Test: SUPERHOT

Von Nico Zurheide am 02. Juni 2016

SUPERHOT ist der innovativste Shooter, den ich seit Jahren gespielt habe. Und niemand hat mich gezwungen, diesen Satz zu schreiben. Wirklich.

Aber fangen wir vorne an: Was ist Superhot? Ein Ego-Shooter, in dem sich alles nur bewegt, wenn du dich bewegst. Das Spiel ist von einem kleinen Team im Rahmen des 7-Day FPS Jams entstanden, bei dem Entwickler innerhalb einer Woche einen Ego-Shooter programmieren müssen. Das Projekt wurde so gut angenommen, dass sich die polnischen Entwickler als "Superhot Team" finanzielle Unterstützung für eine Vollversion auf Kickstarter suchten. Glücklicherweise ganz und gar nicht in Zeitlupe wurde das benötigte Geld eingenommen und Superhot erschien im Februar 2016 für PC; inzwischen ist auch eine Xbox One-Version erhältlich. 

Optik und Story minimalistisch

Was beim ersten Anspielen sofort auffällt, ist das außergewöhnliche visuelle Design. Während die Spielwelt an sich ganz in weiß gehalten ist, fallen Gegner und deren Geschosse durch ein knalliges Rot sofort ins Auge. Waffen und sonstige wichtige Gegenstände heben sich durch einen dunklen Farbton hervor - mehr Farben wird man in Superhot nicht zu sehen bekommen. Diese Begrenzung könnte als rein visuelle Abhebung abgetan werden, als Andersartigkeit, um sich auf den ersten Blick von anderen Spielen abzusetzen. Dabei hat die Farbwahl in Superhot auch eine wichtige spielerische Komponente. Betritt man zum ersten Mal ein neues Level, sieht man direkt alle wichtigen Komponenten - Videospieler sind daran gewöhnt, dass wesentliche Dinge visuell hervorgehoben werden. Sämtliche in anderen Spielen übliche Anweisungen werden durch die einzigartige Optik überflüssig, bis auf die obligatorische Erklärung der Steuerung natürlich. 

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Das Ziel des Spiels ist dabei denkbar einfach: Erledige die roten Typen. Um diese Vorgabe zu bewältigen, stehen dem Spieler drei verschiedene Arten von Schusswaffen, zwei tödliche Nahkampfwaffen und sämtliche dunkel gefärbten Gegenstände zum Werfen zur Verfügung. Falls gar keine Waffe mehr in greifbarer Nähe sein sollte, lassen sich immer noch die Fäuste schwingen. Wird die Spielfigur dabei nur ein einziges Mal getroffen, startet das Level erneut. Hier kommt das einzigartige Feature von Superhot ins Spiel. Denn hier steht im Gegensatz zu anderen Titeln des Genres die Planung an erster Stelle, nicht Reflexe oder Zielgenauigkeit. Das Spiel mit der Zeit macht Superhot mehr zu einem Strategiespiel als zu einem First Person Shooter. 

Man kann sich jedes der kleinen, oft verwinkelten Level als Schachspiel vorstellen, in dem der Gegner sehr viele Figuren gleichzeitig bewegen kann und man selbst nur eine einzige. Der wichtige Vorteil besteht darin, die Geschwindigkeit steuern zu können - an erster Stelle sollten also Vorausplanung und Übersicht stehen. Gegner mit den unterschiedlichen Waffentypen können aus jeder Ecke erscheinen und während man vor sich gerade zwei Gegner mit einer Shotgun plättet, könnte hinter einem schon wieder eine Kugel abgefeuert worden sein und von rechts nähert sich ein Gegner mit dem Katana im Anschlag. Dabei muss man nicht in Panik verfallen - man hat ja Zeit - aber eine falsche Bewegung könnte jederzeit das Ende bedeuten.  

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Besondere Vermarktung für ein besonderes Spiel

Superhot führt zunächst langsam die Mechaniken des Spiels ein, bis nach dem Erlernen des "Hotswitch", also das Übernehmen eines gegnerischen Körpers, alle Register gezogen werden. In den späteren Leveln werden komplexere Manöver notwendig, idealerweise sieht man Bewegungen voraus und schießt in eigentlich noch leere Räume. Besonders schwierig wird das Spiel während der zwei- bis dreistündigen Kampagne zwar nicht, dafür kann man sein Können in den nach Abschluss der Story freigeschalteten Challenges und dem Endlos-Modus unter Beweis stellen. Schließt man ein Level ab, wird eine Aufnahme der abgelieferten Performance abgespielt, die sich sogar auf das eigens für Superhot erstellte Portal Killstagram hochladen lässt. Durch die Videos in Echtzeit kann man immer wieder seine dann superschnellen Reflexe bewundern.

Überhaupt bleibt es nicht nur bei dem eigentlichen Videospiel. Während Killstagram sich nur auf die Replays aus dem Spiel beschränkt, tauchen auch immer mehr Klone und "Superhot"-Varianten von anderen Spielen auf. So nutzen Pong und Hotline Miami das besondere Zeitfeature als PUSER TOH und SuperHotline Miami, während SUPERQOT ein Quake im Superhot-Stil ist (und kein zeitlich begrenzter Aprilscherz). Den Prototypen von Superhot kann man immer noch direkt im Browser spielen.

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Die kurze Kampagne von Superhot startet mit einem Chat, kommt im Laufe des Spiel immer wieder auf diesen zurück und arbeitet im Grunde auf ein einziges Ziel hin, das an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll. Immer wieder sind in den Leveln, neben der Action, besondere Areale versteckt, die surreal erscheinen und nur schwer begehbar sind, aber kleine Zusatzinfos zu der Story bieten. Da der Storymodus allerdings ohnehin bereits endet, wenn man die Mechaniken des Spiels begriffen hat, lassen sich der Endlosmodus und die über 200 Challenges als die eigentlichen Stars des Spiels festmachen. Etwas schade ist es, dass die ganzen kleinen und großen Einzelteile der zersplitterten Gegner im Endlosmodus nicht liegen bleiben - das hätte zwar Unordnung gebracht, der Massenmetzelei aber ein klares optisches Feedback hinzugefügt. Daneben bietet Superhot durch ein altes Computerterminal als Menü einige kleine Extras und sogar ein Minispiel - das alles kann aber nicht über den geringen Umfang hinwegtäuschen. Natürlich war hier ein sehr kleines Entwicklerteam am Werk - dennoch hätte ein Leveleditor der Langlebigkeit des Titel gut getan und hätte in der Prioritätenliste vor einer Virtual Reality-Version stehen müssen.

Fazit:

Superhot bietet den Spielern vermeintlich wenige Spielmechaniken, erzeugt damit aber ein unglaublich zufriedenstellendes Gameplay. Es fühlt sich einfach gut an, einen Gegner mit drei Schlägen in seine gläsernen Einzelteile zerspringen zu lassen, dessen Waffe aus der Luft zu fangen und nach einer Drehung zwei weitere rote Typen mit gezielten Schüssen ins virtuelle Nirvana zu schicken. Spielereien mit der Zeit sind in Spielen wahrlich nicht neu, Superhot setzt sein Kernelement aber perfekt um. Durch die ständige Planung und den langsamen Ablauf fühlt sich alles eher wie Strategie und weniger wie Shooter an und genau das ist erfreulich erfrischend. Denn im Grunde nimmt sich Superhot nur bestehende Elemente aus Ego-Shootern, pflückt sie auseinander und setzt sie zu einem großen Ganzen zusammen, das nicht zu unrecht so viele Kopien nach sich zieht.

Wertung:

9.0

Nico Zurheide meint:

"Kein Style over Substance, sondern eine perfekte Vermischung visueller Sprache und innovativen Gameplays."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Mangelhaft
Technik: Herausragend

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5 Kommentare:


Tobsen
vor 3 Jahren | 1
Willkommen Superhot Team! Willkommen Superhot! Willkommen Xbox One!

Ken_Sugisaki
vor 3 Jahren | 2
Hat da jemand etwas kein Splatoon gespielt?

Der R
vor 3 Jahren | 0
Ich glaube das Problem, das ich mit dem Spiel hätte wäre - dass ich mich kontinuierlich nur in zeitlupe bewegen würde...

OverKing53
vor 3 Jahren | 1
Man bewegt sich aber nicht in Zeitlupe.
Wenn du dich nicht bewegst läuft die Zeitlupe.
Wenn du dich bewegst, verläuft die Zeit normal schnell.

mowowo
vor 3 Jahren | 0
dieses spiel ist der HAMMER! ich bereue den Kauf keine Sekunde!!! ohne scheiß, allein für die Idee GOTY XD macht irre spaß...... und nein, man kann es nicht mit Multiplayer Titel splatoon vergleichen der schimmelte bei mir im Schrank seit 2 tage nach kauf xD