Test: Metroid: Samus Returns

Von Lars Peterke am 12. September 2017

Endlich wieder ein klassisches Metroid! Oder ist dieser Zug längst abgefahren? Denn das zu gewagte Experiment Metroid: Other M und der beliebige Multiplayer-Shooter Metroid Prime: Federation Force stellten die Fans zuletzt auf eine harte Probe. Mit Metroid: Samus Returns verspricht Nintendo nun eine klassische Metroid-Spielerfahrung. Der Titel ist ein Remake von Metroid 2: Return of Samus und bietet demnach das typische 2D-Gameplay, mit dem es die Serie einst in den Spiele-Olymp schaffte. Unser Test beleuchtet, ob er an alte Glanzzeiten anknüpft.

Auf der Suche nach Relevanz

Die Metroid-Reihe hat ein Problem. Denn der letzte 2D-Ableger liegt mit Metroid: Zero Mission stolze 13 Jahre zurück. Inzwischen dominieren andere Spiele das Metroidvania-Genre. Es ist also nicht nur ein neues 2D-Metroid überfällig, sondern auch eines mit der passenden Frischzellenkur. Vielleicht gerade deshalb hat Nintendo die Verantwortung aus der Hand gegeben, nämlich an das spanische Studio MercurySteam. Es war bereits für Castlevania: Lords of Shadow verantwortlich und könnte demnach die goldrichtige Wahl für diese anspruchsvolle Aufgabe sein.

Bei der Geschichte belassen die Entwickler aber alles beim Alten und verpassen damit die Gelegenheit, Metroid in der Story weiterzuentwickeln. Nachdem Samus die Pläne der Space Pirates vereitelt hatte, schickt sie die galaktische Föderation nach SR388, um dort die Metroids endgültig auszulöschen. Den Rest des Spiels bestreitet der Spieler in gewohnter Isolation ohne weiteren Input. Ein Feature wie das Scannen von Objekten à la Metroid Prime wäre ein gutes Mittel gewesen, um die Handlung auszubauen.

Aber immerhin: das Spiel endet nicht wie seine Vorlage aus dem Jahr 1991 mit dem Kampf gegen die Metroid-Königin. Die Entwickler servieren danach noch ein sehr delikates Bonbon für die Fans, das wir an dieser Stelle natürlich nicht aufdecken. Ferner sollte man auch unbedingt den Abspann abwarten und den 3DS nicht voreilig abschalten. Beim Level-Design haben die Entwickler übrigens mächtig rangeklotzt. Metroid: Return of Samus ist locker drei bis vier Mal so groß wie das Original. Entsprechend lange wird man also brauchen, bis man überhaupt nur an die Nähe des Abspanns gelangt.

Frischer Wind dank neuer Features

Um den Titel spielerisch zu modernisieren, haben die Entwickler das Gameplay nicht völlig neu gedacht, sondern einfach an den richtigen Stellen weiterentwickelt. Das schlägt sich im Wesentlichen in drei neuen Mechaniken nieder, mit denen Samus arbeiten kann. Die erste neue Funktion ist der sogenannte Melee-Konter. Ein simpler Druck auf die X-Taste lässt Samus einen Uppercut ausführen, der sich gewaschen hat. Mit dem richtigen Timing blockt man damit nicht nur gegnerische Angriffe, sondern ebnet auch den Weg für Konter. Umgekehrt steht der Spieler aber selbst ziemlich dumm da, wenn die Parade ins Leere geht.

Außerdem erhält Samus im Spielverlauf vier sogenannte Aeon-Fähigkeiten. Ein spezieller Schild schützt vor Attacken, während ein Beam-Schnellfeuer auch besonders harte Gegner spielend leicht ausradiert. Eine weitere Fähigkeit verlangsamt die Zeit um den Spieler herum, was nicht nur in hitzigen Gefechten nützlich ist, sondern den Entwicklern auch ein paar coole neue Rätsel ermöglicht. Bei der letzten Aeon-Fähigkeit handelt es sich um einen Scanner, der auf die Lage von Räumen in der Umgebung aufdeckt. Damit werden die im Spiel nicht vorhandenen Karten-Terminals kompensiert. Hartgesottene Fans müssen diesen Scanner aber nicht benutzen. Zusätzlich ist jede Aeon-Fähigkeit nur kurz nutzbar, da sie an einer separaten Energieleiste knabbert, die man im Spielverlauf erst noch erweitern muss.

Das letzte neue Feature im Bunde ist eine freie Zielfunktion für den Beam, die man durch das Drücken der linken Schultertaste aktiviert. In diesem Zusammenhang muss man die Entwickler auch für die Steuerung loben. Einige Funktionen wurden nun auf den Touchscreen des 3DS verfrachtet. Dort tippt ihr entsprechende Schaltflächen an und wechselt damit zwischen den verschiedenen Beams sowie Missiles und Super Missiles. Als positiver Nebeneffekt wird so auch die Immersion verstärkt, da das Spielgeschehen auf dem Hauptbildschirm komplett HUD-frei ist. Dazu bekommt das Gameplay so tatsächlich auch eine leicht taktische Note. In Kämpfen gegen stärkere Metroids muss man sich zunächst etwas Raum schaffen, damit eine Sekunde mehr Zeit ist, um den Beam zu wechseln, ohne dabei auf dem Präsentierteller zu sitzen.

Das schnellste Metroid aller Zeiten

Wer glaubt, dass Samus’ neue Fähigkeiten das Spiel zu einem Spaziergang machen, täuscht sich gewaltig. Metroid: Samus Returns spielt sich nämlich unfassbar flott, schneller als jedes Metroid zuvor. Die Gegner bewegen sich teils pfeilschnell und das Leveldesign spielt euch dabei ganz bewusst nicht immer in die Karten. Der Melee-Konter ist also kein Utensil, das man einfach benutzt, sondern zunächst einmal meistern muss. Für jeden neuen Gegnertyp muss man das Timing anpassen, sodass die Konter-Option über den gesamten Spielverlauf hinweg nie eine sichere Bank ist.

Ähnlich verhält es sich mit dem freien Zielen. Teilweise sind die Areale so vollgepumpt mit Gegnern, dass man ohne das schnelle Zielen ziemlich aufgeschmissen wäre. Metroid: Samus Returns ist knüppelharte Action und schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ziemlich fordernd. Wer unvorsichtig agiert, stirbt und startet an der letzten Speicherstation. Allerdings werden etwa bei Gebietswechseln oder nach größeren Kämpfen Autosaves erstellt. So frustriert es nicht, wenn man einen Boss haarscharf absolviert, nur um danach von einem ungünstig platzierten Kleingegner den Gnadenstoß verpasst zu bekommen.

Wer das umfangreiche Arsenal von Samus Aran gekonnt nutzt, kann aber viele Möglichkeiten entdecken, um die Gegner zu besiegen. Beispielsweise kann ein passgenauer Konter eine Schwachstelle aufdecken, mit der sich wesentlich mehr Schaden verursachen lässt als mit konventionellen Methoden. Gameplay, Gegnerdesign und die neuen Features sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass Metroid: Samus Returns eine extrem intensive Spielerfahrung bietet. Auch die Kämpfe gegen die Metroids wurden stark variiert. Während sich diese im Original mitunter redundant anfühlen, gibt es in der Neuauflage öfters einen Kniff, der den Kampf besonders macht.

Die Bosskämpfe treiben den Puls nach oben und die Schweißperlen auf die Stirn. Wenn man sich dann schließlich alle Angriffsmuster eines Gegners eingeprägt hat und nach zahllosen Versuchen endlich der knappe Sieg gelingt, ertappt man sich unter Umständen dabei, wie einem ein lautes “YES!” über die Lippen geht, begleitet von einer tiefen Genugtuung, die man sonst nur aus Spielen wie Dark Souls kennt.

Tolles Leveldesign und erhabene Präsentation

Bei aller spielerischen Raffinesse haben die Entwickler es nicht versäumt, auch bei der Präsentation das Optimum herauszuholen. Eine Grafik war in der Gameboy-Vorlage ja nun nicht wirklich vorhanden: Samus lief meist über graue Steine auf schwarzem Grund. Aus diesen sind nun aufwändig gestaltete 3D-Hintergründe geworden. Man läuft durch ausufernde Höhlen, Tempelruinen der Chozo oder entdeckt Flora und Fauna tief unter der Planetenoberfläche. Atmosphärisch ist der Titel ungemein dicht.

Metroid: Samus Returns ist das erste 2D-Metroid in Polygongrafik. Dabei demonstriert MercurySteam eindrucksvoll, wie sich die Möglichkeiten der dritten Dimension nutzen lassen, um die Immersion zu steigern. Konterattacken werden mit rasanten Kamerafahrten gekonnt inszeniert und wenn ein Bossgegner aus dem Hintergrund in den Spielbereich hineinklettert, kann auch der 3D-Effekt des 3DS glänzen. Bei aller Opulenz läuft das Spiel permanent flüssig und ohne Slowdowns. Einzig die Texturqualität ist nicht immer optimal, was jedoch nur bei wirklich genauem Hinsehen auffällt. Hier wurde die perfekte Balance gefunden und das Maximum aus dem 3DS herausgeholt.

Selbiges gilt übrigens für den Sound. Metroid: Samus Returns sollte man wirklich unbedingt mit Kopfhörern spielen. Das GameBoy-Gedudel wurde in stimmige Metroid-Melodien transformiert und neue Arrangements des Norfair- oder Maridia-Themas sorgen wie so viele andere Aspekte des Spiels für freudig aufgestellte Nackenhaare bei Fans der Serie.

Nintendo ist seit der Wii-Ära stetig bemüht, seine Serien weiterzuentwickeln und zu transformieren. Oft geht es dabei in eine Richtung, die nicht jedem Nintendo-Fan der der alten Schule gefällt. Mit Samus Returns schafft Nintendo nun jedoch erstmals etwas wirklich Bemerkenswertes. Das wird einem klar, sobald man innehält und das neue Metroid-Abenteuer wirken lässt. Der Titel ist ein authentischer Liebesbrief an jeden Metroid-Fan der ersten Stunde, obwohl gleichzeitig an unzähligen Ecken und Enden neues Terrain beschritten wird. 

Fazit:

Mit Metroid: Samus Returns melden die Entwickler nicht nur Anspruch auf den Genre-Thron an, sondern positionieren die Metroid-Reihe mit herausragendem Gamedesign und viel Feinschliff völlig neu. Samus’ Rückkehr ist der beste Handheld-Actiontitel der letzten Jahre. Darüber hinaus ist es eine beeindruckende Lehrstunde für das perfekte Remake. Die Entwickler von MercurySteam haben sich gleichermaßen eng am Original orientiert und spielerisch neue Wege beschritten. Bedenkt man, dass das GameBoy-Original einer der eher sperrigen Serienvertreter ist, war das so nicht zu erwarten. Metroid: Samus Returns ist aber das beste 2D-Metroid seit Super Metroid geworden. Unfassbar.

Wertung:

9.5

Lars Peterke meint:

"Die neue Action-Referenz auf dem 3DS und das beste 2D-Metroid seit Super Metroid."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Herausragend

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5 Kommentare:


Terry
vor 4 Jahren | 2
Eigentlich wollte ich den Titel ja nicht mehr holen, weil ich innerlich irgendwie schon mit dem 3DS abgeschlossen habe. Ich hätte das Teil ja viel lieber noch etwas hochaufgelöster auf der Switch gehabt - hab ich Nintendo auch schon mehrfach versucht deutlich zu machen. Nur leider ohne Erfolg.

Aber die Legacy Edition ist ja eh vorbestellt :D

Denios
vor 4 Jahren | 0
jo, hätte seit März auch jedes 3DS-Game lieber auf der Switch... Aber okay, so ganz langsam hört es denke ich auf, nach Metroid kommen hierher doch nur noch die neuen Pokémon Versionen und dann eben ein paar lokalisierte Japanogames.
Auf Metroid bin ich jedenfalls seit der Ankündigung richtig geil, Metroid 2 war mein erster Teil der Reihe damals und es war grauenhaft, aber auch irgendwie cool :D Hab schon lange wieder Bock auf ein ordentliches 2D-Metroid (und generell irgendein Metroid)

the_Metroid_one
vor 4 Jahren | 0
Danke für den Tesy klingt toll. Warte gespannt.

Gast
vor 4 Jahren | 1
So gehört sich das. Von einem Metroid erwartet man nichts anderes. Die hohe Wertung ist noch nicht mal überraschend, wenn man die restlichen Teile kennt. Da hat Nintendo den fast einzig richtigen Entwickler gewählt. Hut ab an MercurySteam. Gerne wieder!

Farbi11
vor 4 Jahren | 0
Wenn man die Legacy Edition jetzt auch noch kaufen könnte, das wäre schon was :'(