Test: Parascientific Escape – Crossing at the Farthest Horizon

Nutzer-Story von JoWe am 18. September 2017

Eindrücke zur Visual-Novel Parascientific Escape für den Nintendo 3DS.

Mein erster Kontakt mit einer Visual-Novel ergibt sich mit dem dritten Teil der Parascientific-Escape-Serie auf dem Nintendo 3DS. "Crossing at the Farthest Horizon" nahm mich mit auf eine Reise in eine nahe Zukunftsvision – in ein technisch weit fortgeschrittenes Europa, in dem eine Gruppe japanischer Protagonisten einer Verschwörung auf der Spur ist. Da ich die vorangegangenen Teile nicht kenne, wählte ich den Start mit dem Prolog, wobei ich hier selbst wählen konnte, inwieweit noch Charaktere erklärt und die vorangegangene Story aus den ersten beiden Teilen beschrieben werden soll.

Innerhalb von vier Kapiteln steuert man mit Ermittlungen in Latoua City durch eine abwechslungs- und wendungsreiche Story, in der man immer wieder mit Entscheidungen und Antwortmöglichkeiten konfrontiert wird, die entsprechend zu einem von mehreren Enden führen.

Die Kapitel sind hierbei in Episoden unterteilt, die wiederum aus „Adventure“ (Unterhaltungen und Gedanken der verschiedenen Charaktere mit Antwortmöglichkeiten), „Map“ (Reisemöglichkeiten zu verschiedenen Orten, an denen man sich Hinweise suchen muss und man auch einige Entscheidungsmöglichkeiten hat) und „Escape Rooms“ (aus denen man mit Hirnschmalz und Kombinationsgabe entkommen muss) bestehen. In den drei verschiedenen Escape Rooms wird man neben Hinweisen und Gegenständen auch durch die Fähigkeit, einen Blick in die unmittelbare Vergangenheit werfen zu können und diese leicht zu verändern, unterstützt. Kommt man nicht weiter, kann man sich mit Gedanken weitere Hinweise geben lassen.

Dargestellt wird das Geschehen mit qualitativ hochwertigen Zeichnungen der Charaktere und Hintergründen im Mangastil, die auch die 3D-Fähigkeit des 3DS in verschiedenen Ebenen ausnutzen. Die Charaktere weisen die klassischen Eigenschaften der "Mangastereotypen" auf: Ein taffer und trockener Protagonist, der von Charakteren mit den klassischen Eigenschaften von schüchtern bis ausgeflippt, unterstützt wird.

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Auf dem oberen Teil des Bildschirms spielt sich das Geschehen mithilfe der Hintergründe, Charaktere und Textboxen ab, während auf dem Touchscreen die Steuerung umgesetzt ist.

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Innerhalb der Rätsel kann man auf dem Touchscreen in den Räumen durch die verschiedenen Ecken oder angrenzenden Räume navigieren und mit bestimmten Punkten oder Gegenständen per Auswahlmenü interagieren. Hier kann man auch im Inventar die Hinweise checken, sich diese auf dem oberen Touchscreen dauerhaft einblenden lassen und entsprechende Items auswählen.

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Auch die Zeitreisefähigkeit lässt sich hier aktivieren, in der man bis zu fünf Tage zu frei wählbaren Uhrzeiten in die Vergangenheit zurückreisen kann. Auf dem Touchscreen erhält man so die Möglichkeit, die Szene neu aufzudecken um nach Änderungen zu suchen – das Inventar ist hier nicht einsetzbar, so dass man keine Gegenstände zu Hilfe mitnehmen oder aus der Vergangenheit direkt herausholen kann.

Die Musikuntermalung ist ausgesprochen gut und unterstützt das Geschehen atmosphärisch ohne zu aufdringlich zu sein.

Beim Hauptteil des Spiels – dem Lesen – habe ich einige Kritikpunkte. So kann man während der Adventure-Situationen (bei Unterhaltungen generell) nicht speichern, sondern muss sich erst durch mehrere Episoden klicken bis man im Map- oder EscapeRoom-Modus ist - was bei mir im längsten Fall eine dreiviertel Stunde gedauert hat. Auch arten die Unterhaltungen in eine Klickorgie aus: Ungefähr drei Textzeilen pro Textbox bei relativ großer Schrift - man kann den Fluss mit einem Klick abkürzen (oder in den Einstellungen auf die höchste Geschwindigkeit stellen) und dann per Klick die nächste Box laden. Teilweise nervig war, dass die Bestätigung bei verschiedenen Antwortmöglichkeiten ebenfalls auf dem A-Button lag und ich öfter versehentlich die oberste Antwortmöglichkeit bestätigt habe, obwohl ich nur den Textfluss abkürzen wollte – hier rate ich definitiv dazu, die Texte auf dem Touchpad weiterzuklicken, so dass eine versehentlich Eingabe bei aufploppender Antwortmöglichkeit auf dem Touchscreen ins Leere geht. Die Unterhaltungen kann man in der History nachlesen, die Antwortmöglichkeiten und gegebenen Antworten aber nicht.

Fazit:

Insgesamt hat mich „Parascientific Escape – Crossing at the Farthest Horizon” sehr positiv überrascht. Den Manga und Artstyle mag ich ausgesprochen gern und habe kein Problem damit, mich durch englische Textboxen zu klicken. Während der anfangs etwas dahinplätschernden Story wurde ich durch die Map-Einlagen und Escape Rooms motiviert, im letzten Drittel zieht die Story aber merklich an, sodass ich die letzten beiden Kapitel in einem Rutsch durchgespielt habe. Gewünscht hätte ich mir ein dynamischeres Speichersystem und etwas weniger Dialog – auflockernd wäre auch mal einfach eine Situationsbeschreibung (von mir aus auch aus Sicht der Charaktere) gewesen.

Für den ersten Durchlauf habe ich gut zehn Stunden benötigt – das hängt natürlich davon ab, wie schnell man bei den Escape Rooms vorankommt und wie schnell man liest. Ein Durchlauf ohne Knobeln (wenn dann irgendwann eine Komplettlösung online ist) ist aber schon in fünf Stunden machbar.

Durch die verschiedenen Enden ergibt sich ein Wiederspielwert, mit dem ich nicht gerechnet habe. Die Escape Rooms bleiben gleich, während der Story ergeben sich durch andere Antworten aber ein paar kleine Szenen, die ich beim ersten Durchlauf nicht erlebt habe. Aktuell bin ich mitten im zweiten Durchlauf, wobei ich hier versuche eine andere Bewertung der Kapitel zu erzielen. Nach einem kompletten Durchlauf bekommt man für jedes Kapitel einen Stern (Gold, Rosa oder kein Stern) – die Wertung ergibt sich durch die Antwortmöglichkeiten und führt am Ende zu verschiedenen Enden, die nach meiner Recherche wohl auch recht unterschiedlich ausfallen.

Für 5 Euro (und 995 Speicherblöcke auf dem Speicher des 3DS) bekommt man hier eine Visual Novel mit ordentlichen Rätseleinlagen. Eine Empfehlung für jeden Point-&-Click-Adventure-Fan und ein No-Brainer, wenn man zusätzlich Mangas mag. Die ersten beiden Teile werde ich mir mit Sicherheit demnächst aus dem E-Shop laden.

Wertung:

8.0

JoWe meint:

"Ein Spiel wie ein Flug zum Horizont. Ein etwas zäher Start - aber landen und austeigen möchte man am Ende doch nicht."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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3 Kommentare:


JoWe
vor 2 Monaten | 1
Ein Hinweis zur Beschreibung im Nintendo-E-Shop:
Dort heißt es z. B.: "(...)Wähle aus den zwei vorherigen Protagonisten Kyosuke Ayana und Hitomi Akeneno, erlebe ihre separaten Geschichten in Latoua City (...)"
Das kann ich so nicht unterschreiben: Erstens kann ich keine Protagonisten wählen, sondern bekomme sie episodenhaft vorgegeben. Zweitens erleben die beiden die selbe Geschichte und sind relativ selten an verschiedenen Orten. Generell eine der schlechtesten Spielebeschreibungen, die einen ziemlich falschen Eindruck vermitteln.

Tobsen
vor 2 Monaten | 1
Sauberer Test! Doch auch wenn der Preis mehr als fair ist, schreckt mich allmählich die Tatsache ab, wenn es heißt "für 3DS". Das ist eine richtig geile Konsole (gewesen), aber irgendwann ist auch mal gut. Also ich zocke ab und zu sogar noch DS-Spiele (durch) und z.B. Final Fantasy 4 werde ich ganz socher noch holen, aber das ist dann irgendwie eher so, dass ich es auf DS zocke, *obwohl* er tot ist. Irgendwie habe ich dieses Gefühl beim 3DS einfach nicht und es sträubt sich in mir etwas, wenn ich mit dem Gedanken spiele, ein neues 3DS-Spiel zu kaufen - für eine Plattform, die ihren Zenit echt überschritten hat, ein um ein Vielfaches stärkerer Nachfolger am Markt ist und deren Ära man (Nintendo) einfach nicht enden lassen will. So ist das Gerät irgendwie weder Retro, noch aktuell, sondern in so einer komischen in-between-Schwebe. Ich sehne mir halt irgendwie langsam eine Zäsur herbei^^.

JoWe
vor 2 Monaten | 0
Da die ersten beiden Teile "Cruise in the Distant Seas" und "Gear Detective" auch auf dem 3DS erschienen sind, finde ich es gut, dass man die Reihe auf dem Handheld komplett hat. Das "True Ending" und auch die alternativen Enden wirken für mich wie ein Abschluss der Reihe, insofern kann ich das gut verschmerzen. Ich sehe das aber auch wie du: die Switch macht den 3DS etwas obsolet, so verstehe ich auch die Entscheidung einer Neuauflage des 2DS nicht. Von mir aus können sie ja auch Spiele auf Switch UND 3DS bringen - aber ich ziehe Spiele auf der Switch vor und überlege beim 3DS mehr als zweimal, ob ich da noch investiere. Insofern hoffe ich auf Nachfolge-Titel von "Parascientific Escape" auf der Switch