Test: Cook, Serve, Delicious! 2!!

Von Andreas Held am 26. September 2017

Lust auf jede Menge Food Porn garniert mit einer Gameplay-Mischung aus Typing of the Dead und Wario Ware? Dann seid ihr bei Cook, Serve, Delicious! vermutlich genau richtig.

Ein-Mann-Projekte, die es zu Weltruhm schaffen, sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Doch für jedes Minecraft und jedes Undertale gibt es mindestens genauso viele Projekte, die nicht minder gut sind, aber trotzdem für immer in den Weiten der Steam-Bibliothek verborgen bleiben. Zu diesen weniger glücklichen Indie-Titeln muss sich die intensive Restaurant-Simulation Cook, Serve, Delicious! zählen, die es auf Mobile-Geräten immerhin zu einem kleinen Achtungserfolg gebracht hat. Der Nachfolger erschien - nach einigen Schwierigkeiten - Mitte September auf Steam.

Virtuelles Kochen

In Cook, Serve, Delicious! geht ihr an der Theke eines Restaurants in Stellung und habt die Aufgabe, Bestellungen der Kunden entgegenzunehmen und die gewünschten Gerichte schnell und korrekt zuzubereiten. Je nach Größe besteht eure Essensausgabe aus sechs bis vierzehn Stationen. Betritt ein Kunde euer Etablissement, könnt ihr ihn bedienen, indem ihr die Nummer der Station drückt, an der er wartet. Anschließend müsst ihr seine Bestellung zubereiten, indem ihr für jede Zutat den korrekten Buchstaben eintippt. Für einen einfachen Cheeseburger wären das beispielsweise „M“ (für „Meat“), „C“ (für „Cheese“) und „R“ (für „Regular Bun“, also ein normales Hamburgerbrötchen). Zwischendurch müssen wir noch mit der Leertaste auf Zutaten-Seite zwei umschalten, auf der sich das Brötchen befindet. Viel schwieriger wird es, wenn der Kunde einen Deluxe-Burger mit drei Fleischpatties, einer Scheibe normalen und einer Scheibe Schweizer Käse, Salat, Tomaten, Zwiebeln, Röstzwiebeln, Pilzen und gekochtem Ei in einem Laugenbrötchen bestellt: MMMCSLTN, Leertaste, NMEZ. Das abschließende „Z“ steht übrigens für „Pretzel Bun“ - nur ein Teil der Zutaten lässt sich durch das Drücken des Anfangsbuchstabens platzieren.

Wahrscheinlich würde euer Job als virtueller Koch sehr schnell langweilig werden, wenn das Gameplay nicht deutlich komplexer wäre. Also müsst ihr zusätzlich noch Garzeiten berücksichtigen: Die Fleischpatties für Hamburger müssen beispielsweise erst noch auf dem Grill gebraten werden. Braucht ihr zu lange dafür, sie wieder vom Feuer zu nehmen, verbrennen sie und der Kunde verlässt wütend euren Laden. Nehmt ihr die Patties rechtzeitig vom Grill, müsst ihr den Burger anschließend sofort zusammenbauen - und in dieser Zeit könnte irgendetwas anderes anbrennen. Andere Rezepte variieren das Gameplay: Eine Hühnerbrust müsst ihr beispielsweise exakt sechs Mal mit dem Hammer zartklopfen. Drückt ihr im Eifer des Gefechts nur fünf Mal auf die „T“-Taste, serviert ihr dem Kunden eine Schuhsohle; sieben Mal, und das Fleisch zerfällt schon vor dem Braten. Obendrein müsst ihr euch dann auch noch um andere Aufgaben kümmern. Wenn ihr gerade Luft habt, müssen Klos geputzt, das Geschirr gespült, Getränke aufgefüllt und die Küche von Nagern und Ungeziefer befreit werden.
Komplett neu sind im zweiten Teil die sogenannten Holding Stations, in denen ihr bestimmte Rezepte und Zutaten vorrätig halten könnt. Statt eines einzelnen Muffins werdet ihr beispielsweise ein ganzes Blech auf einmal backen, sodass ihr die Teigwaren anschließend einfach auf Knopfdruck servieren könnt. Optional könnt ihr die neuen Stationen auch dazu nutzen, um einzelne Hotdog-Würstchen oder andere Zutaten mit Garzeiten vorzubereiten, sodass ihr eingehende Bestellungen sofort abfertigen könnt. Die dritte Option ist das Zubereiten von Beilagen: Kunden, die sich zu ihrer Bestellung noch einen kleinen Salat oder eine Portion Pommes gönnen dürfen, sind insgesamt geduldiger und es dauert länger, bis sie wegen einer zu langen Wartezeit euer Restaurant verlassen. Die Holding Stations bringen eine strategische Komponente ins Spiel, und wie ihr sie optimal nutzen könnt, müsst ihr mit der Zeit selbst herausfinden.

Virtuelle Karriere

Im ersten Teil des Indie-Titels war es die Hauptaufgabe der Spieler, im Rahmen einer Art Story-Modus ihr eigenes Restaurant aufzubauen. Diese Möglichkeit gibt es im Nachfolger immer noch - sie wurde allerdings stark eingedampft und ähnelt nun eher einem Sandbox-Modus. Die meisten Rezepte sind von Beginn an freigeschaltet oder können sofort gekauft werden, sodass ihr theoretisch bereits vom ersten Tag an Sushi in eurer heruntergekommenen Kneipe servieren könntet. Dadurch fehlt das Gefühl, im Spiel voranzuschreiten, und der Modus wird sehr schnell langweilig. Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung dieses Sequels lag offensichtlich woanders.
Der Hauptgang von Cook, Serve, Delicious! 2!! ist nämlich der neue „Chef for Hire“-Modus, in dessen Rahmen ihr in 30 vorgefertigten Restaurants jeweils etwa acht bis fünfzehn Schichten mit vorgegebenen Speisekarten absolvieren müsst. Ausgehend von Fast-Food-Buden, in denen ihr Brezel oder Spiegeleier herstellt, arbeitet ihr euch über Pizzerien und traditionelle Restaurants hoch bis in edle Etablissements, in denen ihr fernöstliche Spezialitäten oder teure Delikatessen servieren dürft. Die ersten Schichten bei den verschiedenen Arbeitgebern verlaufen eher gemächlich und geben euch genug Zeit, die neuen Rezepte zu erlernen und zu verinnerlichen. Im weiteren Spielverlauf müsst ihr dann aber auswendig wissen, welche Taste zu welchem Lebensmittel gehört - wenn ihr die Zutatenliste zu oft konsultieren müsst, seid ihr schlichtweg zu langsam, um während der „Rush Hours“ am Mittag und am Abend den Kundenstrom noch schnell genug abzuarbeiten.

In diesen intensiven Momenten, wenn ihr Gerichte im letzten Moment vor dem Verbrennen bewahrt oder vier Kunden gleichzeitig damit drohen, das Restaurant aufgrund zu langer Wartezeiten ohne Bestellung zu verlassen, und ihr diese scheinbar unmögliche Situation doch noch irgendwie bewältigen könnt, entfaltet das Gameplay sein volles Potential. Die schwierigsten Schichten begeben sich an die Grenze des für Menschen machbaren - hier müsst ihr fast zwingend das Zehn-Finger-System beherrschen, um überhaupt noch eine Chance zu haben, da bereits das Hin-und-Her-Schauen zwischen Bildschirm und Tastatur zu viel Zeit kosten kann.

Doch bis ihr so stark gefordert werdet, geht einige Zeit ins Land: Der Schwierigkeitsgrad steigt im Verlauf der mehreren hundert Levels sehr langsam und stetig an, und in eurem eigenen Restaurant könnt ihr es euch ohnehin so einfach oder so schwierig machen, wie ihr wollt. Das extrem fordernde Spieltempo ist jedoch der entscheidende Faktor, mit dem sich Cook, Serve, Delicious! mittelfristig von genreverwandten Smartphone-Spielereien und Flash-Games abheben kann.

Virtuelle Leckereien

Es ist unnötig zu erwähnen, dass das Ein-Mann-Projekt aus rein technischer Sicht keine Bäume ausreißt. Die pragmatische 2D-Optik tut, was sie soll: Das Gameplay auf eine ansprechende Art und Weise präsentieren. Dafür punktet Cook, Serve, Delicious! 2!! mit seiner künstlerischen Gestaltung. Im Mittelpunkt stehen hier natürlich die insgesamt 180 verschiedenen Gerichte, Getränke und Beilagen, die zum Teil unglaublich lecker aussehen. Viele Spieler berichten sogar davon, wie das Spiel sie dazu inspiriert hat, sich an den Herd zu stellen und einige der Rezepte selbst nachzukochen.
Doch auch die Gestaltung eures eigenen Speisesaals aus über 1.000 freischaltbaren Möbeln und Deko-Objekten kann durchaus Spaß machen, da sich mit dem Editor in kurzer Zeit sehr ansprechende Ergebnisse erzielen lassen. Die Musikuntermalung ist vor allem während der Abendstunden überraschend angenehm, und im Nachfolger habt ihr endlich auch die Möglichkeit, die nervigen Sprachsamples unabhängig von allen anderen Audio-Elementen abzustellen.

Auch wenn der Release des Spiels sicherlich nicht ideal verlief, war Cook, Serve, Delicious! 2!! bereits am Tag der Veröffentlichung ein sehr ausgereiftes Produkt. Wir haben beim Testen keinerlei Bugs gefunden. Viele Komfortfeatures wurden bereits wenige Tage nach dem Release nachgereicht, und in den kommenden Wochen und Monaten sollen noch einige kostenlose Add-Ons für das Kochspiel erscheinen. Da schon der erste Teil mehrere große Erweiterungen bekommen hat, ist dieses Versprechen durchaus glaubwürdig. Wichtiger ist jedoch, dass der Indie-Titel schon jetzt mehr als genug Inhalt für den Kaufpreis zu bieten hat. Es handelt sich um ein professionelles und glattgeschliffenes Produkt, das euch mehrere Dutzend Stunden lang bestens zu unterhalten weiß.

Fazit:

Das Schönste an Projekten wie Cook, Serve, Delicious! ist, dass sie noch aus einer wirklichen Passion für Videospiele heraus entstanden sind und nicht einfach nur die Aufgabe haben, möglichst viel Geld für ihren Publisher zu generieren. Mit kostenlosen DLCs anstelle von Season Passes, freischaltbaren Extras anstelle von kostenpflichtigen Lootboxen und seinem unkonventionellen, stellenweise fast schon unsinnigen Gameplay schafft es der Indie-Titel, auch großen AAA-Produktionen, die wahrscheinlich ein tausendfach höheres Budget zur Verfügung hatten, im Hinblick auf den reinen Spaßfaktor das Wasser zu reichen. Dafür müssen wir natürlich mit einer eher simplen, aber aus künstlerischer Sicht immer noch ansprechenden 2D-Optik und dem Fehlen von langen Render-Storysequenzen leben. Das auf den ersten Blick simple, auf den zweiten Blick schnelle und intensive und auf den dritten Blick stellenweise bockschwere Gameplay hebt Cook, Serve, Delicious! 2!! klar von billigen Smartphone-Produktionen und PC-Massenware ab und sorgt dafür, dass man tatsächlich mehrere Stunden lang vor seinen PC-Monitor gefesselt werden kann. Dazu kommt ein fast schon übertriebener Umfang, der durch zukünftige Add-Ons noch erweitert werden soll. Hut ab!

Wertung:

8.5

Andreas Held meint:

"Professionell, fordernd, ausgefallen, umfangreich und unglaublich spaßig: Cook, Serve, Delicious! 2!! ist ein Musterbeispiel für einen guten Indie-Titel."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Terry
vor 3 Jahren | 0
Also auf jedenfall hab ich jetzt Lust auf Burger :D

JoWe
vor 3 Jahren | 0
Und ich auf Okonomiyaki :-P!
Sehr schöner Test - hört sich lecker an

Kanta
vor 3 Jahren | 0
Hmm, gerade Okonomiyaki gehabt ;-) Mal schauen, ob sich der Test auch so "lecker" liest.