Test: Monopoly für Nintendo Switch

Von Kamil Witecy am 07. November 2017

Monopoly in 3D mit bis zu sechs Spielern überall und jederzeit - eine lohnende Investition für Switch-Besitzer?

Monopoly ist einer der beliebtesten Brettspiel-Klassiker aller Zeiten und es dürfte wohl kaum jemanden geben, der es noch nicht selbst gespielt hat oder zumindest nicht kennt. Ziel des Spiels ist es seit jeher, möglichst viel Geld zu scheffeln und nicht bankrott zu gehen. Dazu müssen Immobilien gekauft und mit Häusern und Hotels ausgestattet werden. Landet ein Mitspieler nach dem Würfeln auf einem eurer Grundstücke, muss er euch dafür Miete zahlen. Diese fällt umso höher aus, je mehr Häuser bzw. Hotels auf dem Terrain stehen.

Um solche Gebäude allerdings erst bauen zu dürfen, müsst ihr zunächst alle zusammenhängenden Grundstückskarten einer Straße (in der Regel drei) besitzen. Diese können prinzipiell jeweils von der Bank erworben werden, jedoch nur dann, wenn ihr mit dem nötigen Würfelglück auf das entsprechende Feld gelangt. Gehört die begehrte Immobilie bereits einem Mitspieler, so gilt es untereinander zu verhandeln. Die Ereignis- und Gemeinschaftskarten, die ihr auf bestimmten Feldern des Spielbrettes ziehen müsst, bringen zusätzliche Würze ins Spiel und können sowohl positive als auch negative Effekte haben. Monopoly endet letztlich, wenn nur noch ein Spieler übrig bleibt, der sich sein Immobilien-Imperium aufgebaut hat und nicht pleite gegangen ist.

Jederzeit und überall ums große Geld zocken

Die Idee hinter der Versoftung eines Brettspiels mit dem globalen Beliebtheitsgrad der Marke Monopoly dürfte klar sein: Mit möglichst wenig Aufwand nebenbei einige Scheinchen einsacken. Dementsprechend gibt es bereits etliche Umsetzungen für diverse Videospielplattformen, die unter anderem lange Zeit von Electronic Arts auf den Markt gebracht wurden. Aktuell hält jedoch Ubisoft die Rechtelizenzen und hat bereits vor rund drei Jahren eine Umsetzung unter dem Namen Monopoly Plus (später folgten einige Erweiterungen) für PS4 und Xbox One auf den Markt gebracht. Monopoly für Switch ist im Grunde ein erweiterter Port eben dieser Monopoly-Versoftung. Erweitert deshalb, weil die Version für Nintendo Switch unter anderem mit drei unterschiedlichen, lebendigen Spielbrettern (statt lediglich einem klassischen Spielbrett) daherkommt und mehr Auswahl bei den anwählbaren Spielfiguren bietet. Zur Verfügung stehen euch ein Stadt-Motto, ein Freizeitpark-Design und ein Geister-Thema – und eben das ganz klassische Monopoly-Spielbrett sowie eine Version im Rabbids-Style. Neue Spielfiguren können mit dem Erfüllen von bestimmten Herausforderungen (beende ein Spielbrett, würfle dreimal einen Dreierpasch, lande zehnmal genau auf dem Feld „Los“ etc.) freigespielt werden. Den aktuellen Fortschritt dieser Ziele könnt ihr jederzeit einsehen.

Ansonsten ist Monopoly für Switch eine absolut regelgetreue Umsetzung des Spieleklassikers, wobei auf der Switch bis zu sechs Spieler überall und jederzeit am virtuellen Spielbrett um das große Geld zocken dürfen. Besonders cool: Die Switch lässt sich im Tabletop-Modus wie ein echtes Spielbrett auf den Tisch legen. Gesteuert wird dann mit den Joy-Cons, die zum Würfeln geschüttelt werden müssen. Hier kann entweder jeder mit seinem eigenen Joy-Con spielen oder ein Controller wird für alle Spieler genutzt und jeweils weitergereicht. Durch das HD Rumble Feature der Switch könnt ihr zudem das Rollen der Würfel in eurer Hand spüren. Sind gerade mal zu wenig menschliche Spieler zur Hand, übernimmt der Computer deren Rolle. Die KI-Schwierigkeit kann in vier Abstufungen von sehr leicht bis schwer eingestellt werden. Zwar lassen sich die Spielzuganimationen auf dem Spielbrett grundsätzlich wegklicken, dennoch dauert es mitunter einige Momente, bis der Computer überhaupt anfängt zu würfeln und seinen Spielzug letztlich abschießt. Folglich müsst ihr für eine Spielpartie gegen einen und insbesondere gegen mehrere KI-Gegner schon etwas (passive) Geduld aufbringen.

Neben den klassischen Monopoly-Regeln stehen euch noch einige weitere Hausregeln zur Verfügung, die von Monopoly-Fans aus aller Welt ausgewählt wurden. Leider gibt es jedoch keine Möglichkeit, komplett eigene Regeln zu definieren, wie es einst bei Monopoly Streets von EA möglich war. Wem hingegen nur wenig Zeit zur Verfügung steht, kann im „Schnelleres-Spiel-Modus“ antreten oder stattdessen ein anderes Spielziel über sogenannte Zielkarten auswählen. Diese Ziele sind schneller zu erreichen und sorgen zum Teil für eine deutlich kürzere Spielzeit (Beispiel: Der erste Spieler, der ein Hotel baut, gewinnt). Im Vergleich zu den PS4- und Xbox One-Versionen sind neben dieser Zielkarten in diesem Modus auch neue Aktionskarten hinzugekommen, die ebenfalls vor allem auf ein schnelleres Spiel ausgelegt sind. Drei davon werden zu Beginn des Spiels zufällig zugeteilt und sollten dann mit Bedacht im Spiel eingesetzt werden. Sie erlauben beispielsweise ein schnelleres Vorgehen auf dem Spielbrett, die Bestrafung anderer Mitspieler oder sorgen für einen zwischenzeitlichen Geldregen.

Anders als die PS4-Fassung von Monopoly Plus verfügt die Switch-Version über einen vollwertigen Onlinemodus, an dem jedoch nur ein Spieler von der heimischen Couch aus teilnehmen kann. Ihr könnt dabei entweder zusammen mit anderen Spielern in schnellen Online-Spielen oder in individuellen Spielsitzungen gegeneinander antreten. Zudem könnt ihr die Bestenlisten online einsehen. Hin und wieder kann es bei der Online-Verbindung allerdings zu nervigen Lags kommen, die den Online-Spaß trüben können.

Wachsende Spielbretter und ein Ladezeiten-Bug

Ein weiteres Problem: Monopoly für Switch weist im aktuellen Zustand einen nervigen Bug auf, der extrem lange Ladezeiten hervorruft. Ubisoft empfiehlt daher, das bereits zur Verfügung stehende Update auf Version 1.0.1 zu laden und zudem die Switch vor dem Starten des Spiels einmal komplett mit einem Hard-Reset auszuschalten (kein Stand-By). Nur dann sind angenehme Ladezeiten von wenigen Sekunden garantiert, andernfalls kann es schonmal fünf Minuten und länger dauern, bis das Spiel überhaupt gestartet werden kann. Die Entwickler arbeiten bereits an einem Patch, darauf werdet ihr mittlerweile auch direkt im Startbildschirm von Monopoly hingewiesen. Ebenso macht es keinen allzu guten Eindruck, dass sich in der deutschen Übersetzung diverse Tippfehler eingeschlichen haben. Ubisoft sollte sich also nicht mehr allzu lange Zeit lassen und mit einem entsprechenden Patch nochmal an einigen Stellen nachbessern.

Die Spielfiguren, Häuser und Ereignisse wurden hingegen in nett anzusehenden Grafiken und witzigen (wenn auch manchmal steifen) Animationen umgesetzt. Generell wächst eure Stadt auf den lebendigen Spielbrettern analog zu eurem Spielfortschritt und kann mit kleinen, liebevoll umgesetzten Details punkten. Eure Spielfiguren hüpfen durch die bekannten Straßen, gewinnen auf dem Feld der Gemeinschaftskarte schon einmal freudig einen Schönheitswettbewerb und werden bejubelt oder landen auch mal unter Blaulicht-Sirenen kurzerhand im Knast, wenn euch das Würfelglück im Stich lässt. Die Musik ist für ein Spiel dieser Art absolut in Ordnung, wobei positiv hervorzuheben ist, dass die Musikstücke sich dynamisch mit dem Fortschritt des Spiels in ihrer Variation etwas abändern. Wer hingegen keine oder nur sehr leise Musik beim Spielen hören möchte, kann diese ebenso in den Optionen regeln wie den deutschen Kommentator. Dieser ist zu Beginn noch ganz witzig, da sich seine Sprüche jedoch sehr häufig wiederholen, werden ihn die meisten Spieler vermutlich recht schnell ausschalten.

Fazit:

Mit Monopoly für Switch erhaltet ihr eine grundsolide Umsetzung des bekannten Familien-Spieleklassikers, die ihr dank der Portabilität der Switch überall und jederzeit mit bis zu sechs Mitstreitern spielen könnt. Mehr aber auch nicht. Spezielle Spielziele für verkürzte Spielsessions sowie zusätzliche Regeln und Aktionskarten bringen zwar etwas Abwechslung ins Spiel, ändern aber das grundsätzliche Spielgefühl nicht allzu sehr. Ärgerlich sind zudem die vereinzelten Lags im Online-Spiel, die Tippfehler in der deutschen Übersetzung sowie der aktuell noch auftretende Ladezeiten-Bug. So bleibt es dann unter dem Strich eine Frage der eigenen Präferenzen, ob ihr die rund 40 Euro in die Switch-Version investiert oder lieber eine der zahlreichen Brettspiel-Varianten für teils deutlich weniger Geld erwerbt. Falls ihr das Brettspiel nicht ohnehin schon bereits zuhause habt.

Wertung:

6.5

Kamil Witecy meint:

"Grundsolide Umsetzung des Brettspielklassikers ohne große Extras – leider jedoch mit Bugs, die Ubisoft erst noch patchen muss."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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10 Kommentare:


Falcon
vor 1 Woche | 0
Wie ist das den mit dem Bug aktuell: Muss man die Konsole nur einmal vorher komplett ausmachen und dann passt es, oder jedes mal vor dem Spielen?

Terry
vor 1 Woche | 0
Einmal reicht. Also Spiel installieren, das Update auf Version 1.0.1 installieren, Switch komplett aus (ca. 10 Sekunden Power-Button halten). Dann wieder anmachen und Spiel ganz normal starten, dann sind die Ladezeiten auch ganz angenehm. Muss wohl irgendein Problem mit dem Zwischenspeicher sein.

Matthew1990
vor 1 Woche | 0
Wenn sich Ubisoft mehr Mühe gegeben hätte, hätte man daraus etwas Feines machen können.
Aktuell fehlt es ja recht an Software, die man unterwegs auch mit mehreren über eine Konsole spielen kann. Aktuell fällt mir nur Mario Kart ein. Mit FIFA kenne ich mich nicht aus, ob man beide Joy Cons teilen kann.

Terry
vor 1 Woche | 0
Was wäre denn in deinen Augen "was Feines"?

In FIFA kann man die Joy-Cons teilen, ja.
Matthew1990
vor 1 Woche | 0
Gute Frage. Am Ende bleibt es ja eh Monopoly. Etwas, dass den Kaufgrund nicht nur auf "digitales Monopoly zum Mitnehmen" beschränkt.
Ich muss da an Nintendos Monopoly denken, wo Nintendo eines mit Mario Charakteren entworfen hat, wo jeder seine eigenen Fähigkeiten hat und geänderte Würfel.
An simples Monopoly habe ich seit Jahren kein Bedarf, aber als ich die News gelesen hatte, war mein erster Gedanke direkt: Das ist ja geil.

https://nplusx.de/story/1072-super-mario-auch-als-monopoly-brettspiel

Terry
vor 1 Woche | 1
Ja, stimmt. So eine Nintendo-Monopoly-Variante mit zusätzlichen Spielregeln hätte durchaus seinen Reiz. Vielleicht kommt es ja noch zu einer Kooperation. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Lars sogar diese von dir verlinkte Version. Vielleicht schreibt er ja mal was dazu ;-)

Ansonsten: Ich finde das Spiel in seiner jetztigen Form aber auch schon ganz brauchbar. Bis auf die Geschichte mit den Bugs etc. - da hätten die sich einfach paar Tahe mehr Zeit lassen sollen. Nur die Preispolitik ist halt...unglücklich. Bin mir sicher, dass die das Spiel für 15-20€ sehr gut verkaufen könnten.

TraxDave
vor 1 Woche | 0
Da gibt‘s schon eigentlich sehr viele Spiele. Mario Kart ist sogar fast das Unbrauchbarste davon. ^^‘
Aber mehr wären trotzdem nicht schlecht.
Ich gehöre übrigens zu dem Teil, der wohl bei 15-20€ zugreifen würde.

Achja...Brettspiel + Nintendo...hoffentlich bekommen wir bald mal einen super Mario-Party-Ableger. ;)


NXPro
vor 1 Woche | 0
Viel schöner wenn mir die Familie aus eigener Hand Miete bezahlen muss. ^^ Virtuell fehlt mir bei den Brettspielklassikern etwas.

Sinobin
vor 1 Woche | 0
Ich warte bis das Spiel per Angebot auf 25€ runter ist. 40€ ist arg viel, wenn man mit anderen Soielen für 40€ vergleicht.

DekuDude
vor 20 Stunden | 0
"Grundsolide" ist das nicht.
Übersetzungsfehler, Ladezeiten, Spiele nicht zwischenspeichern zu können gepaart mit Spielabstürzen und der Tatsache, dass man lokal zu zweit nicht online zocken kann, machen diesen Port bei dem Preis zu einer Frechheit.

Mir ist schleierhaft, wie man das als grundsolide bezeichnen kann, wenn so viele Game Breaker drin sind.
Gut: Ladezeiten hat man gepatcht. Aber Natürlich erst hinterher.