Test: Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen

Von Mark Schäfer am 04. Oktober 2017

Fast 14 Jahre sind bereits vergangen, seit Mario & Luigi in der Superstar Saga gemeinsam ins Abenteuer gezogen sind. Was das Remake des GBA-Klassikers aus heutiger Sicht noch zu bieten hat, erfahrt ihr in unserem Review.

Mario in einem Rollenspiel – das war selbst im Jahr 2003 nicht mehr so revolutionär, wie man denken könnte. Schließlich gab es zu diesem Zeitpunkt schon das legendäre Super Mario RPG von Squaresoft (1996) und das vor allem optisch herausstechende Paper Mario (2001). Dennoch verdiente sich Mario & Luigi: Superstar Saga seinerzeit viel Beachtung – wegen Luigis Beteiligung, und weil es manches einfach anders machte, als Fans es erwarten würden. Vier weitere Spiele folgten im Laufe der Zeit und nun heißt es back to the roots: In einem erweiterten Remake wird die alte Geschichte neu erzählt, diesmal auch aus Sicht von Bowsers Schergen.

Auf Abwegen im Bohnenland

Überraschung: Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen spielt zum größten Teil gar nicht im obligatorischen Pilzkönigreich. Und Prinzessin Peach ist auch nicht in persona entführt worden. Nicht einmal die fiese Echse Bowser tritt als verlässlicher Feind auf. Stattdessen hat Hexe Lugmilla aus dem benachbarten Bohnenland der Prinzessin die Stimme geklaut: Das italienische Bruderpaar tut sich mit Bowser zusammen, um ihr Einhalt zu gebieten.

Kurzerhand übernimmt ihr die Steuerung über gleich zwei Brüder. Zwar laufen sie direkt hintereinander und können nicht separat voneinander durch das Bohnenland geführt werden, doch Sprünge und Aktionen müssen sie getrennt voneinander bewältigen. Diese Zwei-Knöpfe-zwei-Charaktere-Logik kommt nicht nur bei der Erkundung der bunten Comic-Spielwelt mit ihren vielen Sprungpassagen zum Einsatz, sondern auch in den Kämpfen. Jedem Charakter erteilt ihr mit einem Knopf Befehle. Und da heißt es oft: Schnell schalten und nicht die Finger verheddern.

Denn besonders die Kämpfe kombinieren klassische Timing- und Geschicklichkeitsaufgaben, auf denen die Mario-Hüpfspiele basieren, mit rundenbasiertem RPG-Kampf. Zum richtigen Moment müsst ihr den richtigen Knopf drücken, um besonders starke Angriffe zu landen, feindlichen Attacken auszuweichen oder sie sogar zu kontern. Vor allem bei den Spezialattacken, an denen beide Brüder mitwirken, kommt es auf gutes Timing an. Wer geübte Finger durch jahrelanges Mario-Hüpfen hat, ist also im Vorteil. Doch ohne eine gewisse strategische Komponente lassen sich besonders schwierige Kämpfe nicht gewinnen. Denn Angriffe, Spezialattacken und Items wollen geschickt eingesetzt sein. Außerdem ist jeder Gegner für sich eine kleine Nuss zum Knacken. Über subtile Animationen kündigen die Gegner an, wen sie wie angreifen werden – das muss der Spieler dechiffrieren und entsprechend antizipieren.

Das Remake stellt euch an dieser Stelle viele Hilfen zur Verfügung. So können Spezialattacken zu jeder Zeit im Kampf erprobt werden und Angriffe pauschal, zum Preis einiger Kraftpunkte, geblockt werden. Kommt ihr trotzdem einmal ins Schwitzen, liefert ein jederzeit zuschaltbarer Leichtmodus einen ordentlichen Schub an Angriffs- und Verteidigungspunkten. 

Durch erfolgreich geführte Kämpfe sammeln Mario & Luigi Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und verbessern ihre Statuswerte. Neue Fähigkeiten, die nun schnell per Touchscreen ausgewählt werden können, und damit zusammenhängende Spezialattacken bekommen sie allerdings nicht nach Level-Stand, sondern im Verlauf der Handlung. Die Brüderaktionen erlauben es euch nach und nach, Orte zu erreichen, die vorher unerreichbar erschienen. Dort finden sich zum Beispiel ein Weg zum nächsten Ziel oder wertvolle Items. So kombiniert das bunte Spiel das Mario-Platforming aus der isometrischen Perspektive geschickt mit Rätseln und Rollenspiel-Elementen. Vor allem wegen des schnellen Umschaltens zwischen Funktionen und Fähigkeiten der Brüder, des flotten Kampfverlaufs und des flinken Weiterentwickelns der Spielmechaniken und Charakterfähigkeiten entwickelt Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen einen sehr angenehmen Spielfluss.

Das liegt auch an den kurzweiligen Dialogen und unverbrauchten Charakteren. Mit Wortwitz, charakterspezifischen Sprachfehlern oder Eigenheiten und einer Menge Persönlichkeit macht die simple Geschichte um die beiden Brüder und das Bohnenland einfach Spaß. Auch die Helden selbst bekommen Persönlichkeit injiziert, ohne eine einzige Sprechblase. Sie artikulieren sich ausschließlich über niedliches Italienisch-Kauderwelsch, exzentrische Animationen oder kurze, prägnante Sounds und Sprachsamples.

Die Schergen-Saga

Die offensichtlichsten Änderungen zum Original liegen ohne Zweifel in der Optik und dem Namenszusatz „Bowsers Schergen“. Grafisch orientiert sich das nur in 2D spielbare Remake stark an den bereits erhältlichen 3DS-Ablegern der Reihe. Dass dabei der Charme des Klassikers mit seinem eigenen, leicht pixeligen Look vollkommen verloren geht, nehmen die Entwickler von AlphaDream wohlwissend in Kauf, wie auch schon bei Dream Team Bros. und Paper Jam Bros. Verschmerzbar, aber gerade für Fans des Erstlings sicher eine kleine Enttäuschung.

Kenner der Superstar Saga werden bereits wissen, dass sehr früh im Verlauf des Spiels auch Bowser wie vom Erdboden verschwindet. Dieser Handlung widmet sich die Schergen-Saga, ein neuer Spielmodus, der die Handlung des Spiels aus Sicht von Bowsers Gefolge erzählt. Im eigenständigen Spiel-im-Spiel übernehmt ihr die Rolle eines Gumbas, der als Kommandant ein Team aus acht Komplizen in den Kampf führt, auf der Suche nach ihrem Anführer Bowser. Die lediglich durch Story-Sequenzen aneinandergereihten Kämpfe unterscheiden sich dabei stark von denen des Hauptspiels und finden in Echtzeit statt. Die kommandierten Schergen stürzen sich allesamt gleichzeitig und eigenständig in den Kampf. Ein begrenzter Einfluss besteht in Form von Spezialangriffen, die zum getimten Buttondrücken aufrufen, Befehlen des Kommandanten, die etwa die Moral des Teams steigern und durch die Zusammenstellung des Teams selbst. Im Laufe der Story schließen sich immer mehr Schergen dem Team an. So wächst die Auswahl an Gumbas, Koopas, Piranha-Pflanzen über Buu Huus bis zu den Koopalingen stetig an. Bereits nach kurzer Zeit sind so die Monstertypen Flug, Stürmer und Schütze beisammen, die nach dem Schere/Stein/Papier-Prinzip einem jeweils anderen Typen überlegen sind. Erfolgreiche Kämpfe erfordern also zunächst ein geschicktes und taktisches Zusammenstellen des Teams. Eine nette Abwechslung zum eigentlichen Spiel, die jederzeit über das Pausenmenü aufgerufen werden kann.

Fazit:

Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Minions glänzt auch im Remake noch mit einer gelungenen Kombination aus Geschicklichkeit, Rollenspiel, Rätsel und Humor und zählt noch immer zu den besten Ablegern der Reihe. Sinnvolle Neuerungen wie die Technikauswahl und Kartendarstellung über den Touchscreen steigern den Spielfluss. Der neue Schergen-Modus liefert eine vollkommen neue Sicht auf die bekannte Story und lockt durch das Kampfsystem besonders Taktiker und Strategen an. Wer von Marios Rollenspielausflügen einfach nicht genug bekommen kann, wird auch von Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen exzellent unterhalten, auch wenn die Reihe mit inzwischen fünf Ablegern auf manch einen etwas verbraucht wirken mag.

Wertung:

8.0

Mark Schäfer meint:

"Auch 14 Jahre später weiß die Superstar Saga noch zu gefallen. Dank neuem Spielmodus auch aus ganz neuem Blickwinkel."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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7 Kommentare:


Tim
vor 2 Monaten | 0
Ich weiß noch, dass ich das Spiel damals für den GBA sehr gut fand. Aber als ich jetzt neulich mal wieder mit den neuesten Ablegern für den 3DS begonnen habe, haben die mich zu Tode gelangweilt. Vielleicht ist die Zeit dafür bei mir einfach vorbei.

Terry
vor 2 Monaten | 1
Wobei der erste Teil imo einfach der beste Teil ist. Fand die danach auch nur noch "ganz gut".

Tobsen
vor 2 Monaten | 0
Ich hab einfach keine richtige Lust mehr auf den 3DS, obwohl das Spiel sicher echt sauber ist.

Nintendofan
vor 2 Monaten | 0
So ging es mir auch. Das Spiel ist klasse, wollte es ursprünglich sogar auf dem GBA noch einmal durchspielen, obwohl ich das schon 4-5 Mal getan habe. Reizte mich mehr als der 3DS, da ist bei mir irgendwie die Luft raus.

Hab es dort dann trotzdem komplett durchgespielt ^^‘

Denios
vor 2 Monaten | 0
habe bis heute nur Partners in Time so richtig gezockt und das fand ich nicht so übertrieben gut. Superstar Saga hatte ich mal bei nem Kumpel angefangen, da weiß ich nicht mehr viel von, außer dass es witzig war.
Wie Tobsen will ich aber eigentlich auch nicht mehr unbedingt extrem viel 3DS zocken und dann eben lieber komplett auf die Switch umswitchen...

Venne
vor 2 Monaten | 0
Für Switch würde ich es spielen. Auch in der Qualität. Aber mir fehlt irgendwie die Lust noch den 3DS raus zu kramen.

the_Metroid_one
vor 2 Monaten | 0
Scheint gut zu sein, bin aber nicht so motiviert. Die GBA Version wartet ja noch. Das hier wird vielleicht irgendwann mal geholt.