Analyse: Ubisoft, EA, SquareEnix – drei Dritthersteller, drei Switch-Ansätze

Von Tim Herrmann am 09. November 2017

Zur Bekanntgabe der Halbjahreszahlen kommentieren drei große Publisher ihre zukünftige Switch-Politik. Wir haben hingeschaut und hingehört.

Eins steht fest: Für Nintendo läuft’s

Spätestens die Bekanntgabe von Nintendos Geschäftsergebnissen vor ein paar Tagen machte deutlich: Nintendo übertrifft sogar seine ambitionierten eigenen Ziele mit Nintendo Switch – dabei hat das so wichtige Weihnachtsgeschäft noch gar nicht begonnen. Super Mario Odyssey verkauft sich prima, die Nachfrage nach der Konsole bleibt hoch, die nächsten Spiele-Releases stehen bereits bevor.

Nach ein paar Monaten auf dem Markt ist Switch also in einer signifikant besseren Position als Wii U nach sechs Monaten. Damals hatte Nintendo fast das komplette Lineup verschoben, den Schwung des Weihnachtsgeschäfts verspielt und wurde mit negativer Presse überhäuft. In der Kombination führte all das dazu, dass die Konsole schnell auch die Unterstützung der Dritthersteller verlor – und damit die Grundlage ihrer Existenzberechtigung. Denn mit den Lizenzgebühren der Dritthersteller verdient Nintendo im Plattform-Geschäftsmodell Geld.

Wie entwickelt sich die Third-Party-Situation ein gutes halbes Jahr nach Switch-Release weiter? Wir haben drei aktuelle Beispiele gefunden und genauer nachgeschaut und hingehört:

EA ist noch skeptisch

EA und Nintendo verbindet traditionell ein schwieriges Verhältnis. Der große Games-Publisher hat sich auf der Wii U-Konsole nicht mit Ruhm bekleckert, portierte uralte Spiele mittelmäßig und bot sie dann zum Vollpreis an. Weil sie sich nicht verkauften, stellte man die Unterstützung danach konsequent ein und trug damit nicht unwesentlich zum Wii U-Flop bei.

Wie läuft es mit Nintendo Switch? Bisher hat EA mit der Switch-Portierung von FIFA 18 einen einzigen Titel auf den Markt gebracht, der nicht schlecht war. Infos über Verkaufszahlen gibt es noch nicht – natürlich liegen sie aber weit niedriger als die der Hauptversionen.

Für EA steht dennoch schon fest: FIFA 18 wird vorerst das einzige Switch-Spiel bleiben. Erst im Frühjahr 2018, wenn die Nintendo-Konsole ihr erstes Jahr auf dem Markt hinter sich hat (und vor allem ihr erstes Weihnachtsgeschäft), will EA über seine zukünftige Strategie entscheiden. Erst dann würde die Entwicklung neuer Titel beginnen, die dann natürlich auch einige Zeit dauert.

Was das heißt? EA ist im Moment nicht bereit, in Switch zu investieren. Trotz der hohen Nachfrage nach der Konsole. Die schlechten Erfahrungen der vergangenen zwei Nintendo-Generationen scheint noch tief zu sitzen. EA glaubt: Selbst wenn Switch ein echter Hit wird (wie etwa die Wii-Konsole), dann gehören Switch-Spieler trotzdem nicht der klassischen Klientel an, die EA anspricht. Wenn die Ergebnisse von FIFA 18 nicht überraschend-überragend sind, dann ist im Jahr 2018 mit fast keinen EA-Projekten für Switch zu rechnen.

Ubisoft macht mit Switch bereits echte Umsätze

Selbst Ubisoft ist nach Wii U-Rückschlägen wie ZombiU konservativer in die neue Generation gestartet und hat nicht allzu viele Spiele für Switch veröffentlicht. Dafür gab es mit Mario vs. Rabbids: Kingdom Battle aber ein sehr prominentes. Die Strategie scheint aufgegangen zu sein: Aus den neuesten Geschäftszahlen des französischen Publishers geht hervor, dass Ubisoft 12 Prozent seines Halbjahresumsatzes mit Switch-Spielen generiert habe; also im Wesentlichen mit dem Mario-Crossover. Damit hat Switch zwar noch nicht den gleichen Stellenwert für Ubisoft wie die anderen Konsolen, zog aber zumindest im vergangenen Quartal fast mit der Xbox One gleich.

Während EA noch zögert, abwartet und eher skeptisch ist, hat Ubisoft seine gute Zusammenarbeit mit Nintendo scheinbar wiederaufgenommen. CEO Yves Guillemot verspricht „mehrere Spiele“ für Nintendo Switch im nächsten Jahr. Angekündigt sind sie aber noch nicht – und unklar bleibt vorerst auch, ob es sich um weitere exklusive Produktionen handeln wird oder um Umsetzungen und Portierungen von Spielen, die ohnehin geplant sind.

SquareEnix will Multi-Plattform-Spiele auch für Switch

Eine dritte Stimme erreicht uns dieser Tage von SquareEnix. Die Japaner haben schon einige Switch-Software veröffentlicht und angekündigt, darunter auch neue Dragon Quest-Titel. Angesichts der Verkaufserfolge der Konsole zeigt sich das Unternehmen auch für die Zukunft optimistisch: Keine IP von SquareEnix sei für Switch ausgeschlossen, weder vergangene noch aktuelle noch geplante.

Allerdings, so macht es SquareEnix gegenüber Analysten auch klar: Exklusivtitel seien für Switch nicht zu erwarten. Das passe nicht mehr zur Multi-Plattform-Strategie des Unternehmens. Spiele wie Octopath Traveler, das doch exklusiv für Nintendos Konsole auf den Markt kommt, ist dabei eine Ausnahme – wohl vor allem, weil Nintendo sich finanziell beträchtlich an der Entwicklung beteiligt und sich damit die Exklusivität gesichert hat. Das Rollenspielprojekt soll 2018 auf den Markt kommen und hat auch schon bei Nintendo Direct eine Rolle gespielt.

FAZIT: Die Dritthersteller kommen zurück

Nintendo hat in den vergangenen sieben Jahren viel Vertrauen bei seinen Geschäftspartnern verloren, hat ihnen auf der starken Wii-Konsole zu wenig und auf der schwachen Wii U-Konsole zu viel Raum gegeben.

Der gute Start von Nintendo Switch und erste Erfolge mit Third-Party-Software verleiten die ersten Unternehmen jetzt aber wieder dazu, längerfristig mit Nintendo zu planen: Ubisoft gehört dazu, SquareEnix auch, BandaiNamco und Capcom haben ebenfalls Interesse signalisiert, auch wenn es noch wenig echte Belege dafür gibt.

Für andere Publisher wie EA oder Activision hingegen wird Switch auch perspektivisch eher uninteressant bleiben – und zwar weitgehend unabhängig davon, wie oft sich die Konsole noch verkauft. Denn selbst wenn 50 Millionen Mario-, Zelda- und Pokémon-Fans sich die Konsole kaufen, heißt das immer noch nicht, dass diese 50 Millionen auch ein attraktives Publikum sind, das Produkte wie die von EA nachfragt.

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7 Kommentare:


Clessidor
vor 1 Woche | 0
Naja an sich sind seitens Ubisofts ja noch Steep und Starlink: Battle for Atlas für Switch angekündigt. Kann auch sein, dass Guillemot bei seiner Aussage sich vor allem auf diese bezog.

Ansonsten muss ich zu EA sagen, dass aus deren Sicht mittlerweile Sportspiele und Microtransactions ihr Kerngeschäft bilden. Sonderlich viel erwarte ich von EA neben diesen beiden Feldern nicht. Höchstens Battlefield und Anthem. An sich wird sich wohl zeigen, ob EAs Sportspiele kommen werden oder nicht.

Dr_Lobster
vor 1 Woche | 2
Auch wenn ich bei der WiiU über deren Abwesenheit geschimpft habe: Wirklich interessiert bin ich an Multiplatform-Titeln für die Switch eigentlich nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Viel besser finde ich speziell auf die Switch zugeschnittene Produktionen wie etwa Kingdom Battle.
Trotzdem schön zu sehen, dass Nintendo auch in dieser Hinsicht offenbar die Kurve kriegt.

Am Ende noch ein kleines Lob:
Jedes mal wenn ich besonders ansprechend geschriebene News oder Tests lese und am Ende zum Verfasser zurückscrolle, ist es Tim. Gute Arbeit!

TomParis
vor 1 Woche | 1
Da schließ ich mich mal an mit dem Autor, les ich das am Anfang, wird's meist interessant!

Matthew1990
vor 1 Woche | 0
Welch Ironie. Da hatte EA doch so gut auf der Konferenz damals von der Switch gesprochen und sie gerne Nintendo helfen wollen. Ich hörte aber, dass EA allgemein keine guten Bilanzen fährt. Ich weiß nicht, ob sich EA das leisten kann. Vielleicht hätten sie ja mehr Erfolg, wenn sie gleichwertige Spiele auf der Switch raus bringen würden, statt billige Ports und abgespeckte Versionen? :>

Ubisoft ist ja eigentlich recht supportiv und hat gerade zur Wii U viel beigetragen: Just Dance, Assassin's Creed, Splinter Cell, Watch_Dogs, Rayman, etc. Auch jetzt kam ja mit Mario+Rabbids ein guter Titel raus.

Auf Square Enix bin ich allgemein gespannt. Immerhin brachten sie schon recht viel in Japan und... wait...
"Keine IP von SquareEnix sei für Switch ausgeschlossen, weder vergangene noch aktuelle noch geplante." - Also... wäre ein Life is Strange nicht ausgeschlossen? Oder NOCH besser: Kingdom Hearts!?!?!
Auch wenn es recht unwahrscheinlich ist,... das gibt zumindest einen Funken Hoffnung! <3

prog4m3r
vor 1 Woche | 0
EA wird der Switch wohl weitestgehend fern bleiben, schon allein weil Titel wie Battlefield oder auch Anthem zu viele Anpassungen erfordern. Würde EA sich etwas mühe geben, dann könnte man sicher auch ein ordentliches FIFA, welches der PS4/X1 Version nicht wirklich nachsteht bringen, mMn. auch der einzige Titel der von EA als wirklich wichtig zu betrachten wäre, bei entsprechendem Erfolg der Konsole aber sicher auch irgendwie kommt.

Ubisoft wird hingegen wohl ähnlich gerne die Switch unterstützen wie damals schon die Wii, selbst bei der Wii U ist man ja erst sehr spät abgesprungen. Ob die großen Titel kommen bleibt zwar abzuwarten - ich tippe mal auf nein und falls doch halt Monate später, aber Just Dance und Co. werden abseits von kleineren Exklusivprojekten und Ubiart Titeln sicher ihren weg auf Nintendos aktuelle Konsole finden.

Square Enix, hmmm... den exklusiven Support für den 3DS einfach auf die Switch übersiedeln zu lassen wäre wohl zu viel verlangt, also im Endeffekt erwarte ich einfach einen ähnlichen Support, nur dass diese Titel halt auch für PS4 (und PC) erscheinen werden. Wieso? Weil die Switch grafisch nah genug ist damit es sich lohnt, ein 3DS Spiel hingegen konnte man nicht so einfach auf andere Plattformen übertragen. Die Frage die mir hingegen etwas sorge bereitet: Entwickelt Square Enix zukünftig für die "PS4" und Switch bekommt einfach eine hässlichere Version, oder entwickeln sie für Switch und PS4 (/PC) bekommen einen Port? Ersteres würde wohl darin resultieren, dass die Switch Version für viele uninteressanter wird...

TraxDave
vor 1 Woche | 0
Mir persönlich sind die größten Publisher hier gar nicht sooo wichtig, aber natürlich sind sie trotzdem essentiell für die Konsole.

Für mich ist wichtig, dass Square Enix gut supportet und zwar auch in Europa, nicht nur Japan, sowie, dass auch Bandai Namco von der großteils only-PS4-Schiene (und später Steam) abkommt und ebenso tüchtig die Switch füttern, mehr brauch ich nicht.

Denios
vor 1 Woche | 1
Anzahl Spiele, die Square Enix bisher für die Switch gemacht hat: 5
Anzahl der Spiele, die SE bisher im Westen veröffentlicht hat: 1
(Spelunker hab ich jetzt mal ausgelassen, der Quatsch zählt nicht)

Die Zukunft sieht da zwar besser aus, da Lost Sphear und Octopath schon für den Westen angekündigt sind, aber ansonsten... nervt das etwas...