Test: The Mummy: Demastered

Von Andreas Held am 08. November 2017

WayForward (Shantae, Mighty Switch Force) meldet sich mit einem neuen 2D-Metroidvania zurück.

The Mummy: Demastered ist ein Lizenzspiel zum aktuellen Kinofilm-Remake von "Die Mumie", in dem die titelgebende Bedrohung ganz im Sinne der Political Correctness weiblich ist. Im Spiel erforscht ihr in der Gestalt eines namenlosen Agenten, dessen Charakterdesign stark an einen beliebigen Space Marine erinnert, ein plötzlich unter London aufgetauchtes Höhlensystem und macht jagt auf Ahmanet, die natürlich nur die Zerstörung der Stadt im Sinne hat.

Jump'n'Shoot von der Stange

Der im SNES-Look gehaltene Action-Platformer gibt sich spielerisch äußerst spartanisch. Der Protagonist kann springen, in acht verschiedene Richtungen schießen - und das war es soweit. Ein simples Spielsystem ist nicht unbedingt ein Beinbruch, doch auch in allen anderen Punkten merkt man The Mummy: Demastered viel zu schnell an, dass es nur die absolut notwendigen Genre-Elemente enthält. Das Gegner-Ensemble setzt sich aus langweiligen Riesen-Insekten, Fledermäusen und Skeletten zusammen, während die Höhlensysteme fast nie von erdenen Braun- oder metallenen Grautönen abweichen. Das Leveldesign wirkt äußerst beliebig. Clevere Puzzles, mit denen sich versteckte Wege zu Upgrades und Collectibles öffnen lassen, gibt es nicht. Der Hauptcharakter mit seinem Space-Marine-Anzug und einem Standard-Waffenarsenal aus Maschinengewehr, Schrotflinte und Handgranaten könnte im Prinzip auch aus irgendeinem Asset-Store stammen. Er wirkt wie ein Platzhalter, den ein Halo-Fan in seinem ersten Hobbyprojekt eingesetzt hat.

Auch das Balancing und der Schwierigkeitsgrad lassen schnell durchblicken, dass The Mummy: Demastered eine äußerst kurze Entwicklungszeit gewidmet wurde. Aufgrund des relativ beliebigen und nicht sonderlich gut getesteten Leveldesigns werden wir ständig getroffen - dafür verlieren wir jedoch nur sehr wenig Lebensenergie und die Gegner lassen im Sekundentakt Heilungsitems fallen. Wenn die Lebensenergie doch einmal knapp wird, erscheinen die helfenden roten Kugeln "zufällig" noch viel häufiger. Nervig ist lediglich das Knockback-System, das mit dem aus alten Castlevania-Teilen vergleichbar ist. Werdet ihr getroffen, fliegt euer Charakter mehrere Meter weit nach hinten - nicht selten muss in diesem Fall eine komplette Klettersequenz von vorne begonnen werden. Bosskämpfe sind deutlich schwieriger als der Rest des Spiels, da die Obermotze extrem viel Lebensenergie mit sich herumschleppen und sich Kämpfe sehr stark hinziehen können, während dieselben simplen Angriffsmuster dutzendfach wiederholt werden.

Wenn euch aus irgendeinem Grund ein virtuelles Ableben unterläuft, haben die Entwickler eine absolut drakonische Strafe für euch vorgesehen. The Mummy: Demastered implementiert eine Art Permadeath-System: Der gefallene Soldat wird von Ahmanet kontolliert und ihr startet das Spiel am letzten Speicherpunkt mit einem neuen Space Marine erneut - und zwar nur mit dem Standard-Gewehr und dem Minimum an Lebensenergie. So ausgerüstet müsst ihr euch dann bis zu eurem Vorgänger durchkämpfen und diesen anschließend im Duell besiegen, um eure Ausrüstung zurückzubekommen. Verliert ihr gegen euer Zombie-Ich, dann entsteht ein zweiter untoter Krieger, der sich mit dem Alpha-Patienten verbündet. Nach ein paar Fehlversuchen dieser Art ist die Untoten-Armee unbesiegbar und ein kompletter Neustart des Spiels unumgänglich.

Fazit:

Viele Indie-Entwickler machen keinen Hehl daraus, dass sie vor allem in ihrer Startup-Phase mit dreckigen Auftragsarbeiten schnelles Geld verdienen, das dann zur Finanzierung ihrer eigentlichen Herzensprojekte herangezogen wird. Wirklich verteufeln kann man dieses Vorgehen eigentlich nicht - Atlus hat in seiner Anfangszeit einige der schlechtesten NES-Spiele aller Zeiten für LJN entwickelt, aber ohne die kaum spielbaren 8-Bit-Versionen von Friday the 13th und The Karate Kid hätten wir heute wohl kein Persona 5. The Mummy: Demastered riecht sehr stark nach einer solchen Auftragsarbeit, denn bevor das Lizenzspiel in aktuellen Download-Shops erschienen ist, hat WayForward nicht mehr als das zum Abliefern eines funktionierenden Spiels zwingend notwendige getan. Das Balancing und das Leveldesign lassen jegliche Form von Feintuning vermissen, während die allgemeine Gestaltung des Spiels so unkreativ ist, dass es fast schon weh tut. "Space Marine schießt mit Sturmgewehr auf Monster" ist eine Umschreibung, die auf dutzende Spiele passen würde - für die Entwickler von Serien wie Shantae oder Mighty Switch Force ist sie eigentlich absolut unwürdig. Natürlich gibt es auch eine alternative Erklärung für die Qualität des Spiels: WayForward hat sich die Lizenz bereits 2016 gesichert und die Entwickler hatten nach dem Ansehen des Kinofilms plötzlich keine Lust mehr, das Spiel vernünftig zu Ende zu entwickeln. Das könnte man ihnen dann nicht mal verübeln.

Wertung:

5.0

Andreas Held meint:

"Man spielt einen Mann, der schießt. So unkreativ wie dieser Schlusssatz ist auch The Mummy: Demastered."
Spielerlebnis: Mangelhaft
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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1 Kommentare:


prog4m3r
vor 1 Woche | 0
Wirklich schade, aufgrund der Bilder zum Spiel und der guten Reputation von WayForward in Sachen Metroidvania, hatte ich hier wirklich auf einen guten Titel gehofft, der sich etwas näher am klassischen Metroid orientiert als es bei Shantae der Fall ist... aber die Strafe für ein Ableben klingt nett, wenngleich man die Armee der untoten vllt. nicht zu übermächtig werden lassen sollte.