_Aran
vor 3 Tagen | 1
Ich meine tatsächlich den Blur. Da muss man aber unterscheiden zwischen dem Motion Blur den Doom in allen Versionen als Stilmittel einsetzt und der Unschärfe, die hier einfach präsenter ist als in den anderen Fassungen. Einfach mal einen Grafikvergleich ansehen, dann erkennt man, dass Doom auf der Switch aussieht wie mit Brille mit falscher Sehstärke. Fällt aber wirklich nur im Direktvergleich so stark auf.

Matthew1990
vor 2 Tagen | 0
Dann habe ich nichts gesagt. Mein Fehler. :)