Test: Story of Seasons: Trio of Towns

Von Deniz Üresin am 12. Oktober 2017

Es wird wieder kräftig geerntet, gemolken und geheiratet, diesmal in einer noch größeren Welt mit gleich drei frei erkundbaren Städten! Aber reicht das, um aus der Fülle an Farming-Simulatoren herauszustechen? Lest es hier im NplusX-Test.

Ein langsamer Einstieg

Zwei Jahre nach Story of Seasons, dem ersten eigentlichen Harvest Moon unter neuem Namen,  bringt Marvelous einen Nachfolger auf den betagten Nintendo 3DS. Das Spielprinzip bleibt gleich, das Rad wird an keiner Stelle neu erfunden: Erneut bekommt ihr eine virtuelle Farm und beackert sie nach eurem Gusto, freundet euch mit NPCs an und tut und lasst, was ihr wollt. Wie bei jeder anderen Farmsimulation eben auch.

Nachdem ihr euren Avatar erstellt habt, bei dem ihr Namen, Geschlecht, Geburtsdatum und Aussehen bestimmen könnt, erlebt ihr die nicht sonderlich dramatische Hintergrundstory: Ihr wollt unbedingt Farmer werden, euer Vater hält allerdings nicht viel von dem Gedanken, da er euch das harte Arbeiten auf einer Farm nicht zutraut (Autsch!). Nach einer gefühlt nicht enden wollenden Intro-Sequenz hat euer Vater endlich nachgegeben und euch seinem Bruder Frank anvertraut, der zufälligerweise Farmer ist und zufälligerweise auch für euch eine Farm in der Nähe seiner eigenen bereit hat. Was ein Glück! So könnt ihr in der Nähe der Stadt Westown, die an eine klassische Wild-West-Stadt erinnert, auch gleich mit eurer Berufung anfangen – natürlich nachdem ihr in zwei weiteren extrem langen Cutscenes erst einmal die meisten Bewohner der Stadt kennengelernt und dann die Grundlagen des Spiels erklärt bekommen habt.

Wo ist das Trio?

Um euch nicht gleich zu Beginn mit zu vielen Optionen und Orten und Menschen zu überfordern, sind die beiden anderen Städte, das hawaiianisch angehauchte Lulukoko und das im asiatischen Stil gehaltene Tsuyukusa, für eine Weile nicht zugänglich. Dafür gibt’s auch eine Erklärung in der Story: Die Tore der Stadt sind kaputt und es dauert nun einmal Ewigkeiten, ein paar kleine Steine und Holzbalken aus dem Weg zu räumen. Doch in Westown gibt es auch erst einmal genug zu tun und zu sehen. Sobald der Gemischtwarenladen öffnet, heißt es also erst einmal sein Gespartes für Saatgut und Farmwerkzeuge zu opfern, um bald mit dem Ernten beginnen zu können. Bis die ersten Früchte herangereift sind, gilt es sich mit Nebenjobs über Wasser zu halten, die allesamt nicht sonderlich gut bezahlt werden und in der Regel das wiederholte Drücken des A-Knopfs oder einen kleinen Botengang erfordern.

Nach und nach werden die anderen Städte so zugänglich und eröffnen weitere Möglichkeiten. In Lulukoko könnt ihr beispielsweise weitere Farmbestandteile wie größere Ställe bestellen, euer Werkzeug upgraden und sogar euer Haus erweitern.

Mehr Arbeit als Spiel?

In Farmsimulationen steht das Arbeiten auf der Farm natürlich im Vordergrund. Da nur die Harten in den Garten kommen, ist gerade zu Beginn sowohl vorausschauende Planung als auch virtueller Schweiß vonnöten. Im Spiel verstreicht die Zeit etwa 60x schneller als in der Wirklichkeit, eine Sekunde in echt entspricht also einer Minute im Spiel. Täglich müssen die gesäten Pflanzen auf den Feldern gegossen, die Kühe gebürstet und gemolken, die Schafe geschoren und die Hühner hochgehoben werden (denn Hühner lieben es, hochgehoben zu werden!). Jede Aktion im Spiel verbraucht dabei Ausdauer, die ihr nach einem erholsamen Schlaf in eurem Bett oder einer leckeren Mahlzeit wieder auffüllen könnt. Da die Preise in den Restaurants aber nicht ohne sind und ein Nickerchen automatisch den Tag beendet, ist euer Aktionspotential zu Beginn noch recht eingeschränkt. Kümmert ihr euch gut um eure Tiere, düngt ihr eure Pflanzen ordentlich und freundet ihr euch mit den Bewohnern der Städte an, wirkt sich das jedoch positiv auf euren Erwerb aus: Glückliche Kühe geben qualitativ hochwertigere Milch, die teurer verkauft werden kann und wenn die sogenannte Stadtverbundenheit (ein Maß für die mittlere Zufriedenheit/Zuneigung der Stadtbewohner mit/zu euch) steigt, bekommt ihr auch mehr Geld für Nebenjobs und die Läden führen mehr Items ein. Sobald ihr eine Küche bekommen habt, könnt ihr zudem selbst Gerichte kochen und seid nicht mehr auf die teuren Restaurants angewiesen.

Um etwas Abwechslung von der schweißtreibenden Farmarbeit zu bekommen, bieten sich die verschiedenen Feste und Wettbewerbe an, deren Termine im Voraus angekündigt werden und die man in seinem Kalender nachschlagen kann. Auf den Festen wird gegessen, getanzt und gelacht, bei den Wettbewerben können Preise gewonnen werden, die sich positiv auf die Verkaufspreise eurer Früchte oder tierischer Produkte auswirken. Hier werden von euch ausgewählte selbst angebaute Früchte nach ihrer Qualität oder eure Tiere nach ihrer Zufriedenheit und der Gepflegtheit ihres Fells bewertet. Wer hier Preise abstauben möchte, sollte sich also rechtzeitig ins Zeug legen.

Ja, ich will!

In jede vernünftige Farmsimulation gehört natürlich auch die Möglichkeit, eine Familie zu gründen. Mit den ersten lockeren Scheinen in eurer Tasche könnt ihr euch bereits ein Haustier kaufen. Ob treuer Hund oder süßes Kätzchen – beide finden auf Spaziergängen das eine oder andere nützliche Item und sind somit nicht bloß bewegliche Deko.

Wer es etwas ernster angehen will, muss dann natürlich mit dem einen oder anderen heiratsfähigen Kandidaten anbandeln. In Westown kann euer männlicher Avatar beispielsweise die Blumenhändlerin Lisette heiraten, während ihr mit einer weiblichen Spielfigur die Wahl zwischen dem Cowboy-Postboten Wayne und dem etwas exzentrischen Doktor Ford habt. Durch kleine Geschenke, die der entsprechenden Person am besten auch  gefallen sollten (hier ist Zuhören angesagt!), erschleicht ihr euch langsam in ihr Herz. So wie im echten Leben eben auch. Der gewählte Artstyle des Spiels ist in diesem Fall jedoch etwas kontrovers – so werden fast alle Charaktere sehr kindhaft gezeichnet und auch einige der heiratsfähigen Figuren sehen nicht älter als 16 Jahre aus.

Die Eheschließung ist aber natürlich keine Pflicht und wer lieber als Junggeselle leben möchte, kann das problemlos tun. Mit dem Abbau von Erzen in Westown, dem Angeln am Strand in Lulukoko und dem gelegentlichen Tässchen Tee im Teehaus von Tsuyukusa stehen reichlich Beschäftigungen zur Verfügung, denen euer virtuelles Ich nachgehen kann.

Technischer Durchschnitt

Der Artstyle des Spiels ist sehr bunt und comichaft und die Charaktere sehen, wie bereits erwähnt, größtenteils sehr jung aus. Die Umgebungen sind simpel gehalten und kitzeln nicht alles aus dem 3DS heraus, aber wirken dank netter Details wie umherfliegender Blätter oder Insekten lebendig.

Die Bewegungsanimationen der virtuellen Menschen ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig – so sieht es fast aus, als waten alle Figuren im Spiel durch unsichtbares Wasser. Der 3D-Effekt lässt ebenfalls zu wünschen übrig, da durch ihn die Spielwelt im Prinzip nur in zwei Ebenen aufgeteilt wird: Der Vordergrund, in dem die eben erwähnten Blätter (oder im Winter Schneeflocken) herumwirbeln, und dem Hintergrund mit dem ganzen Rest. Besitzer eines Nintendo 2DS verpassen hier also nichts.

Auch klanglich zeigt sich Story of Seasons nicht von seiner besten Seite. Die wenigen Musikstücke im Spiel wiederholen sich recht schnell und sind für das insgesamt doch etwas eintönige Farmerleben etwas zu lebendig. Technisch wie spielerisch hat sich Trio of Towns damit im Vergleich zu seinem Vorgänger kein Stück weiterentwickelt.

Fazit:

Das Gameplay ist gleich geblieben, grafisch hat sich nichts getan – Story of Seasons: Trio of Towns ist das gleiche Spiel wie sein Vorgänger, nur eben mit drei erkundbaren Städten, die für etwas mehr Abwechslung und Umfang sorgen. Das altbewährte Prinzip ist natürlich nicht ohne Grund altbewährt, aber wer eine gute Farmsimulation spielen möchte, hat reichlich Alternativen zur Auswahl, wie eines der zahlreichen Harvest-Moon/Story-of-Seasons-Ableger für 3DS inklusive Fantasy-Action-RPG-Ablegern wie Rune Factory 4 und Return to PopoloCrois oder für andere Konsolen das Indiegame Stardew Valley, das vor kurzem auch für Nintendo Switch für einen deutlich niedrigeren Preis erschienen ist. Was dem Spiel allerdings angelastet werden kann, sind die viel zu langen Cutscenes, in denen kaum etwas passiert. Die Eingangsfrage muss hier also mit einem klaren Nein beantwortet werden – Story of Seasons: Trio of Towns ist ein  guter Farmsimulator, aber keiner, der sich in irgendeiner Weise von den anderen abheben kann.  

Wertung:

7.0

Deniz Üresin meint:

"Große Fans von Farmsimulatoren machen mit diesem Ableger nichts falsch, alle anderen können sich getrost nach günstigeren Alternativen umsehen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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2 Kommentare:


JoWe
vor 1 Woche | 0
"Große Fans von Farmsimulatoren machen mit diesem Ableger nichts falsch, alle anderen können sich getrost nach günstigeren Alternativen umsehen."
... und nehmen StardewValley für die Switch ;-P

Denios
vor 1 Woche | 1
ja, im Prinzip genau das :D