Test: Stardew Valley

Nutzer-Story von Etzloets am 28. Oktober 2017

Stardew Valley versucht in die Fußstapfen der Harvest Moon-Reihe zu treten. Ob das Spiel an die ruhmreichen Tage des bekannten Franchises heranreicht, oder dieses sogar übertrumpfen kann, verrät euch dieser Test.

Farmleben ohne Plan

Das Spiel bietet eine simple Hintergrundgeschichte. Man erbt als Spieler die Farm des Großvaters und da der triste Büroalltag einem die Stimmung verhagelt, packt man seine gesamten Sachen und zieht um nach Pelikan Stadt im beschaulichen Sternentautal. Dort angekommen wird man vom Bürgermeister Lewis und von Robin, der örtlichen Schreinerin, begrüßt und in das neue Heim geführt.

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Bei der Farm folgt der erste Schock. Seit dem Ableben des geliebten Opas hat sich keiner um das Grundstück gekümmert und demnach sieht es heruntergekommen aus. Hier lernt man als Spieler gleich kennen, dass Stardew Valley eine steile Lernkurve besitzt. Es kommt niemand vorbei, der einem zeigt, wie man die Felder bestellt und Tiere versorgt. Learning by doing steht hier an der Tagesordnung. Man muss sich alle Mechaniken des Spiels selbst erschließen. Also sollte man sich erst mal in der Stadt umsehen und mit allem und jedem vertraut machen.


Dies ist neben der Farmarbeit die zweite große Komponente von Stardew Valley. Es gibt eine bunte Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren. So wird Pierres Gemischtwarenladen eine häufige Anlaufstelle werden, da man dort die Saat für die Felder kaufen kann. Bei Marnie kann man Tiere kaufen.Gus betreibt die örtliche Bar und viele weitere Bewohner von Pelikan Stadt gehen einem geregelten Tagesablauf nach. Toll ist hierbei, dass es viele unterschiedliche Geschichten gibt. So lebt etwa Linus abgeschieden von allen als wilder Mann in einem Zelt und Penny wohnt im Wohnwagen und hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Während man Freundschaften aufbaut, bekommt man immer wieder Zwischensequenzen zu sehen, die oftmals ein völlig anderes Licht auf die Einwohner werfen. So wachsen einem die Individuen schnell ans Herz.


Zurück auf der Farm beginnt der harte Alltag. Zuerst wird Platz geschaffen. Mit einer Axt werden Baumstämme entfernt, mit der Spitzhacke zerstört man umliegendes Gestein und mit der Sense geht es dem Unkraut an den Leib. Nun hat man Platz um mit den ersten Feldern anzufangen. Man fängt an die ersten Samen zu pflanzen und muss dabei natürlich an das tägliche Gießen denken. Aufpassen muss man auch auf den Energiebalken. Ist dieser aufgebraucht kann man sich nur noch sehr langsam bewegen. Um das zu verhindern reicht es allerdings Nahrung zu sich zu nehmen oder zu schlafen. Wichtig ist auch eine Vogelscheuche aufzustellen, da sonst Krähen den Ertrag klauen.


Bauen in der Hosentasche

Hierzu nutzt man das Crafting-Menü. Man lernt im Laufe der Zeit immer neue Rezepte, durch die sich viele nützliche Dinge wie Kisten zum Ablegen von Gegenständen, Einmachgefäße um aus Früchten Marmelade zu machen oder die obengenannte Vogelscheuche herstellen lassen. Dazu benötigt man Materialien wie zum Beispiel Holz und Stein. Nach dem Crafting lassen sich die gebauten Errungenschaften frei auf der Farm platzieren. Um neue Gebäude zu errichten muss man Robin besuchen. In ihrem Laden kann man gegen ein Entgelt Hühnerställe, Schuppen und den Ausbau des Wohnhauses bekommen, allerdings benötigt man neben dem Geld auch hier Materialien, die man teilweise bei ihr kaufen kann. Aber alles lässt sich auch so finden oder anbauen.

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Um an Geld zu kommen ist es natürlich am einfachsten, angebaute Waren auf der Farm zu verkaufen. Dazu legt man sie einfach in eine Kiste neben dem Haus und nachts wird diese geleert und der Gewinn fließt in den Geldbeutel. Aber man kann auch Aufgaben für die Bewohner von Pelikan Stadt erfüllen. So hängt am schwarzen Brett vor Pierres Laden oftmals ein Aushang, bei dem jemand nach einem bestimmten Gegenstand sucht. Wen ihr diesen bereits habt, bzw. auftreiben könnt, winkt eine Belohnung. Außerdem steigert man so die Freundschaften zu den Leuten. Das kann soweit gehen, dass man heiratet und Kinder bekommt. Und etwas Hilfe auf dem Hof ist nach einer Hochzeit auch noch inklusive.

Link als Farmer?

Neben dem Alltag als Farmer gibt es auch noch weitere Beschäftigungsmöglichkeiten. So kann man zum Beispiel Angeln gehen und es gibt immer wieder besondere Feste in der Stadt, bei denen es auch Minispiele und Aufgaben gibt. Dazu hat sich Stardew Valley auch eine kleine Scheibe der alten Zelda-Spiele abgeschnitten. Man bekommt ein Schwert und kann sich in der Mine Ebene um Ebene nach unten kämpfen. Das bringt einem seltene Rohstoffe und andere Belohnungen, allerdings trifft man auch auf Feinde wie Fledermäuse und geisterähnliche Gestalten.

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Um hier gewappnet zu sein gibt es bessere Waffen, die einen höheren Rüstungswert besitzen, und Schuhe, die einem erhöhte Schadensresistenz bringen. Die Kämpfe sind nicht besonders anspruchsvoll, aber bieten einen schönen Kontrast zum restlichen Spiel. Vor allem, da alle Aufgaben optional sind. So kann man auch auf die Farmarbeit verzichten und sich nur um die sozialen Komponenten von Stardew Valley konzentrieren. Allerdingsist es das Gesamtwerk, dass dieses Spiel so gut werden lässt.


Technisch zeigt sich das Spiel von einer guten Seite, auch wenn es nicht herausragend ist. Die Grafik ist im 16-Bit Stil gehalten und wurde mit charmanten Animationen versehen. Was in der heutigen Zeit gewöhnungsbedürftig ist sind die Rasterfelder in denen man seine Aktionen ausführt. Um zu gießen muss man also immer einen Schritt zur Seite machen um dann das nächste Viereck mit Wasser zu benetzen, zumindest bis man seine Werkzeuge aufgewertet hat. Hier ist es ratsam in den Optionen einzustellen, dass das Feld das man im Augenblick vor sich hat von einem roten Quadrat umrandet wird, damit man sich einige Frustmomente erspart. Ohne diese Einstellung ist es mir einige Male passiert, dass ich ein falsches Feld getroffen habe. Das Spiel läuft auf der Switch sowohl im Dock als auch im Handheld-Modus fast jederzeit flüssig, einzig beim Angeln kam es im Test ab und an zu kurzen Bildhängern, die das Spielgefühl aber nicht beeinflusst haben.


Fazit:

Stardew Valley ist ein Spiel, bei dem die Zeit wie im Flug vergeht. Wie überrascht war ich, als ich auf meiner Switch gesehen habe, dass ich am ersten Tag fünf Stunden in das Spiel investiert habe, Dabei hat es sich angefühlt, als hätte ich erst angefangen zu spielen. Die steile Lernkurve verlangt einem einiges ab, aber dafür wird man mit absolutem Spielspaß und liebenswürdigen Geschichten belohnt. Und sobald man das Gefühl bekommt, alles im Spiel gesehen zu haben, öffnet sich ein neuer Bereich, der dem Spieler wieder etwas zu entdecken gibt. Es tut mir leid Harvest Moon, aber es gibt einen neuen König.


Wertung:

9.0

Etzloets meint:

"Stardew Valley zeigt, dass das Farmleben mit viel Spaß verbunden ist. "
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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