Test: The Evil Within 2

Von Michael Prammer am 25. Oktober 2017

Bethesda geht ein besonderes Wagnis ein und befördert die Fortsetzung von The Evil Within in eine frei erkundbare Welt. Ob dieses Experiment geglückt ist, verrät unser Test.

Zu Beginn ist vom Open-World-Feeling noch nicht allzu viel zu spüren. In einer recht linearen Erzählform schlüpft ihr erneut in die Rolle des Protagonisten Sebastian Castellanos, den Fans bereits aus dem ersten Teil des Horror-Titels kennen. Die Geschichte von The Evil Within 2 beginnt mit einem traumatischen Erlebnis für den Helden, der den vermeintlichen Tod seiner Tochter hinnehmen muss. Seine ehemalige Partnerin jedoch rekrutiert den traumatisierten Vater zu einer speziellen Mission; Sebastians Tochter soll in einer Zwischenwelt gefangen sein und es besteht noch Hoffnung, sie zu retten. Nicht ganz selbstlos wird dieser Auftrag an den Helden des Spiels herangetragen, denn im gleichen Atemzug sollen weitere Personen aus dem Paralleluniversum zurück in die Realität geführt werden. Es ist also einiges zu tun.

Willkommen in Union

Beim Transfer in die Zwischenwelt läuft nicht alles reibungslos ab. Sebastian erwacht in einem dunklen Gebäude und befindet sich auf der Flucht vor einem furchteinflößenden Wesen. In diesen ersten Spielminuten erinnert noch alles sehr stark an den Vorgänger, doch bereits nach dieser Passage ist die fiktive Stadt Union erreicht und die offene Spielwelt und das eigentliche Gameplay von The Evil Within 2 beginnen. Der Horror-Faktor wird zurückgeschraubt, echte Schockerszenen sind nur noch selten anzufinden. Viel mehr erwartet den Spieler eine verlassene Stadt, in der eine niederschmetternde Stimmung herrscht. Bethesda entledigt sich weitestgehend der Linearität des Vorgängers und ihr erkundet nach eurem Belieben die Häuser, Straßen, entlegene Winkel und andere Orte, um bessere Ausrüstung zu finden. Und diese ist auch bitter nötig, um sich den zahlreichen Gegnerhorden in Union zu stellen.

Neben der Hauptstory und der Suche nach den vermissten Personen gilt es hin und wieder auch einige kleinere Nebenmissionen zu erldigen, die das Spiel auflockern und um kleine Nebengeschichten erweitern. An dieser Stelle hätte Bethesda gerne auch noch weitere solcher Sidequests einbringen können. Aber auch so bleibt genug zu tun und die spannende Hauptgeschichte weiß jederzeit bestens zu unterhalten. Euer Hauptprotagonist, der von der Stimmung in Union sichtlich mitgerissen ist und gefühlstechnisch zwischen Selbstmitleid und Zynismus schwankt, weiß den Spieler an sich zu fesseln und lässt ihn eine gewisse Bindung zu ihm aufbauen. Dies zieht sich bis zum tollen Finale uneingeschränkt durch. Ihr könnt dabei mit 15 bis 20 Stunden Spielzeit für den einmaligen Durchlauf rechnen. Wer viel wert auf Vollständigkeit und Sammelobjekte legt, von denen es in the Evil Within 2 so einige zu entdecken gibt, sollte gut und gerne nochmal fünf weitere Stunden einplanen.

Zwischen schleichen und ballern

The Evil Within 2 ist vor allem in den ersten Spielstunden keineswegs auf grobe Ballerei gegen monsterartige Wesen ausgelegt, was auch ganz gezielt an der mangelnden Ausrüstung zu Spielbeginn liegt. Deshalb steht das Schleichen zunächst absolut im Vordergrund. Die düstere Stadt bietet zahlreiche Möglichkeiten sich zu verstecken. Diese sollten beim Erforschen der Stadt auch stets genutzt werden, da sich Gegner auch schon einmal plötzlich umdrehen und für einen überraschenden Angriff sorgen. Eure Schleichfähigkeiten - später übrigens auch das gesamte Waffenarsenal - lassen sich dabei in einem Versteck in Union aufwerten, sodass ihr beim Umherschleichen im Laufe der Story deutlich geschickter zu Werke gehen könnt. In verschiedenen Talentbäumen, zu denen in diesem Fall das Talent "Geschick" zählt, darf der Spieler bei Aufwertung leiser schleichen und nähert sich somit lautloser seinem Gegner. Dieser wird dann per Tastendruck lautlos um die Ecke gebracht. Die Talentbäume werden immer im selben Versteck aufgewertet, benötigt wird hierfür eine grüne Substanz, die von den besiegten Monstern zurückgelassen wird

Im weiteren Spielverlauf findet ihr jedoch auch verschiedene Waffentypen wie eine Armbrust mit verschiedenen Pfeilsorten oder ein Präzisionsgewehr. Durch die Möglichkeit des Aufwertens könnt ihr mit den stärkeren Waffen irgendwann auch auf direkten Konfrontationskurs mit größeren Gegnerhorden gehen. Des Weiteren lassen sich auch Schießpulver und Waffenteile finden, sodass in besagtem Versteck auch Munition selbst hergestellt werden kann. Davon gibt es, je nach Schwierigkeitsgrad (drei sind anwählbar,) nicht besonders viel zu finden, sodass der Spieler damit sorgsam zu Werke gehen sollte.

The Evil Within 2 sieht optisch prinzipiell sehr gut aus und vermittelt dank der tollen Lichteffekte ein besonders beklemmendes Spektakel. Die Charaktere sind schön detailliert ausgestaltet, die Kulissen wirken sehr sorgfältig ausgearbeitet und die verschiedenen Gegnertypen passen perfekt ins Spielsetting, auch wenn sie manchmal ziemlich obszön in Szene gesetzt wurden. Überhaupt sollte man an manchen Stellen im Spiel nicht allzu zart besaitet sein, da einige Stellen im Spiel doch ganz schön auf den Magen schlagen können und vor ekelerregenden Animationen wenig Halt machen. Auch die Klangkulisse, die zwar an manchen Stellen etwas eintönig wirkt, wurde aufwendig inszeniert und unterstreicht das bedrückende Gefühl der verlassenen Kleinstadt - ihr habt stets ein mulmiges Gefühl. Darüber hinaus wurden auch die Darsteller im Spiel sehr gut vertont. Leider läuft die gute Technik nicht immer ganz so sauber ab, wie sie sollte. Hin und wieder sind leider kleine Grafikruckler festzustellen, die sich vor allem bei hektischen Kameraschwenkern des Spielers bemerkbar machen. Überhaupt ist die Kamera nicht immer optimal und kann vor allem bei Schleichpassagen durch hohes Gras zum Hindernis werden.

Fazit:

The Evil Within 2 ist genau das richtige Spiel zu dieser Jahreszeit und kommt kurz vor Halloween am besten zu später Stunde zur Geltung. Bethesda hat es geschafft, ein Open-World-Horror-Spiel auf die Beine zu stellen, das ich in dieser Form noch nicht gespielt habe. Die beklemmende und düstere Kleinstadt Union bietet an jeder Ecke Erkundungsmöglichkeiten und lädt mich gleichzeitig in dunkle Gassen, Häuser und verwinkelte Korridore ein. An diesen Stellen kommt dann auch wieder ein besonderer Gruselfaktor zum Tragen, der den Vorgänger bereits ausgezeichnet hat. Ansonsten bleiben dem Spieler genug Freiheiten, die postapokalyptische Welt, die toll inszeniert wurde, nach Herzenslust zu erkunden. Immer wieder erwischt man sich dabei, abseits der eigentlichen Story einen entlegenen Pfad oder eine dunkle Gasse zu besuchen und schweift dann gänzlich vom Hauptpfad ab. Ein paar mehr Nebenmissionen wären sicherlich noch besser gewesen, um diese Anreize noch mehr zu fördern. Außerdem stört die Kamera ein wenig, die nicht immer optimal arbeitet und das Spiel manchmal sogar ins Ruckeln bringt. Diese Kleinigkeiten sollten aber kaum von The Evil Within 2 ablenken, denn die großartige Story und die beklemmende Atmosphäre machen das Spiel zu einer sehr guten Investition.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Eine packende Story und die beklemmende Atmosphäre machen The Evil Within 2 zu einem echten Halloween-Hit."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Matthew1990
vor 3 Jahren | 2
Ein schöner Test. Ich wünschte, der Titel käme mit Doom, Wolfenstein II und Skyrim mit auf die Switch. :)

Turrican
vor 3 Jahren | 0
Absolut!

Tobsen
vor 3 Jahren | 0
Echt cool, dass es eine neue IP geschafft hat, sich sowohl zu etablieren, als auch echt gut zu sein. Sowas tut der Branche gut. Es muss also nicht immer der x-te Aufguss bereits vorhandener Reihen zu sein.