Test: Mario + Rabbids Kingdom Battle

Von Tim Herrmann am 28. August 2017

"Bwaaaah!" und "Woo-hooo!": Mario + Rabbids Kingdom Battle bei uns im Review.

„Ist das ein Fake?“ 

„Das ist ein Fake!“ 

„Ganz sicher.“ 

„Es muss einer sein …“

„Oder …?“

Die verrückten Gerüchte aus dem letzten Jahr waren echt: Ubisoft hat ein Spiel entwickelt, in dem Super Mario und die Rabbids gemeinsame Sache machen. Es ist die wohl irrste Gaming-Hochzeit seit Kingdom Hearts und Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen. Doch bringt sie auch ein gutes Spiel hervor?

Rabbid-Blödsinn an jeder Ecke

Die Rabbids stiften wiedermal Chaos: Sie schnappen sich eine Brille, die zwei Items (oder Personen) fusionieren kann – und bugsieren selbige mit ihrer zeitreisenden Waschmaschine irgendwie in Marios Pilzkönigreich. Aus Versehen entstehen plötzlich Punker-Rabbids, Rabbid Kong oder Piranha-Pflanzen, die das Land terrorisieren. Mario schnappt sich ein paar Rabbid-Verbündete und macht sich auf den Weg, um die Eindringlinge zu besiegen (und damit zu befreien). 

Die Spielwelt ist ein lineares 3D-Spielbrett, das ihr aus der Vogelperspektive bereist. Münzen, Sammelschätze und kleine Rätsel – die isometrische Welt hat mehr zu bieten, als man zuerst vermutet. Es gibt also an jeder Kurve etwas zu entdecken, auch niedliche Rabbid-Spinnereien und Gags.

Es ist dieses alberne Dauerzwinkern, das Mario + Rabbids Kingdom Battle seinen Charme gibt. Alle paar Minuten starten Videosequenzen oder Animationen voll typischem Rabbids-Blödsinn; mit treudoofer Mimik, merkwürdigen Gwah-Sounds und tollpatschigem Slapstick, der stark an die omnipräsenten Minions erinnert (die Rabbids waren übrigens zuerst da). Die Entwickler hatten unheimlich viele gute Einfälle, um den schrulligen Humor zu zünden. Gefühlt gehen Mario und Co. bei der Rabbid-Show sogar etwas unter, wirken wie vernünftige Statisten.

Ein Taktik-Shooter mit Mario? Und den Rabbids?!

So undenkbar wie das Crossover an sich ist auch sein Spielprinzip. Aus all den unwahrscheinlichen Optionen haben die Ubisoft-Entwickler sich die wohl unwahrscheinlichste für ihr Spielgenre ausgesucht: Mario + Rabbids Kingdom Battle ist ein lupenreiner Taktik-Shooter. Wahrscheinlich auch, weil Mario selbst schon alle anderen Genres besetzt.

Immer wieder unterbricht die Erkundung und das Spiel schwenkt in den Taktik-Modus um: Besiege alle Gegner, erreiche die Zielzone, eskortiere den Charakter. Zug um Zug bewegt ihr die Dreiertruppe in diesen Scharmützeln über das Spielbrett. Hinter Blöcken suchen sie Deckung, nutzen Höhenunterschiede im Terrain, benutzen das Rabbid-Röhrensystem und feuern mit ihren Laserwummen auf Rabbid-Gegner. Faustregel: Richtet mit einem Zug möglichst viel Schaden an, kommt weit voran und bleibt dennoch defensiv. 

Das simple Grundprinzip erweitern die Entwickler um charakterspezifische Spezialfähigkeiten und -Moves, die der Spieler nach und nach lernt und geschickt kombinieren muss: Den Teamsprung könnt ihr etwa einsetzen, um Charaktere weit nach vorn zu katapultieren; die Raserei fügt Gegnern schon im Vorbeilaufen Schaden zu. Jede Figur hat zudem limitierte Superkräfte oder Sekundärwaffen, mit denen sie automatisch angreift oder weniger Schaden erleidet. Je weiter das Spiel voranschreitet, desto mehr Techniken und Waffen erhalten die Protagonisten und desto stärker werden sie – genauso wie die Gegner.

Technisch alles bestens

Die Rabbids und das Mario-Universum passen ziemlich gut zueinander. Die Häschen fühlen sich nicht fremd im freundlich-bunten Pilzuniversum an, das mit Blümchen, Konfetti und all den anderen klassischen Mario-Stilmitteln stilistisch klar den Ton angibt. 

Die reine Technik ist eher zweckmäßig. Die Figuren sehen plastikhaft aus, die Welt ist simpel texturiert, aber detailliert ausgeschmückt. Besonders aufwändige Effekte findet ihr nicht, dafür aber auch keine Ruckler oder grafischen Fehler. Alles ist blitzsauber fertigentwickelt.

Die Spielmusik kommt von Gaming-Komponistenlegende Grant Kirkhope, den Fans von Banjo-Kazooie noch heute verehren. Kirkhope liefert in Mario + Rabbids Kingdom Battle einen handwerklich gewohnt hochwertigen Score ab. Ob das getragene, mystisch angehauchte Gedudel besonders gut zu den Rabbids oder zu Mario passt? Das ist wohl Geschmackssache.

Die Gretchenfrage: Macht das alles eigentlich Spaß?

Mario + Rabbids Kingdom Battle ist ein rundum äußerst hochwertig produziertes Projekt, das sich kaum Fehler leistet und vor allem mit seiner einmaligen Franchise-Kombination punktet. Mit vier Welten und je etwa 25 Gefechten, zahllosen freischaltbaren Charakteren und Waffen, einem kleinen Co-Op-Multiplayer-Add-On und zig versteckten Sammelitems ist auch der Umfang sehr gut. Der geplante DLC wird dem noch eins draufsetzen.

Die Entwickler haben sich mit ihrem Spielansatz nicht für den logischen, überraschungsfreien Weg entschieden. Das muss man ihnen hoch anrechnen. Aber zur Wahrheit gehört auch: Das Gameplay-Konzept passt zu keiner der vertretenen Serien wirklich gut. Einige Spieler werden damit nicht viel anfangen können.

Denn es bietet keine schnelle Action, keinen Party-Zeitvertreib, kaum Multiplayer – also nichts von dem, was Mario- oder Rabbid-Fans traditionell kennen und mögen. Das Taktik-Shooter-Gameplay ist durchaus ernstgemeint und kein Gag – auch wenn sich Kingdom Battle natürlich als eine Art Casual-Variante sieht. Dem Taktik-Shooter XCOM, der offensichtlich als spielerisches Vorbild gedient hat, will und kann es jedenfalls nicht den Rang ablaufen. 

Im Spielverlauf gewinnt es zwar zunehmend an Spieltiefe und wird komplexer, bleibt jedoch dauerhaft zugänglich und gnädig – manche würden sagen: seicht. Wer die Spielmechanik einmal begriffen hat, wird sich an kaum einer Stelle die Zähne ausbeißen. Genre-Kenner sind mitunter womöglich enttäuscht, dass das Taktik-Gameplay von unvorhersehbaren oder Glückseffekten, fehlenden Planungstools wie in Fire Emblem und geringem taktischem Handlungsspielraum versimpelt wird. Das Gros der Zielgruppe wird das aber kaum wahrnehmen und das kurzweilige Rabbid-Schach entweder wie ein exotisches Häppchen interessiert ausprobieren oder, entnervt von langsamem Tempo und fehlender Action, schnell wieder zur Seite legen.

FAZIT: Unsere Bewertung von Mario + Rabbids Kingdom Battle

Die Kooperation, die niemand hat kommen sehen, geht auf: Mario + Rabbids Kingdom Battle ist von vorn bis hinten hochwertig produziert und zu Ende gedacht – stilistisch, grafisch, musikalisch, spielerisch. Vor allem ist es sehr mutig. Denn es verlässt sich nicht nur auf seine Marken und ihre traditionellen Stärken, sondern kreiert mit ihnen etwas Eigenständiges: einen waschechten, ernstgemeinten Taktik-Shooter; familienfreundlich, bunt und recht einfach, ja, aber dennoch einen Taktik-Shooter. Das verdient Lob. Und eine Warnung: Nicht jedem wird das langsame, starr regelbasierte, vorausschauende Taktik-Gameplay richtig viel Spaß machen. Das Crossover ist ziemlich spitz zugeschnitten, bleibt dabei spielerisch aber seicht. Stilistisch spricht es Mario- oder Rabbids-Fans mit seinem skurrilen Witz und seinem Charme hingegen bedingungslos an. Eine bemerkenswerte Switch-Exklusiventwicklung!

Wertung:

8.0

Tim Herrmann meint:

"Ein mutiges, hochwertig produziertes Crossover voller Charme, das aber spielerisch nicht jedem gefallen wird."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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7 Kommentare:


Kanta
vor 4 Jahren | 0
Da ich das Design der Rabbids und den "Humor" schon immer sehr furchtbar fand, werde ich mir das Spiel auch nicht holen. Aber ansonsten klingt das doch recht gut. Hoffe Nintendo geht noch mehr solcher "mutigen" Cross-Over ein, auch neben den Musou-Spielen und dem jetzt hier.

GF0P
vor 4 Jahren | 0
Ich mag die Rabbids auch nicht. Aber ich bin ein glühender Fan des XCom Gameplays und habe Hunderte von Stunden mit den Klassikern UFO und TftD verbracht. Für die neusten XCom Reboota bin ich leider zu mimi geworden und stehe regelmäßig vor dem Mission fehlgeschlagen Schriftzug.
Daher kommt mir eine leichteere Trainingsvariante des Spielprinzips sehr gelegen!

the_Metroid_one
vor 4 Jahren | 0
Seit heute hab ich es auch. Gefällt mir für den Anfang schon ganz gut, denke die Wertung ist angemessen.

JoWe
vor 4 Jahren | 5
Sehr schöner Test! Allerdings stört mich der Begriff "Tactic-Shooter" - für mich sind das Spiele wie RainbowSix Siege, GhostRecon, Counterstrike ... XCom wäre "turnbased Strategy".
Ich freu mich jedenfalls schon auf heute Abend! Mal ein paar Haasen vom Spielfeld fegen ...

GF0P
vor 4 Jahren | 1
Seh ich genau so! Der Begriff Taktik Shooter ließ mich auch stirnrunzelnd zurück.
Pogopuschel
vor 4 Jahren | 0
geht mir ganz genau so ^^


actioneichhorn
vor 4 Jahren | 0
Nettes Spielchen. Wenn es einen Online Multiplayer hätte wäre es sogar richtig gut.