Test: Minecraft: Story Mode

Von Andreas Held am 04. November 2017

Telltale kauft sich allerlei Lizenzen für sein mit The Walking Dead etabliertes Videospiele-Format zusammen. Die wohl absurdeste davon ist Minecraft.  

Minecraft im Telltale-Korsett

Auch Minecraft: Story Mode hat Telltale gnadenlos in dieselbe Schablone gepresst, von der das Studio seit über fünf Jahren kein Stück weit mehr abweicht. Somit bekommen wir auch diesmal wieder einen episodischen und interaktiven Film serviert, der regelmäßig durch kurze Action-Sequenzen und Quick-Time-Events unterbrochen wird. Während der Dialoge können wir immer wieder Entscheidungen treffen, die laut einer Einblendung zu Beginn des Spiels „die Spielwelt formen“ - mittlerweile ist jedoch hinreichend bekannt, dass Telltale seinen Spielern die Möglichkeit der Einflussnahme in der Regel nur vorgaukelt. In Wirklichkeit folgen wir unweigerlich immer derselben, linearen Handlung. Das ist an sich kein großes Problem, doch dass Telltale in seinen Marketing-Sprüchen das genaue Gegenteil behauptet, ist vielen Spielern bereits sauer aufgestoßen. 

Minecraft: Story Mode hätte vielleicht sogar Potential gehabt, wenn Telltale nicht so stur darauf bestanden hätte, aus dem Lizenzspiel ein weiteres The Walking Dead zu machen. Dragon Quest Builders (NplusX-Test) hat gezeigt, wie das Minecraft-Gameplay mit einem linearen, handlungsgetriebenen Spielkonzept verheiratet werden könnte. Auf derartige Anpassungen am Fundament wurde jedoch verzichtet. Stattdessen haben wir sogar öfters das Gefühl, einfach das 2012 erschienene Zombiespiel noch einmal mit einem Minecraft-Skin zu spielen: Statt wählen zu müssen, welchen von zwei NPCs wir vor einem Untoten retten, entscheiden wir diesmal im Angesicht eines Monsters aus dem Minecraft-Universum über Leben und Tod. Auch Diskussionen darüber, ob ein bestimmter Charakter des Nachts vor die Tür gesetzt wird oder im Unterschlupf bleiben darf, sind wieder dabei. 

Dass ein ernsthaftes Storytelling mit der pixeligen Minecraft-Optik und den skurrilen Regeln des Minecraft-Universums nicht unbedingt funktioniert, dürfte klar sein. Eigentlich kann das Spiel zu keiner Zeit wirklich ernst genommen werden oder eine echte Bindung zu seinen Figuren erzeugen - dadurch fehlt ihm jegliche Art von Atmosphäre. Auch die generische Fantasy-Helden-Weltrettungs-Story und die ständigen Flachwitze tragen nicht unbedingt zur Immersion bei, sondern erinnern eher an Animationsfilme für Kinder. Anpassungen am Gameplay, durch die Minecraft: Story Mode auch ohne diese Art der Immersion funktioniert hätte, hielt man bei Telltale jedoch offensichtlich nicht für nötig. 

Fazit:

Es gibt Ideen, die sind so verrückt, dass ich sie unbedingt ausprobieren möchte. Nicht selten folgt auf ein solches Experiment die Erkenntnis, dass die entsprechende Idee offenbar nicht wirklich funktioniert. In diesem Sinne erinnert mich Minecraft: Story Mode an die Lakritz-Eiscreme, die schon nach wenigen Löffeln in der Mülltonne landete. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, wie das typische Telltale-Gameplay mit dem pixeligen Minecraft-Universum zusammenpassen soll und war neugierig darauf, wie das Studio diesen Spagat geschafft hat. Nach dem Spielen folgte die ernüchternde Erkenntnis: Die beiden Konzepte harmonieren tatsächlich nicht miteinander und einen entsprechenden Spagat gibt es nicht. Minecraft: Story Mode ist daher nur ein durchschnittliches Spiel. Das liegt sicherlich auch daran, dass Telltale stur auf sein Gameplay-Korsett bestanden und spielerische Elemente aus dem Lego-Simulator komplett ausgeklammert hat. In der Folge ist Minecraft: Story Mode kein echtes Crossover, sondern nur ein weiterer interaktiver Film, in dem bekannte und recycelte Story-Bausteine aus anderen Telltale-Serien mit einem Minecraft-Skin nachgespielt werden können. Die herausragende Immersion, die The Walking Dead 2012 zu einem Hit machte, geht durch den eigenwilligen Stil jedoch flöten - was bleibt, ist eine ziemlich belanglose Spielerfahrung.

Wertung:

6.5

Andreas Held meint:

"Ein interaktiver Film, der durch die unpassende Lizenz und eine belanglose Handlung eher berieselt als vor den Bildschirm zu fesseln."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Gut

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